E-Bikes überholen nicht nur Fussgänger, sondern auch Velos

Oft kommen sich Fussgänger und Velos in der Stadt zu nahe. Mit der zunehmenden Anzahl E-Bikes verschärft sich die Situation.

In der Stadt Bern sind vermehrt E-Bikes anzutreffen.

In der Stadt Bern sind vermehrt E-Bikes anzutreffen. Bild: Adrian Moser

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In der Stadt Bern sind immer mehr Velos unterwegs. Das ist gewollt und wird mit der städtischen Velooffensive gezielt gefördert. Bern will den Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr bis 2030 auf 20 Prozent steigern. Gemäss aktuellen Ergebnissen aus einer schweizweiten Erhebung zu Mobilität und Verkehr, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, hat der Veloanteil in der Stadt Bern 2015 bereits 15 Prozent betragen. «Es ist gut möglich, dass die Stadt ihr Ziel bei der nächsten Befragung im Jahr 2020 schon erreicht haben wird», sagt der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel.

Mehr Velos bringen aber auch mehr Konfliktpotenzial mit anderen Verkehrsteilnehmern, besonders auf sogenannten Mischflächen. In der Stadt Bern gibt es Fussgängerzonen und -wege, auf denen auch Velos fahren dürfen, etwa am Kornhausplatz oder am Helvetiaplatz. «Es ist nicht sicher, wie gross die Problematik ist», sagt Vogel. Vertiefte Analysen auch mit Videoaufnahmen sollen zeigen, wie gross der Handlungsbedarf ist. Velos und Fussgänger getrennt zu führen, wie dies etwa am Hirschengraben gemacht wurde, kommt für den Verkehrsplaner nicht infrage. «Auf Plätzen mit Konfliktpotenzial werden wir Sensibilisierungskampagnen für mehr gegenseitige Rücksichtnahme machen.»

«Köniz macht es besser»

Fussgängerfreundlichere Lösungen wünscht sich Casimir von Arx von Fussverkehr Kanton Bern. Wegen der hohen Geschwindigkeit würden Velos von Fussgängern als bedrohlich wahrgenommen. «Im Idealfall sollten Mischflächen getrennt werden.» Von Arx, der für die GLP im Könizer Gemeindeparlament sitzt, stört sich daran, dass die Stadt Bern eine einseitige Velooffensive lanciert habe. Köniz mache es mit dem Programm «Fuss-Velo-Köniz!» besser.

Die zunehmende Anzahl E-Bikes trägt in der Innenstadt nicht zur Entspannung bei. «Der Effekt beim Überholen akzentuiert sich noch», sagt von Arx. Von einem schnellen E-Bike überholt zu werden, könne auch für jüngere Personen unangenehm sein. Von den Elektrovelos, die mit Tretunterstützung bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren, werden nicht nur Fussgänger, sondern auch Velofahrer überholt.

«Mischverkehrsflächen sind für schnelle E-Bikes kaum geeignet», sagt denn auch Michael Sutter, Präsident Pro Velo Bern. Geregelt ist dies schon heute so, schnelle E-Bikes dürfen Mischflächen nur mit ausgeschaltetem Motor befahren. «Das ist aber nicht zu kontrollieren», sagt Sutter. Deshalb vertritt er die Ansicht, dass schnelle E-Bikes in der Regel auf die Fahrbahn gehören. Dort, wo E-Bikes in den Velobereichen zu wenig Platz hätten, müssten sie in den Autoverkehr integriert werden. Eine andere Perspektive vertritt Andreas Kessler, Geschäftsführer der Biketec AG: «Die anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich an die E-Bikes gewöhnen», sagt er. Nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Fussgänger müssten aufmerksam sein.

Umstrittene Polizeiaktion

Kürzlich sorgte eine gezielte Polizeikontrolle unter Velofahrern in Bern für Aufregung. Auf dem Bahnhofplatz wurden Velofahrer auf dem Weg zum Veloständer von der Polizei angehalten und gebüsst. Betroffene beschrieben die Aktion als schikanös. «Die Verkehrsregeln gelten für alle, das muss man akzeptieren», sagt von Arx von Fussverkehr Kanton Bern. Für die Polizei seien solche Aktionen zudem kaum einträglich, sondern dienten der Sensibilisierung. «Kontrollen sollten dort stattfinden, wo sie der Sicherheit dienen», sagt Sutter. Auch für Vogel gehören Polizeikontrollen dazu: «Es ist aber grosse Kunst, die richtige Mischung aus Sensibilisierung und Kontrolle zu finden.» (Der Bund)

Erstellt: 14.04.2018, 08:04 Uhr

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