Die Zirkus-Show kann bald beginnen

Die Arbeiter des Circus Knie sind es gewohnt, mit wenig Schlaf viel zu leisten. Der Aufbau des Zirkuszelts dauert etwa zehn Stunden.

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Der Schweizer National-Circus Knie gastiert für zwei Wochen in Bern auf der Allmend. Diesen Freitag findet die erste Vorstellung statt. Der Zeltaufbau ist aufwendig und muss schon einige Tage vorher in Angriff genommen werden.

Um 8 Uhr am Donnerstagmorgen sind die Mitarbeiter des Circus Knie schon seit zwei Stunden auf den Beinen. Bereits jetzt prangt der Rundbogen mit dem Namen des Zirkus stolz in die Höhe. Dieser ersetzt heute zwei von vier Masten. Er ermöglicht eine bessere Sicht für die Zuschauer, da der Blick nicht durch unnötige Masten geblockt wird.

Der Rundbogen wurde bereits vor zwei Tagen aufgestellt, denn schon allein dafür braucht die Vorhut vier bis fünf Stunden. Deswegen besitzt der Zirkus auch zwei dieser Rundbögen. «Am Mittwoch fand die letzte Vorführung in Solothurn statt, dort stand am Abend noch der zweite Rundbogen», sagt Mediensprecherin Silja Hänggi. Nach der letzten Aufführung in Solothurn am Vorabend musste das kleinere Zelt – es misst vierundvierzig Meter im Durchmesser – erst abgebaut werden. Jenes auf der Allmend misst sechsundvierzig Meter im Durchmesser und bietet Platz für über 2300 Zuschauer. Das kleinere Zelt fasst etwas mehr als 2100 Personen.

Die Heringe, sie werden bei einem Zelt dieser Grössenordnung Pflöcke oder Anker genannt, wurden ebenfalls schon vorgestern mit Maschinen in den Boden gerammt. Man kann noch die pinkfarbenen Markierungen erkennen, an deren Stelle die Pfosten nun aus dem Boden ragen. Denn auf der Allmend gibt es, anders als in Zürich beim Sechseläutenplatz, keine vorgefertigten Verankerungen. Die Löcher müssen nach dem Aufenthalt des Circus Knie wieder aufgefüllt werden. Ein Eisenanker misst um die eineinhalb Meter, insgesamt werden mehr als 250 Stück benötigt, um das Zelt im Boden zu befestigen.

Teamwork und Konzentration

Seit Donnerstagmorgen sind hundert Handwerker daran, die Blachen und die Pfosten vorzubereiten. Insgesamt werden sie für den Aufbau sechs Stunden brauchen. Das Zelt sollte bis zum Mittag stehen. Gegen neun Uhr werden die ersten äusseren Pfosten an den Verankerungspunkten in der äusseren Deckenblache festgemacht und aufgestellt. Ungefähr zu dieser Zeit kommen auch die ersten Lastwagen vom Bahnhof Wankdorf an. «Zwei Extrazüge der SBB kommen diesen Morgen noch mit Material aus Solothurn», sagt Hänggi. Die Züge würden nachts fahren, um den Personenverkehr nicht zu beeinträchtigen. Tiere werden heute nur noch mit dem Lastwagen transportiert. Das sei tierfreundlicher und schneller.

Die Blache wird etwas angehoben, das Zelt ist schon gut zu erkennen – auch, wie imposant es einmal werden wird. Aber ist der Aufbau nicht gefährlich? Franco Knie jun., Leiter der Technischen Direktion, schüttelt den Kopf: «Unfälle gibt es selten bis nie.» Wichtig sei, dass die Arbeiter klar im Kopf und konzentriert seien. «Die Schutzausrüstung ist Pflicht.» Auf gutes Teamwork sei man besonders angewiesen. Ebenfalls wichtig sei, so Hänggi, dass das Team gut eingespielt ist. «Wir haben das Glück, dass die meisten der Leute langjährige Mitarbeiter sind.» Viele der Arbeiter seien ausserdem für andere Bereiche wie Tierpflege oder Requisiten zuständig.

70 Wagen auf zwei Zügen

«Die Zelte halten ziemlich lange», sagt Franco Knie jun., «wir tauschen sie aber alle acht bis zehn Jahre aus, bevor sie anfangen grau zu werden.» Die Länge des Nähfadens, der für die Blachen benutzt wurde, entspricht der Strecke von Zürich nach Bern. Fünf Millionen Nadelstiche zählt dieses temporäre Bauwerk. Das gesamte Material wird in 70 Wagen auf zwei Extrazügen transportiert. Das Zelt allein wiegt zweieinhalb Tonnen. Es besteht gesondert aus rund 100 Einzelteilen, die Bestuhlung und die Eingänge der Treppen umfassen weitere 4500 Teile. Gesamthaft benötigt der Zirkus eine Fläche von 30’000 Quadratmetern, 5000 davon benötigt das Zelt. Der angrenzende Zoo steht auf einer Fläche von 2000 bis 3000 Quadratmetern. «Hier auf der Allmend haben wir den Vorteil, dass die Tiere jeden Tag auf der nebenan gelegenen Rasenfläche weiden können», sagt Mediensprecherin Hänggi. Der Circus Knie lege grossen Wert darauf, dass die Tiere einmal am Tag auf die Weide kommen. In Zürich beispielsweise, so Hänggi, sei das nicht so einfach gewesen. Dort haben die Chauffeure die Tiere jeden Tag mit den Wagen zur Weide fahren müssen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2018, 15:03 Uhr

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