Ein Bad im Mittelfeld?

Die Stadt sucht Standorte für ein neues Hallenbad. Stadträte fordern nun die Berücksichtigung alter Pläne eines Bades im Neufeld.

Die Machbarkeitsstudie für ein Schwimmbad im Gaswerk-Areal oder im Marzili hat im Stadtrat Reaktionen ausgelöst: Bürgerliche fordern eine Prüfung des Standortes Mittelfeld.

Die Machbarkeitsstudie für ein Schwimmbad im Gaswerk-Areal oder im Marzili hat im Stadtrat Reaktionen ausgelöst: Bürgerliche fordern eine Prüfung des Standortes Mittelfeld.

(Bild: Valérie Chételat)

Die Stadt Bern trifft zurzeit Abklärungen zum Bau eines neuen Hallenbads. Anfang März hatte der Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welche das Gaswerk-Areal und das Marzili als Standorte für die geplante neue Schwimmhalle mit 50-Meter-Becken genauer prüfen soll. Das hat im Stadtrat Reaktionen ausgelöst: Jürg Weder (GLP), Kurt Hirsbrunner (BDP/CVP), Ueli Jaisli (SVP) und Bernhard Eicher (FDP) haben eine interfraktionelle Motion eingereicht, in der sie fordern, dass auch das Mittelfeld im Länggassquartier als Standort genauer zu prüfen sei.

Optimale Voraussetzungen

«Der Standort Mittelfeld ist prädestiniert für ein Schwimmbad», sagt Motionär Jürg Weder. Er sieht das Potenzial des Standorts in der guten Anbindung durch den öffentlichen Verkehr mit dem Neufeld-Bus und dem nahen Park & Ride. Und auch die Schulen, Gymnasien und universitären Einrichtungen in der Nachbarschaft sowie das bevölkerungsreiche Länggassquartier seien beste Voraussetzungen. Grund für die Motion war aber vor allem, dass bereits früher Absichten für den Bau eines Hallenbads auf dem Mittelfeld existierten.

Bereits in den Sechzigerjahren gab es Pläne, ein Quartierbad auf dem Mittelfeld zu bauen. Im Zusammenhang mit dem Vorhaben der Universität, auf dem Viererfeld einen Campus zu errichten, war die Idee entstanden. Damals schufen laut Berichten aus dieser Zeit die Architekten Friedli und Sulzer ein Bauprojekt. Dieses wurde jedoch nie realisiert. Die Stadt baute dafür andere Hallenbäder, so das Bad im Wyler und im Weyermannshaus.

Alte Pläne einbeziehen

Heute möchten die Motionäre erreichen, dass die Pläne von damals bei der Standortsuche für die neue Schwimmhalle berücksichtigt werden: «Wenn man schon Pläne hatte, sollte man diese in die Suche auch mit einbeziehen», sagt Bernhard Eicher. Und auch Weder geht es nicht primär um den Standort Mittelfeld: «Realisieren kann man das Hallenbad überall. Ich will da keine Prioritäten setzen.» Es gehe ihm vielmehr darum, dass das Mittelfeld wie alle anderen Objekte in der engeren Auswahl gleichwertig geprüft werde. «Die Idee ist, dass man die alten Pläne wieder hervornimmt und schaut, wie es funktioniert hätte.» Ob die konkreten Pläne des Projekts von damals überhaupt noch existieren, ist fraglich. Zwar sei überall davon die Rede, sagt Weder, aber wenn es konkret werde, wisse niemand davon. Eine Frage bleibt: Weshalb kam das Mittelfeld trotz guter Voraussetzungen nicht zum Zug?

Geprüft und ausgeschieden

Im Oktober 2010 hatte der Gemeinderat eine Projektgruppe mit Vertretern aus mehreren Direktionen eingesetzt, die mögliche Standorte für eine Schwimmhalle prüfen sollte: «Wir haben alle möglichen Standorte diskutiert, unter anderem auch das Mittelfeld», sagt Sven Baumann, Generalsekretär der Direktion für Bildung, Soziales und Sport und Vorsitzender der Projektgruppe. Anhand von verschiedensten Kriterien – dazu gehörten Stadtteil, Arealfläche, Eigentumsverhältnisse, Verfügbarkeit, aktuelle Nutzungssituation, Erreichbarkeit und Nachbarschaft – bewertete und diskutierte die Projektgruppe mögliche Standorte. Diese präsentierte sie gemäss Baumann im Juni 2011 dem Gemeinderat, der entschied, fünf weiterzuverfolgen: Weyermannshaus, Meinen-Areal, Wankdorf-City, Gaswerk-Areal und Marzili. Das Mittelfeld schaffte es nicht in die engere Auswahl: «Es standen viele Standorte zur Auswahl», erklärt Baumann. «Wahrscheinlich punkteten die anderen Standorte aufgrund dieser Kriterien mehr.»

Stadt braucht neues Hallenbad

Wie der Gemeinderat auf die Motion reagieren wird, ist zurzeit noch offen. Klar ist aber, dass Bern dringend eine neue Schwimmhalle braucht: «Die Stadt hat ein grosses Manko an Hallenbad-Wasser», sagt Sven Baumann. Die Nachfrage sei bei weitem grösser als das Angebot. Das Sportamt verbuchte in den drei Stadtberner Hallenbädern Weyermannshaus, Wyler und Hirschengraben – besser bekannt als Maulbeerbad – im letzten Jahr rund 327'000 Eintritte, aufgrund einiger Sanierungsarbeiten weniger als normal. Im aktuellen Jahr sei wieder mit 370'000 Eintritten zu rechnen, sagt Markus Gasser vom Sportamt. Das Hallenbad Hirschengraben ist dringend sanierungsbedürftig. Dass eine neue Schwimmhalle gebaut werden müsse, sei unbestritten, sagt Sven Baumann. Wo und wann, wird sich zeigen.

Der Bund

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