«Die meisten Vorfälle gingen von den Zürchern aus»

Die Behörden hätten im Vorfeld des Cupfinals alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause im Interview. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass die Fangruppen sich nicht an die Abmachungen gehalten haben.

«Das Konkordat hat ermöglicht, mit dem SFV auf Augenhöhe zu verhandeln», sagt Reto Nause nach dem Cupfinal.

«Das Konkordat hat ermöglicht, mit dem SFV auf Augenhöhe zu verhandeln», sagt Reto Nause nach dem Cupfinal.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Herr Nause, wie ordnen Sie die Zwischenfälle im Umfeld des Cupfinals ein? War die Veranstaltung ein Erfolg oder ein Fehlschlag?
Man muss in der Tat eine kritische Bilanz ziehen. Es kam zu Sachbeschädigungen und zu Vandalenakten in der Innenstadt, zudem wurden Abmachungen nicht eingehalten. Gewisse Gruppierungen haben den Kontakt mit dem gegnerischen Fanlager gesucht. Trotzdem ist es der Polizei gelungen, eine direkte Konfrontation der Fangruppen und damit Szenen wie vor einem Jahr zu verhindern. Ich finde, die Polizei hat einen guten Einsatz geleistet, die Bilanz aber bleibt durchzogen. Meine Enttäuschung ist gross, dass es den Fanverantwortlichen nicht gelungen ist, auf die Gruppen entsprechend Einfluss zu nehmen.

Wieso sind die Fans der beiden Teams nicht den vorgegebenen Routen gefolgt?
Das müssen sie nicht mich, sondern den SFV oder den FCZ fragen. Behördenseitig haben wir alle notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Sie erwähnen nur den FCZ. Wieso?
Die meisten Vorfälle gingen von den Zürchern aus. Der Fanmarsch der Basler ist einigermassen reibungslos über die Bühne gegangen.

Welchen Unterschied hat das verschärfte Hooligan-Konkordat bei den neusten Fanmärschen gemacht?
Das Konkordat hat ermöglicht, mit dem SFV auf Augenhöhe zu verhandeln. Er wurde verpflichtet, eine Rückstellung von 200'000 Franken für die Sicherheitskosten zu bilden. Die Stadt wird mit dem Verband ein gemeinsames Debriefing durchführen, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden. Wie es mit dem Cupfinal in Bern weitergeht, wird letztlich der Gemeinderat der Stadt Bern entscheiden.

Welche Verantwortung tragen der SFV und die beiden Clubs nach den gestrigen Vorfällen?
Das wird nun gemeinsam diskutiert.

Welche zusätzlichen Massnahmen müssen beim nächsten Cupfinal getroffen werden?
Die Einschätzung, Fanwalks seien kritisch, hat sich bestätigt. Die Anreise der Fans wird zum zentralen Thema.

Wie hoch ist der entstandene Schaden?
Die Schadenshöhe wurde von der Kantonspolizei noch nicht ermittelt, die Abklärungen laufen noch. Es ist wichtig, dass Geschädigte Anzeige erstatten. Es wurden auch zahlreiche Personen angehalten, denen Taten zugeordnet werden könnten.

Wer kommt für den Schaden auf? Die öffentliche Hand?
Wenn einer Person eine Tat zugeordnet werden kann, ist diese auch haftbar.

Ihr Parteipräsident, Daniel Wyss, kann sich nicht vorstellen, dass nochmals eine Bewilligung für einen Fanmarsch erteilt wird. Teilen Sie diese Ansicht?
Die Fanmärsche kann man infrage stellen − das ist auch meine persönliche Haltung. Wie es mit dem Cupfinal weitergeht, entscheidet die Stadtregierung.

Hätte Ihre persönliche Haltung den Ausschlag gegeben, wäre der Fanmarsch also nicht bewilligt worden?
Alle Entscheide wurden als Kollegialregierung getroffen. Die Stadtregierung hat eine Lösung gesucht, wie mit guten Absprachen ein friedliches Fussballfest stattfinden kann. Doch die Absprachen wurden mindestens teilweise nicht eingehalten.

Haben Sie an die Absage des Spiels gedacht?
Das war bis zuletzt eine Option.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt