Die Matte feiert wieder ein bisschen

Dieses Wochenende feiern sich gleich drei Berner Quartiere. Während die Matte keinen «Mega-Event» mehr will, rechnen die Organisatoren der Lorrainechilbi mit einem Besucherrekord.

Die Organisatoren des neuen Matte-Fests um André Steinauer (2. v. l.) wollen «keine sinnlos flächendeckende Be-Bierung» des Quartiers.

Die Organisatoren des neuen Matte-Fests um André Steinauer (2. v. l.) wollen «keine sinnlos flächendeckende Be-Bierung» des Quartiers.

(Bild: Valérie Chételat)

Am Samstag findet in der Matte unter dem Motto «Ittme ibtle!» wieder einmal ein Quartierfest statt. Wer dabei aber an eine Neuauflage des legendären Mattefests denkt, liegt falsch. Denn mit dem dreitägigen Grossanlass, der zuletzt bis zu 25'000 Besucher anzog und zu einem eigentlichen Stadtfest mutierte, hat das neue Quartierfest in der Matte nicht viel gemeinsam.

Die jetzigen Organisatoren – mit Mandat des Quartierleists – planen nämlich explizit «keine sinnlos flächendeckende Be-Bierung eines ganzen Perimeters», sondern ein «Quartierfest aus dem Quartier für das Quartier», wie Mit-Organisator André Steinauer sagt. In Gesprächen mit Mättelerinnen und Mättelern sei nämlich wiederholt der Wunsch geäussert worden, künftig keine «Mega-Events» mehr durchzuführen. Diesem Wunsch trage man nun Rechnung.

«Herzstück» des diesjährigen Fests sei deshalb der Tag der offenen Türen. Unter dem Motto «D’Matte stuehelt use!» öffnen rund 60 Matte-Betriebe ihre Türen, vom Theater bis zum Buddhistischen Zentrum. Wer also immer schon einmal «hinter die Kulissen» einer Zahnarztpraxis oder einer Bürogemeinschaft blicken wollte, kann dies morgen Nachmittag in der Matte tun. Natürlich gibt es dazu auch vielfältige Kulinarik zu geniessen, ein umfassendes Kinderprogramm sowie Live-Acts auf zwei Bühnen, alles «zu fast 100 Prozent aus quartiereigener Produktion», so das Fest-OK. Wer wissen möchte, was «Ittme ibtle!» eigentlich heisst, hat die Gelegenheit, einen Crash-Kurs in Matte-Englisch zu besuchen.

Lorrainechilbi wächst weiter

«Vom Quartier fürs Quartier» heisst es auch beim Verein, der heuer zum dritten Mal die Neuauflage der Lorrainechilbi organisiert. Während die Matte-Betriebe ihre Türen öffnen, werden die Lorraine-Bewohnerinnen und -Bewohner aufgefordert, die Strasse gleich selbst in ein Wohnzimmer zu verwandeln. Nachdem die alte Lorrainechilbi 1997 zum letzten Mal stattfand, ist die Neuauflage ein Riesenerfolg und ein Beleg für den Aufstieg des ehemaligen Arbeiterquartiers zum hippen Szeneviertel.

Das Programm ist auch dieses Jahr ein chaotischer Mix und reicht von offener Bühne und Tanzshow bis zu Biotechno und Silent Disco. Um die 10'000 Menschen besuchten letztes Jahr das Quartierfest. Diesen Samstag rechnen die Organisatoren gar mit noch mehr Gästen: «Wir sind am Wachsen», sagt Vereinspräsident Remo Aragão und betont aber sogleich, dass man das eigentlich gar nicht beabsichtige. So mache man etwa keine Werbung ausserhalb des Quartiers, und auch die Zahl der Stände an der für den Verkehr gesperrten Lorrainestrasse bleibe konstant. Denn: Wer einen solchen betreiben wolle, müsse «zwingend einen Bezug zur Lorraine haben». Dass immer mehr Bernerinnen und Berner und auch Leute von ausserhalb der Stadt die Lorrainechilbi besuchen, erklärt sich Aragão unter anderem mit der mittlerweile grossen Bekanntheit des Quartiers. Die Gewerbeschule und das im Sommer beliebte Lorrainebad machten die Lorraine auch bei Leuten ausserhalb des Nord-Quartiers bekannt.

Poller in Bümpliz

Etwas düpiert gibt man sich bei den Organisatoren der altehrwürdigen Bümplizer Chilbi. Es sei ihm nicht ganz klar, warum ausgerechnet an diesem Datum noch andere Quartierfeste stattfinden müssten, schliesslich mache man die Chilbi seit «Jahr und Tag» immer an diesem Wochenende», sagt Rudolf Äschlimann, Präsident des Vereins, der die Bümplizer Chilbi organisiert.

Doch eine wirkliche Konkurrenz ist das Fest in der Lorraine eigentlich nicht. Denn im Westen kommen Fahrgeschäft-Enthusiasten noch voll auf ihre Kosten. Chilbi heisst hier ganz traditionell Kinderkarussell, Putschautos und Schiessstände.

300 Helferinnen und Helfer machen die Chilbi möglich, die diesen Samstag zum 70. Mal stattfindet. Der dreitägige Anlass beschränke sich aber nicht nur auf das Quartier, sondern habe auch grosse Ausstrahlungskraft in die Agglomeration, sagt Äschlimann. Abgesehen von der mässig beliebten Schütz sei die Chilbi in Bümpliz nämlich die einzige weit und breit. Der Besucherandrang sei seit Jahren konstant. Neu sei aber, dass er für die Behörden ein Sicherheitsdispositiv habe schreiben und abgeben müssen. Für das kommende Wochenende habe die Polizei zudem an mehreren Orten Poller aufstellen lassen.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...