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Dissonanzen an der Stiftungsfeier der Universität

Am Dies academicus kam es zum Schlagabtausch zwischen Unirektor und Erziehungsdirektor.

Rede mit kritischem Tenor: Rektor Urs Würgler an der Stiftungsfeier. (Manuel Zingg)
Rede mit kritischem Tenor: Rektor Urs Würgler an der Stiftungsfeier. (Manuel Zingg)

Gewagt war an der 175. Stiftungsfeier der Universität Bern vom Samstag nicht nur die Kombination aus Rosen, Orchideen, Lilien und einer Armada von Weihnachtssternen für das opulente Blumendekor. Gewagt waren auch die Worte, die Urs Würgler für seine Rede wählte: «Das geht uns entschieden zu weit» oder «das würde die Uni nachhaltig schädigen», sagte der Universitätsrektor zum Revisionsentwurf des Universitätsgesetzes. Damit stellte er sich frontal gegen Pläne des Erziehungsdirektors, der traditionsgemäss ebenfalls Gast am Dies academicus war.

Beim umstrittenen Punkt der anstehenden Gesetzesrevision geht es um die Frage, wer künftig die Unileitung wählen soll. Heute bestimmt der aus Vertretungen der Fakultäten, Dozierenden, Assistierenden und Studierenden bestehende Senat den Rektor und die Vizerektoren weitgehend selber. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (grüne) will diese Kompetenz nun aber dem Regierungsrat übertragen. Dies empört die Uni offenbar derart, dass sie vom sonst auf Harmonie bedachten Protokoll der Feier abwich und es am Samstag zu einem ungewohnt offenen politischen Schlagabtausch kommen liess.

Die Politik müsse bei der Universität künftig in zentralen Punkten «wirklich Einfluss nehmen können», sich dafür aber aus uniinternen Angelegenheiten raushalten, von denen sie nichts verstehe, sagte Pulver. Einer dieser zentralen Punkte sei die Wahl der Unileitung als zentrales Führungsorgan. «Dieser Punkt gibt uns Anlass zu grösster Sorge», erwiderte Würgler. Wähle der Regierungsrat den Rektor, verkomme das Amt zu einer politischen Funktion und gerate «in den Strudel kurzfristiger politischer Auseinandersetzungen». Bei allen positiven Aspekten der Gesetzesrevision überwiege dieser Nachteil.

Würgler feuerte noch eine Breitseite gegen die Politik des Erziehungsdirektors ab. In Anspielung auf die knappen Mittel sagte er: «Der Auftraggeber konnte der Versuchung nicht widerstehen, einen Mercedes der S-Klasse zum Preis eines Modells der A-Klasse zu bestellen.» Konkret bezog er sich damit auf den neuen Leistungsauftrag der Erziehungsdirektion, einen weiteren zentralen Punkt der politischen Steuerung der Uni. Im Gegensatz zur Revision des Unigesetzes ist der Leistungsauftrag jedoch schon unter Dach und Fach.

«Unerwünschte Effekte»

Auch die Bologna-Reform war Thema am Dies academicus: Es sei nicht Aufgabe der Uni, die Bedürfnisse der Wirtschaft zu befriedigen, kritisierte Studierendenvertreter Franz-Dominik Imhof die zunehmende Strukturierung des Studiums. Damit stiess er bei Unileitung und Erziehungsdirektion auf offene Ohren. Im Vergleich zum Ausland seien die Bedingungen für die hiesigen Studierenden zwar «nicht schlecht», sagte Rektor Würgler; man wolle das Reformrad auch nicht zurückdrehen. Die Unileitung sei aber daran, «unerwünschte Effekte» der Bologna-Reform zu beseitigen. Darin ging Pulver mit ihm einig: «Es braucht Platz für freies Denken», sagte der Erziehungsdirektor. Präsenzkontrollen an Vorlesungen zum Beispiel gehörten nicht an Hochschulen.

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