Die parkplatzfreie Ära beginnt turbulent

Aktivisten mit einem Monsterjoint, ein Stadtpräsident, der cool & clean bleibt, und Ursula Wyss’ Kügelchen. Dies war der Auftakt zum vierten Neustadtlab auf der Berner Schützenmatte.

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Der, der der sommerlichen Zwischennutzung auf der Schützenmatte letztes Jahr den Geldhahn zudrehte und die Organisatoren damit an den Rand der Verzweiflung brachte, der darf nun die Neuauflage des Neustadtlabs eröffnen. Die Rede ist von Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL), der in der Zwischenzeit zur Überzeugung gekommen ist, dass es auf der Schützenmatte einen bezahlten Platzwart braucht, und der deswegen den Geldhahn wieder geöffnet hat.

Zum vierten und letzten Mal findet also ab heute Samstag während zweier Monate das Neustadtlab statt, das die Schützenmatte mit Bars, Konzerten und kreativen Angeboten aufleben lässt. Nachher geht der Anlass in eine längere dreijährige Zwischennutzungsphase über, während derer die langfristige Zukunft der Schützenmatte geplant werden soll. Abgesehen von einigen Cars und Gewerbefahrzeugen werden die Autos also nicht mehr auf die Schützenmatte zurückkehren. Wer die Zwischennutzung durchführen darf – dafür wird der Geldhahn noch mehr aufgedreht –, ist noch nicht bekannt. Es gibt jedoch verschiedene Bewerber.

Der rauchende Monsterjoint

Doch schon während von Graffenried den geschichtlichen Abriss der Schützenmatte vorträgt (zuerst ein Schiessplatz, dann eine echte Reitschule, dann viel Verkehr, dann eine besetzte Reitschule), zeigt sich, dass in der besetzten Reitschule wohl noch einige der Ära Tschäppät nachtrauern. «Wir haben genug von der Drogenpolitik dieser Stadt», rufen ein paar Jungs, die mit einem Transparent vor von Graffenried durchlaufen. Sie meinen damit auch die polizeilichen Interventionen auf dem Vorplatz der Reitschule. Angeführt wird die Truppe von einem jungen Mann mit einem übergrossen Joint, aus dem oranger Rauch qualmt. In einem Communiqué erklärt sich schliesslich die reitschulnahe Revolutionäre Jugendgruppe für die Aktion verantwortlich.

Von Graffenried lässt sich vom orangen Rauch zuerst nicht aus der Ruhe bringen und sagt, dass das Neustadtlab eben genau dafür da sei, die Drogenproblematik zu entschärfen. Schliesslich muss er dennoch seine kleine Bühne verlassen, zu dicht ist der Rauch geworden.

Parkplätze in Pulverform

Wenn es um öffentliche Räume geht, dann darf natürlich auch Gemeinderätin und Chefmöbliererin Ursula Wyss nicht fehlen. Da ihr Verkehrsdepartement für die Aufhebung der Parkplätze zuständig ist, hält sie den zweiten Teil der Eröffnungsrede auf der inzwischen wieder rauchfreien Bühne. Wyss lobt speziell KMU-Vertreter Thomas Balmer, dessen Verband gegen die totale Aufhebung der Parkplätze geklagt hatte, schliesslich aber in einen Kompromiss einwilligte und zumindest die Car-Standplätze rettete. Ob sich Balmer auch über den Kompromiss freut? Sehr unsicher, er macht auf jeden Fall ein Gesicht, als würde er jeden aufgehobenen Parkplatz einzeln vermissen.

Ein Rückblick, ein Zwischenprotest und Lobesworte. Was fehlt also noch, für einen erinnerungswürdigen Eröffnungsanlass? Richtig, ein Give-away. Wyss hat dafür die abgeschabten Parkplatz-Markierungen in durchsichtige Plastikkügelchen packen lassen. In einem Teil der Kugeln lässt sich weisses Pulver bestaunen (Ursula Wyss: «Das sind die normalen Parkplätze, die kommen nicht mehr zurück»), in den andern gelbe Partikel (Ursula Wyss: «Das sind die Carparklätze, die gibt es weiterhin»). Jeder Gast durfte das Parkplatz-Kügelchen mitnehmen, das ihm oder ihr am meisten zusagte. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.08.2018, 18:56 Uhr

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