«Die Kandidatensuche ist generell schwieriger geworden»

Stefan Hofers Gemeinderatskandidatur bringt die städtische SVP in Nöte. Der Grund sei in den veränderten Parteistrukturen zu suchen, sagt SVP-Geschäftsführerin Aliki Panayides.

Aliki Panayides kennt die Arbeit der SVP aus verschiedenen Perspektiven: Sie ist Geschäftsführerin der SVP Kanton Bern und Gemeinderätin von Ostermundigen.

Aliki Panayides kennt die Arbeit der SVP aus verschiedenen Perspektiven: Sie ist Geschäftsführerin der SVP Kanton Bern und Gemeinderätin von Ostermundigen.

(Bild: Adrian Moser)

Hanna Jordi

Stefan Hofer ist Kandidat der SVP für den Gemeinderat. Nachdem bekannt wurde, dass er Ex-Bordellbetreiber ist und Zimmer an Sozialhilfebezüger teuer vermietet hat, wird parteiintern nun der Rückzug gefordert. Können Sie nachvollziehen, wenn dieses Hü und Hott die Wählerinnen und Wähler stutzig macht?
Aliki Panayides: Stutzig ist das falsche Wort. Die Parteileitung hat jetzt die Diskussion dieser Kandidatur in Angriff genommen, und das ist legitim.

Trotzdem, mit dieser Affäre hat sich die Ausgangslage für die SVP bei den Gemeinderatswahlen stark verschlechtert. Warum hat die stärkste Partei der Schweiz in der Stadt Bern derart Mühe, glaubwürdig aufzutreten?
Aus meiner Sicht tritt sie nicht unglaubwürdig auf. Es ist klar, dass man in der Stadt als bürgerliche Partei anders Politik machen muss als in der Agglomeration. Es gibt nur noch wenige bürgerliche Wähler in der Stadt Bern, viele sind weggezogen. Die Partei muss also bei einer Proporzwahl wie der Gemeinderatswahl versuchen, mit einer möglichst breiten Liste zu punkten, um so vielleicht einen Kandidaten in den Gemeinderat zu heben.

Raten Sie der Stadtpartei, Ihre Kandidaten künftig besser zu durchleuchten, damit es keine bösen Überraschungen gibt?
Das ist schwierig. Natürlich kann man vorab Straf- und Handelsregisterauszüge einfordern. Aber das grundlegende Problem ist ein anderes: Die sozialen Bande innerhalb der Sektionen haben sich gewandelt. Die Kandidatensuche ist generell viel schwieriger geworden, denn die Parteiarbeit ist anonymer als früher. Früher hätte jemand einen Beitrittsantrag gestellt, bereits da wäre er überprüft worden. Dann hätte er zur Ochsentour angesetzt: Er hätte allmählich ein paar Ämtli übernommen, und am Schluss wäre abgewogen worden, ob er kandidieren darf oder nicht. Er hätte sich über längere Zeit bewähren müssen.

Und heute darf jeder, der will?
Das habe ich nicht gemeint. Es gab ja durchaus eine Ausmarchung, es wollten auch andere SVP-Gemeinderat werden, die jetzt nicht auf der Liste stehen. Aber aus der Minderheitsposition heraus muss man die Liste breit gestalten. Da bin ich froh, dass es eine breite Palette an Leuten gibt, die den Job machen wollen. Es ist dann noch schwierig genug.

Gibt es vonseiten der Kantonalpartei Bestrebungen, der Stadtpartei unter die Arme zu greifen? Eine Findungskommission könnte allenfalls helfen, Affären wie die jetzige zu verhindern.
Nein. Die Sektionen sind autonom. Wir stehen aber natürlich mit Rat und Tat zur Seite, wenn das gewünscht wird.

DerBund.ch/Newsnet

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