Diese alten Häuser haben keine Zukunft

Die Häuser an der Murtenstrasse 20 bis 34a stehen kurz vor dem Abriss. In der Ruine gibt es einiges zu sehen: Zuletzt hatten Besetzer den Häusern Leben eingehaucht.

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Hanna Jordi

«Ruinen-Porno»: Dieser Begriff wird gern verwendet, wenn Betrachterinnen und Betrachter die morbide Schönheit abgewrackter Gebäude beschreiben wollen. Und tatsächlich präsentiert sich die Abbruchzone an der Murtenstrasse 20 bis 34a derzeit seltsam reizvoll. Herausgebrochene Fenster, morsche Dachflächen, Schutt und schadhafte Fassaden prägen das Bild und zeigen an, dass die charakteristische Häuserzeile an der viel befahrenen Strasse bald nicht mehr sein wird. Am Sonntag beginnt der Abbruch der Häuser, die dem Kanton Bern gehören. An ihrer Stelle soll der Laborneubau der Universität Bern zu stehen kommen.

Die Vorkehrungen für den Abbruch wurden bereits in den letzten Wochen getroffen. So zogen etwa rund 30 Zwischennutzer aus. Drei Liegenschaften, die Hausnummern 30, 32 und 34a, waren nach langem Leerstand nämlich von Besetzern in Beschlag genommen worden. Seit Ende 2014 wohnten die Kollektive legal in den Wohnungen. Sie hatten mit dem Kanton Gebrauchsleihverträge abgeschlossen. Ihr Auszug erfolgte planmässig am 15. April, heisst es vonseiten der Bauleitung. An den Wänden zeugen Graffitis, Botschaften und anderer Wandschmuck von ihrer Anwesenheit – und von ausschweifenden Partys.

Keine Abrissbirne für Schaulustige

Dass der Beginn des Abbruchs nun auf einen Sonntag fällt, hat gemäss Giovanni Tedesco, Gesamtprojektleiter des Amts für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern, einen einfachen Grund: Das im Jahr 1903 erbaute Holzhaus der Hausnummer 34a liegt so nahe an den Geleisen der SBB, dass diese zeitweise die Geleise sperren müssen. «Am Sonntag ist die Beeinträchtigung am geringsten», so Tedesco. Die Häuserreihe entlang der Murtenstrasse wird im Lauf der kommenden Woche abgerissen. Sie stammt aus dem Jahr 1863 und bot mit die ersten Mietwohnungen der Stadt Bern – «mit für diese Zeit sehr fortschrittlichen und grosszügigen Grundrissen», sagt Tedesco.

Eine Abrissbirne werden Schaulustige aber nicht zu Gesicht bekommen, schliesslich soll es ein geordneter Rückbau werden, bei dem möglichst viel Baumaterial wiederverwendet werden kann. «Für den Abbruch kommt ein Bagger zum Einsatz, der die Mauern mithilfe einer grossen Zange abträgt.»

Entsprechend aufwendig sind die Arbeiten. Bis Mitte Juni sollen die Häuser abgetragen sein. Dann folgt der Baugrubenaushub: Bis im März 2017 müssen die Arbeiter eine Grube von 65 Metern Länge, 35 Metern Breite und 18 Metern Tiefe gegraben haben. Erst dann kann der Bau beginnen.

Vier Jahre Arbeit stehen bevor

Eigentlich hätte der Kanton Bern mit dem Abbruch der Häuser und dem Neubau des Labors bereits 2015 beginnen wollen. Das Ziel: Die Universität Bern sollte das Departement für Klinische Forschung und das Institut für Rechtsmedizin möglichst bald an einem Ort unterbringen können. Doch linke Parteien und Tierschutzorganisationen ergriffen das Referendum. Ihnen missfiel, dass im Neubau auch Raum für Tierzucht geplant ist. Ende Februar dieses Jahres sagte das Berner Stimmvolk mit 72 Prozent schliesslich Ja zum 140-Millionen-Franken-Bau.

Bis er bezugsfertig ist, dauert es allerdings noch eine Weile: Der Kanton rechnet mit dem Jahr 2020.

DerBund.ch/Newsnet

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