Droht der BLS jetzt eine Schlammschlacht?

Die geplante BLS-Werkstätte soll im Westen von Bern stehen – dieses Vorhaben unterstützt nun auch die Begleitgruppe, die bei der Standortsuche mitarbeitete.

Als Ersatz für die Werkstätte Aebimatt in Bern (Bild) sucht die BLS einen neuen Standort – und erntet Protest. (Archiv)

Als Ersatz für die Werkstätte Aebimatt in Bern (Bild) sucht die BLS einen neuen Standort – und erntet Protest. (Archiv) Bild: Adrian Moser

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Wenn die BLS zukünftig ihre Züge reparieren oder umbauen will, soll dies im Westen Berns geschehen. Seit einem Jahr sind Pläne des Bahnunternehmens bekannt, im Riedbach oder in der Umgebung eine Werkstätte zu bauen. Nach monatelangem Hin und Her wird nun auch die Begleitgruppe dieses Vorhaben unterstützen. Dies zumindest geht aus der Sitzung am Freitag hervor.

Zur Diskussion stand bisher, ob nicht auch Konolfingen oder Allmendingen geeignete Standorte für den künftigen BLS-Bau darstellten. Dem Vernehmen nach sind diese Varianten aber nun vom Tisch. Fraglich ist nur noch, welcher Teil von Bern-West empfohlen wird: Infrage kommen etwa Riedbach, Niederbottigen oder Chilforst Nord und Süd.

Nächste Woche wollen die BLS und die Begleitgruppe an einer Medienkonferenz über die Entscheidungsfindung informieren.

«Scherbenhaufen in Lausanne»

Was nach einer einvernehmlichen Lösung klingt, ist in Wahrheit der mögliche Beginn einer jahrelangen Schlammschlacht. Denn die Gegner des Vorschlags künden bereits an, dass sie in Fundamentalopposition gehen werden.

So etwa die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), die den Prozess ebenfalls begleitete: «Es ist die schlechtestmögliche Lösung für alle», sagt Präsident Bernardo Albisetti. Bis zuletzt kritisierte er den frühen Ausschluss des Standorts Thun: Die Stadt galt zunächst als vielversprechende Alternative. Man prüfte den Bau in einer Industriezone in der Nähe des Waffenplatzes.

Die Variante wurde aber verworfen: Wegen der Panzerbrücke und dem Bypass Thun-Nord müsse man die Gleise zu stark spreizen, hiess es. Ausserdem versprach sich der Thuner Stapi Raphael Lanz (SVP) am besagten Standort den Einzug von florierenden Unternehmen.

Was Albisetti am meisten stört: «In Thun hätte man in einer Industriezone gebaut – in Berns Westen hingegen müssten der Werkstätte zehn bis zwanzig Hektaren Kulturland weichen.

Dieser Umstand hält einer seriösen planungsrechtlichen Prüfung nicht stand.» Die QBB-Vertretung schlug in der Begleitgruppe daher vor, den Standort Thun nochmals durch einen ausserkantonalen Rechtsgutachter zu untersuchen.

Sein Wunsch blieb unerhört, weshalb man nun einem «allseits ressourcenzehrenden, konfliktbeladenen und langwierigen Rechtsmittelverfahren» mit Sorge entgegenblicke. Dieses könne durchaus zu einem Scherbenhaufen in Lausanne führen.

«Gruppe ist bloss Augenwischerei»

Dass der scheinbare Konsens erneut in eine Grundsatzdebatte mündet und nun möglicherweise ein langwieriger Rechtsstreit beginnt, dürfte bei der Begleitgruppe kaum auf Begeisterung stossen. Bernhard Antener, ehemaliger SP-Grossrat, präsidiert das Gremium. Er spricht laut und ist hörbar genervt – zum weiteren Vorgehen und zur Ansage der QBB will er aber nichts sagen und verweist auf den Pressetermin, die BLS tut es ihm gleich.

Der Berner Gemeinderat will vor einer Stellungnahme die Mitteilung von offizieller Seite abwarten. Noch im Juli hielt er aber fest: Eine Werkstätte in Bern-West sei grundsätzlich ein No-Go, da sie die nachhaltige Stadtentwicklung «auf lange Zeit massiv beeinträchtigen oder verunmöglichen» würde. Diskutieren liesse sich einzig über den Standort Chilforst Nord und Süd.

Das Vorpreschen der QBB könnte zum Zerwürfnis innerhalb der Begleitgruppe führen. Dabei galt deren Gründung als Teilerfolg der Gegner der Werkstätte: Die BLS plante anfangs auf eigene Faust und präsentierte den Bau in Berns Westen ohne Alternative.

Nach heftigem Widerstand der Bevölkerung gab sie nach, man setzt sich seither mit den verschiedenen Parteien regelmässigen an den runden Tisch. Zwischenzeitlich hatten sich darum die Fronten aufgeweicht: Der Suchradius für den geeigneten Bauplatz wurde von 20 auf 35 Kilometer erweitert, bei der Fläche gibt man sich nun mit 10, und nicht wie vorher mit 20 Hektaren zufrieden.

Und auch auf die Möglichkeit, den Bau später zu erweitern, wurde verzichtet. Bernardo Albisetti hinterfragt den Nutzen der Gruppe. «Welcher Laie kann sich schon derart rasch zu äusserst komplexen Fragestellungen eine fundierte Meinung bilden?»

Ausserdem habe eine Beurteilung der Standorte nach Massgabe des geltenden Rechts zu erfolgen, und nicht aufgrund von Mehrheitsentscheiden einer aus «juristischen Laien» zusammengesetzten Begleitgruppe. «Das hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack», sagt Albisetti.

Flankiert wird er von der IG Riedbach, die ebenfalls in der Begleitgruppe einsitzt und gegen den Bau opponiert. «Je länger je mehr wird jedoch ersichtlich, dass es sich dabei um eine Augenwischerei handelt», heisst es in einer Medienmitteilung der IG Riedbach. (Der Bund)

Erstellt: 17.09.2016, 08:20 Uhr

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