Ein altes Haus soll trendig werden

Das Hochhaus an der Berner Ostermundigenstrasse steht seit Jahren beinahe leer. Das soll sich nun ändern. Es gibt Pläne für eine künstlerische Zwischennutzung.

Vergebens um Mieter geworben: Das imposante Hochhaus an der Stadtgrenze steht seit mehreren Jahren praktisch leer.

Vergebens um Mieter geworben: Das imposante Hochhaus an der Stadtgrenze steht seit mehreren Jahren praktisch leer. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Bern könnte einen neuen Kunstort bekommen, der bis zu zwanzig Mal grösser ist als das Kunstmuseum. Das markante Hochhaus an der Ostermundigenstrasse 93 soll künftig künstlerisch bespielt werden, wie Recherchen des «Bund» zeigen. Seit die Swisscom 2014 auszog, steht das Haus zu grossen Teilen leer. Anders als jene schaurigen leeren Geisterhäusern in alten Filmen hat es aber kein löchriges Dach, keine Fensterläden, die gegen die verblichenen Bretterwände schlagen. Auch pfeift kein kalter Wind durch die Löcher.

Die 19 Etagen sind auch im Winter warm, die Böden mit Spannteppichen belegt. Es ist ein modernes Geisterhaus, ein Opfer des übersättigten Markts bei den Geschäftsimmobilien im Raum Bern. Und die Konkurrenz ist oft moderner und funktionaler als der Bau aus den 1960er-Jahren. Von den gesamthaft 66'000 Quadratmeter Nutzfläche konnten dadurch nur einige Tausend vermietet werden. Auch die Kantonspolizei zieht es vor, in Niederwangen einen Neubau zu erstellen. Damit zerschlug sich die letzte grosse Hoffnung der Besitzerin, der Reiber AG in Genf. Und je länger der Leerstand anhält, desto abschreckender wirkt dies auf potenzielle Mieter.

Zwischennutzung steigert Wert

Schreckten auch Zwischennutzungen Immobilienfirmen einst ab – «zu aufwendig, zu kompliziert» –, erkennen findige Immobilienbesitzer in diesen heute eine Möglichkeit, unattraktive Gebäude im eigenen Portfolio salonfähig zu machen. Ziehen zwischenzeitlich Künstler ein, wird aus dem grauen Büroturm schnell ein hipper, trendiger Ort. Das zieht anschliessend Mieter an.

Und so war Dierk Harte, der die Eigentümer berät und vertritt, über die Anfrage von Christian Pauli erfreut. Dieser hatte gemeinsam mit befreundeten Musikern vom Berner Netzwerk für Neue Musik (Pakt) die Idee, im fast leeren Hochhaus einen Konzertabend zu veranstalten. Das Gebäude sei «interessant», sagt Pauli auf Anfrage. Gar «sehr interessant» fände er es, wenn dieses zwischengenutzt werden könnte. Gestützt auf die Idee von Pakt wurde inzwischen ein Projekt ausgearbeitet.

Auch die Stadt Bern ist involviert, wie Christina Marti von der städtischen Liegenschaftsverwaltung auf Anfrage sagt. «Die Verwaltung des Hochhauses hat uns die Ideen und Ansätze für die Zwischennutzung vorgestellt.» Genaueres weiss man bei der Stadt noch nicht. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) ist aber froh, «dass endlich etwas passiert».

Zürcherin soll es richten

Details will auch Pauli nicht nennen. Er verweist an Harte von der Verwaltung. Dieser gibt sich wortkarg. Hinsichtlich der Zwischennutzung sei noch nichts Definitives entschieden. Man werde aber in wenigen Wochen informieren. Mehr will er nicht sagen. Mehrere Indizien zeigen aber, dass das Projekt doch schon weiter fortgeschritten ist. Gemäss Informationen des «Bund» soll der Pakt-Konzertabend am 8. Dezember als Startschuss für eine mehrjährige Zwischennutzung dienen. Zudem haben die Eigentümer auch schon eine Person bestimmt, welche das Projekt kuratieren soll.

Es handelt sich um die Zürcherin Georgina Casparis, die zuletzt bei der Manifesta 11 arbeitete. Auf Anfrage will sie nicht sagen, was sie künstlerisch in Bern plant – auch sie verweist an den schweigsamen Dierk Harte. In der Zürcher Kunstszene ist sie derzeit noch kein Begriff. Dafür ist die Tochter von Klatschkolumnistin Suzanne Speich, die auch den Musiksender Viva Swizz aufbaute, bei Zürcher Gesellschaftsanlässen ein gern und oft gesehener Gast. (Der Bund)

Erstellt: 03.08.2017, 08:13 Uhr

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