Die übrigen drei Täter bleiben wohl unbehelligt

In Bern werden die Ermittlungen im «Safari-Mord» nicht wieder intensiviert.

Juli 1998: Ermittler nehmen die Untersuchung am Vierfach-Mord an der Berner Belpstrasse auf.

Juli 1998: Ermittler nehmen die Untersuchung am Vierfach-Mord an der Berner Belpstrasse auf.

(Bild: Keystone)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Drei der vier Täter des «Safari-Mords» sind nach wie vor unbekannt. Nebst dem Fahrer des Fluchtwagens sind dies zwei Komplizen des nun verurteilten ­Täters, die ebenfalls an der Schiesserei vom 27. Juli 1998 im Tearoom Safari an der Belpstrasse 11 in Bern beteiligt waren. Wenn nicht ein Wunder geschieht, werden sie sich wohl kaum je vor der Justiz verantworten müssen.

Nur bei neuen Erkenntnissen

Bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland wird man die Ermittlungen jedenfalls nicht wieder neu angehen: «Mit der Übergabe der Akten an die türkischen Justizbehörden ist der Fall für uns vorerst abgeschlossen», sagt Staatsanwalt Stephan Neuhaus. Zu allfälligen weiteren Ermittlungen im Fall will er sich nicht äussern. «Solange die Täterschaft unbekannt ist, wird immer ermittelt, sofern es neue Erkenntnisse gibt», sagt Neuhaus.

Der Prozess in Istanbul dürfte aber kaum neue Erkenntnisse gebracht haben. Der nun verurteile 54-jährige türkische Staatsangehörige hat eine Beteiligung an der Tat bestritten und im Verfahren beharrlich geschwiegen.

Warten auf den Glücksfall

Die Zurückhaltung der Berner Justiz­behörden stösst bei einem Experten auf Verständnis: «Wenn der Täter schweigt, liegen keine neuen Ermittlungsschritte auf der Hand», sagt Jonas Weber, Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Bern. Unter diesen ­Umständen seien die Chancen minim, dass die drei Mittäter erwischt werden ­könnten.

Manchmal gebe es «Glücksfälle», indem aufgrund neuer Ermittlungsmethoden alte Spuren mit Erfolg neu aus­gewertet werden könnten, sagt Weber. Dafür bleiben im Fall des «Safari-Mords» noch 14 Jahre Zeit, da die Verjährungsfrist für Mord 30 Jahre beträgt.

Minutiös vorbereitete Abrechnung

Laut Weber sind lebenslängliche Urteile für Schweizer Verhältnisse selten. «Beim ‹Safari-Mord› handelt es sich um einen ausserordentlichen, spektakulären Fall.» Bei mehrfacher Tötung gehe es in der Regel um die Taten von Amokläufern, die sich selber richteten oder derer man habhaft werden könne. Beim ­«Safari-Mord» deute aber einiges darauf hin, dass es um eine Abrechnung gegangen sei, die auch bezüglich der Flucht minutiös vorbereitet wurde.

In diesem Sinne sei die Tat allenfalls vergleichbar mit dem Mordfall von Seewen SO, sagt Weber. In Seewen wurden am Pfingstsamstag 1976 in einem Wochenendhäuschen fünf Personen erschossen. Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt.

Der Bund

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