Die Weihnachtsmacher

Die Elektroinstallateure Peter Oehrli und André Steiger dekorieren seit 40 Jahren die Berner Altstadt für die Festtage. Das löst bei ihnen keine grossen Gefühle aus.

Wenn dann alles leuchtet, müssen sie «aber schon kurz staunen»: André Steiger und Peter Oehrli in der unteren Altstadt.

Wenn dann alles leuchtet, müssen sie «aber schon kurz staunen»: André Steiger und Peter Oehrli in der unteren Altstadt. Bild: Franziska Rothenbühler

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Wenn alljährlich zur Adventszeit ein Lichtermeer die Berner Altstadt flutet, sind nicht etwa Heinzelmännchen am Werk: Die Lichterketten des «Stärneräge» in der oberen Altstadt und die Tannenbäumchen zwischen Nydeggbrücke und Kornhausplatz werden zwar teilweise über Nacht montiert. Die Arbeit verrichten aber die Elektroinstallateure Peter Oehrli und André Steiger mit ihren Angestellten und Familien. 240 Bäume und 11 000 Lämpchen montieren und installieren sie jedes Jahr, und das seit über 40 Jahren.

Die Tradition nahm ihren Anfang im Jahr 1976. Zur selben Zeit stirbt der chinesische Diktator Mao Zedong, Apple bringt mit dem «Apple I» den ersten erschwinglichen Computer für Privathaushalte auf den Markt. Diese Relationen beeindrucken die beiden aber wenig: Für ihn sei es eine «Routinearbeit», sagt Steiger. Grosse Gefühle kämen beim Schmücken nicht auf, und auf die Weihnachtstanne im Wohnzimmer verzichte er, seit die Kinder ausgezogen seien. Für Oehrli ist es vor allem eine «hektische Zeit». Auch er hält es in den eigenen vier Wänden mit dem Weihnachtsschmuck bescheiden: «Eine Tanne gibt es nur, wenn die Enkelkinder über die Festtage zu Besuch sind.»

Das Dekorieren der Altstadt ist für beide «vor allem eine Frage der Solidarität». Wenn dann alles leuchte, müssten sie aber schon kurz staunen.

Die Frauen dekorieren

Oehrli und Steiger sind in der Altstadt aufgewachsen und stark mit ihr verbunden: Sie sind dort immer noch Patrons ihrer Elektrobetriebe. Oehrli sass lange im Leist der Unteren Altstadt und ist nach wie vor Präsident der Spysi – eines Gastrobetriebs, der in den Wintermonaten Hilfsbedürftigen währschafte Mittagsverpflegung für kleines Geld anbietet. Steiger sitzt bis heute im Vorstand des Kramgassleists. «Es war damals auch das Anliegen der Leiste, die Altstadt zu schmücken. Man ist auf uns zugekommen», sagt Oehrli. Heute steigt keiner von beiden mehr zur Montage auf die Leiter. Sie sind pensioniert und, wie sie selber sagen, «zu alt dafür».

Sie koordinieren aber weiterhin die Installation des Festschmucks. 360 Mannstunden sind nötig, um die Bäume aufzustellen und zu schmücken und die Lichterketten zu installieren. Die Montage übernehmen die Mitarbeiter ihrer Elektrobetriebe, das Schmücken der Tannenbäumchen erledigen die Ehefrauen und deren Freundinnen. Das Anbringen der Lichterketten des «Stärneräge» ist nicht ganz ungefährlich: Da diese in der Oberen Altstadt installiert werden, kommen ihnen die ÖV-Fahrleitungen in die Quere. Die Arbeiten erfolgen daher in der Nacht. Bernmobil nimmt die Leitungen hierfür jeweils vom Netz.

«Schon wieder diese Bäume?»

Die Weihnachtsdeko gefalle aber lange nicht allen. Oehrli sagt, er höre jedes Jahr denselben Spruch: «Schon wieder diese Bäume?» Und wenn er im November damit beginne, die Stromkabel zu verlegen, ernte er nur irritierte Blicke. Dafür, so sagen beide, sei über die Jahre alles ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Probleme habe es dagegen schon gegeben: Bei den grösseren Tannen am Boden zeigten Eltern manchmal ihren Kindern, dass man die Lämpchen abschrauben könne. «Da nützt das Dekorieren nicht viel, wenn dann kaum Licht brennt», sagt Oehrli. Und die Finanzierung sei eben auch nicht selbstverständlich. «Wir haben private Sponsoren. Aber vor allem die Leiste bezahlen für die Montage und den Strom, und das geht ans Budget.» Er wünscht sich, dass sich die Stadt Bern an den Kosten beteiligt. Man sei deshalb auch immer wieder im Gespräch mit den Behörden.

Die Altstadt hat sich verändert

Über die 40 Jahre habe sich vieles in der Altstadt verändert. «Die Leute sind heute hektisch, immer auf Achse», sagt Oehrli. «Früher ist es hier gemütlicher gewesen.» Zudem seien die Bäcker und Metzger grösstenteils verschwunden. Trotzdem seien die Quartiere nach wie vor durchmischt. «Es hat hier auch Platz für Leute mit kleinerem Einkommen, und das soll so bleiben», sagt Oehrli. (Der Bund)

Erstellt: 06.12.2017, 06:43 Uhr

Stromverbrauch nimmt ab

Die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt Bern verbraucht in einem Monat ungefähr 20 000 Kilowattstunden Strom, wie EWB-Sprecher Raphael Wyss sagt. Das sei etwa so viel wie viereinhalb durchschnittliche Berner Haushalte in einem Jahr verbrauchten. So kostet allein der Strom für die Weihnachtsbeleuchtung etwa 4000 Franken. Nach und nach werde die Beleuchtung aber auf LED-Technik umgerüstet. Das senke den Stromverbrauch massiv. (nj)

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