Die Statue auf dem Sprungturm

Die Kunstausstellung im Marzili wird eine Ausnahme bleiben. Auch künftig werden die Schwimmbäder im Winter meist brachliegen – ganz zur Freude der Anwohner.

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Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

So mancher sommerliche Marzili-Gänger hält seinen Körper für ein Kunstwerk. Diesen Herbst gibt es in der Badi aber echte Skulpturen zu bestaunen. Die Fondation Jetzt Kunst zeigt zum dritten Mal im Marzili die Werke schweizerischer Künstlerinnen und Künstler. Auf der Liegewiese, in den Umkleidekabinen oder gar auf dem Sprungturm sind bis zum 12. November verschiedenartige Installationen ausgestellt.

Der ungewöhnliche Schauplatz gehöre zum Konzept, sagt der Gründer von Jetzt Kunst, Rolf Zumstein: «Unsere Künstler produzieren ihre Werke speziell für den Ort.» Den «eigenartigen Spielraum» wolle man gezielt nutzen. Diese Idee liefert mitunter interessante Resultate: Pius Morgers Klanginstallation beispielsweise verleiht dem menschenleeren Frauenabteil eine fast ausserirdische, befremdliche Aura.

Teuscher hat «offene Ohren»

Auch die Öffentlichkeit des Schwimmbads spielt für Zumstein eine Rolle. «Uns ist wichtig, dass Kunst zugänglich ist, dass Menschen auf ihrem Sonntagsspaziergang plötzlich einem Kunstwerk gegenüberstehen.» Diese Vorstellung gefällt auch der Stadt Bern. Laut Zumstein darf Jetzt Kunst nun alle drei Jahre bis 2026 in der kalten Jahreszeit das Marzili als Ausstellungsort nutzen.

Auch in anderen Berner Schwimmbädern tut sich etwas: Am Sonntag fand im Freibad Weyermannshaus ein Radquer-Event für Gross und Klein statt. Für das Lorrainebad ist eine Sauna geplant, deren Realisierung sich allerdings verzögert. Innovative Badi-Ideen freuen die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB): «Kunst in Bädern ist cool, weil sie dort die Leute überrascht.» Für «passende, kreative Projekte» wie etwa Theaterstücke oder kleinere Konzerte habe die Stadtregierung auf jeden Fall offene Ohren, solange die Nachtruhe der Quartierbewohner nicht gestört würde.

Nicht nur Teuscher begrüsst frische Gedanken zur winterlichen Freibadnutzung. Die Juso Bern erkennt bei den leeren Schwimmbädern ebenfalls Potenzial. «Mit den Badis könnte man ausserhalb der Saison durchaus mehr machen», sagt Vera Diener vom Juso-Vorstand. Kommerzielle Veranstaltungen sähe man weniger gern. Die Berner Badi-Beizli GmbH, die in drei Berner Bädern wirtet, wäre für allfällige Winterbesucher gerüstet, sagt Rahel Jost seitens der Firma. «Events wie das Radquer sind für uns eine grosse Bereicherung.»

Bei allem Enthusiasmus für Kaltwetteraktivitäten: Auch in Zukunft werden die Berner Schwimmbäder im Winter meist brachliegen. So zeigt sich auch das Sportamt der Stadt Bern zwar «offen für Ideen», eine aktive Suche nach Winterevents findet aber nicht statt – auch weil die Badeanlagen im Frühjahr wieder in gutem Zustand sein müssen. Den Anwohnern scheint dies recht zu sein. «Wir sehen das Marzili im Winter als Ruheoase», sagt Andreas Roth vom Marzili-Dalmazi-Leist. Er schätze zwar die Kunstausstellung durchaus, wolle aber nicht, «dass da jetzt unzählige Events ausgetragen werden».

Der Bund

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