Die Schatzkammer am Turnweg

Aus einem Keller in der Lorraine verkauft der Berner Michael Marti gebrauchte Gitarren und Bässe in die ganze Welt.

Michael Marti über das «Prachtsstück» in seinem Vintage-Gitarren-Sortiment.
Video: Christian Zellweger

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Michael Marti war fünfzehn, als er beschloss, sein gesamtes Erspartes in eine alte Gitarre zu investieren. Es musste die Fender Jazzmaster sein, ein etwas verschrobenes Instrument, welche Bands wie Dinosaur Jr. oder Sonic Youth zum Wunschstück einer Generation Gitarristen gemacht hatten. Mit einem kopierten Katalog in den Händen fuhr er zwölf Stunden in Regional-Zügen nach Köln um seine Traveller‘s Cheques beim Gebrauchtgitarren-Händler gegen das Musikinstrument einzutauschen.

J Mascis, Sänger und Gitarrist von Dinosaur Jr. mit seiner Jazzmaster

Heute ist Marti 33. Für gebrauchte Instrumente fährt er nicht mehr nach Köln – er verkauft sie selbst. Aus einem Keller in der Lorraine betreibt er seit Anfang 2014 «Yeahman’s Vintage & Used Guitars». An den Wänden hinter der versteckten Kellertür am Turnweg reihen sich die Gitarren und Bässe, auf dem Boden stehen Boxen und Verstärker, in den Gestellen stapeln sich die Effektgeräte – eine Schatzkammer für Musiker. «Diese Auswahl in diesem Segment an unterschiedlichen Vintage-Instrumenten an einem Ort ist in Europa wohl einzigartig», glaubt Marti.

Vom Sammler zum Verkäufer

Alte Musikinstrumente haben Marti seit der Jazzmaster nicht mehr losgelassen. Die Faszination dafür lässt sich nicht so einfach erklären, findet er. «Natürlich hat es mit Nostalgie zu tun, etwa mit der Art, wie gross in den 60er-Jahren Gitarren beworben wurden.» Ein altes Instrument fühle sich einfach fast immer gut an und jedes habe seinen ganz eigenen Klang.

Gitarre spielte er schon als Siebenjähriger – die Blockflöte interessierte ihn nicht. Später war er als Musiker auf Tour, etwa als Bassist von Goodbye Fairbanks. Weil er sich nicht darauf beschränkte, auf den Instrumenten zu spielen, sondern auch gerne daran herumschraubte, kamen immer mehr Musiker mit ihren Problemen zu ihm. Und so gehört zum Laden auch eine Werkstatt, in der Marti Instrumente repariert und wartet. Auf ähnliche Weise kommt er zu den Instrumenten in seinem Sortiment: «Es hat sich mit der Zeit ein Netzwerk ergeben.» Aus der Leidenschaft ist ein Auskommen geworden. Deshalb kennt Marti auch keinen Feierabend: «Ich habe den Keller auch schon morgens um zwei geöffnet, weil ein Musiker auf Durchreise nur dann Zeit hatte.»

Illustre Kundschaft

Zu seinen Kunden gehöre mittlerweile fast die ganze Berner Szene, von Gölä-Gitarrist Slädu bis zu den Tequila Boys. Über seine Webseite verkauft er aber auch Stücke in die ganze Welt. Manchmal gestaltet sich der Instrumente-Versand kompliziert: Einen Bass nach Australien konnte er nur über Japan verschicken. Das Porto teilte er sich mit dem Kunden. Irgendwann schickte ihm dieser ein Bild, wie er in den 70ern in Kopenhagen auf der Bühne steht.

Marti wurde neugierig, wie ein Australier zu einem Gig in Kopenhagen kommt. Es stellte sich heraus: «Es war der Mark Evans, ehemaliger AC/DC-Bassist». Auch in seinem Laden begrüsste Marti schon illustre Kunden. «Vor ihrem Auftritt am Gurtenfestival kamen der Gitarrist und der Bassist von Ellie Goulding zu mir, um drei Stunden lang Instrumente zu testen.» Der gekaufte Bass sei gerade in den Londoner Abbey Road Studios bei Aufnahmen im Einsatz.

Es muss nicht immer teuer sein

Unter den Instrumenten befinden sich Raritäten – etwa eine schwarz-goldene Gibson Les Paul Custom von 1972. Nur 60 Stück wurden im gleichen Jahr davon verschickt, Marti verkauft sie für 6900 Franken (siehe Video oben). Doch es muss nicht immer teuer sein. Ein Instrument klinge bei jedem Musiker ganz anders. «Gitarren, die ich persönlich nicht zum Klingen bringe, können in den richtigen Händen fantastisch tönen». So finden auch Anfänger bei Marti ihre Gitarre – «auch günstige Gebrauchtgitarren sind etwas Besonderes.» Es gehe ihm auch nicht nur ums Verkaufen. «Die Kunden sollen 100 Prozent zufrieden sein.» Und wenn jemand nichts finde, sei das auch nicht schlimm, «immerhin haben wir dann einen Nachmittag Kaffee getrunken und über Gitarren gesprochen, das ist doch super.»

Yeahman's Vintage & Used Guitars, Turnweg 2, Bern. www.yeahmansguitars.com (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2015, 14:22 Uhr

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