Die kurze Leine reichte nicht

Das Obergericht befindet eine Frau für schuldig, deren angeleinter Hund einen Rentner gebissen hat.

Der «Appenzeller-Sennenhund-Mischling» war zur Tatzeit mit kurzer Leine an einen Baum gebunden. (Symbolbild)

Der «Appenzeller-Sennenhund-Mischling» war zur Tatzeit mit kurzer Leine an einen Baum gebunden. (Symbolbild) Bild: zvg

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Es ist ein warmer Tag im Mai 2017. Ein 90-jähriger Mann ist auf dem Berner Expogelände unterwegs zu einer Generalversammlung. Als er ein Parkticket für sein Auto lösen will, greift ihn ein Hund an und beisst ihn mehrfach. Erst in beide Arme, dann in den linken Oberschenkel. Der Hund ist an einem Baum angeleint, von der Hundehalterin keine Spur.

Für den Mann ist klar: Die Hundehalterin hätte den Hund nicht unbeaufsichtigt lassen dürfen. Die Hundehalterin dagegen sieht den Fehler beim Verletzten: Der Hund war angeleint. Der Mann hätte erkennen müssen, dass er sich ihm nicht hätte nähern dürfen. Wer ist im Recht?

Pflichten der Hundehalter

Mit diesem Fall musste sich das Obergericht des Kantons Bern auseinandersetzen, das Urteil hat es am Freitag publiziert. Darin kommt es zum Schluss, die Hundehalterin sei Schuld – so weit die kurze Antwort. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber: Die Sache ist verzwickt. Im Zentrum stehen nämlich zwei heikle Fragen: Welche Pflichten müssen Hundehalter erfüllen? Und ab wann müssen sie erkennen, dass ihr Hund für andere gefährlich werden könnte?

Der sprichwörtliche Hund liegt im bernischen Hundegesetz begraben. So haben Herrchen und Frauchen die Pflicht, ihre Tiere jederzeit wirksam unter Kontrolle zu halten. Die Halterin hatte zwar ihren Hund, einen anonymisierten «Appenzeller-Sennenhund-Mischling», mit kurzer Leine an einen Baum gebunden. Für das Gericht genügte dies jedoch im vorliegenden Fall nicht, wie es mit den folgenden Worten darlegt: «Einer Konfrontation konnte durch die blosse Einschränkung des Aktionsradius’ des Hundes durch das Anleinen nicht wirksam begegnet werden.»

Zu viel Hitze, zu viele Leute

Erschwerend kam nämlich die nicht hundefreundliche Umgebung des Expogeländes hinzu: Das Tier habe keine Rückzugsmöglichkeit gehabt und sei der Sonneneinstrahlung ausgeliefert gewesen. Ausserdem hätten rund zweitausend Personen die Generalversammlung besucht, daher seien viele Passanten am Hund vorbeigegangen, weshalb dieser zunehmend gestresst und aggressiv geworden sei, heisst es im Urteil.

Die Hundehalterin hat also nicht nur eine Gefahrensituation geschaffen, indem sie ihren Hund unbeaufsichtigt liess. Unter diesen Umständen, kommt das Gericht zum Schluss, hätte sie auch voraussehen müssen, dass ihr Hund zubeissen könnte – was er denn auch tat. Im Gegenzug habe der Mann nicht damit rechnen müssen, auf einem Parkplatz auf einen angeleinten Hund zu stossen.

Der fehlbaren Frau kommt bei der Strafzumessung zugute, dass sie ohne Vorsatz, also fahrlässig, gehandelt hat. Sie hat eine Busse von 600 Franken zu bezahlen sowie die Verfahrenskosten zu tragen. (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2018, 18:58 Uhr

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