Die Insel im Umbruch

Die Insel-Gruppe ist zufrieden mit dem Jahresergebnis 2017. Während die Frauenklinik in wenigen Wochen umzieht, ist die Zukunft des Tiefenauspitals noch ungewiss.

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Uwe E. Jocham trug zwei Armbanduhren und auf seinem Namensschild zwei Bezeichnungen: Verwaltungsratspräsident und Direktionspräsident. Trotz dieser doppelten Ausstattung machte der neue Insel-Chef keinen gehetzten Eindruck, als er gestern vor die Medien trat. Dabei drängt die Zeit: Der Regierungsrat verlangt von ihm, dass er die Spitalgruppe «rasch» strategisch neu ausrichtet.

Er habe die Bestandesaufnahme gemacht, sagte Jocham. Eine neue Strategie brauche jedoch Sorgfalt und Zeit. Deshalb könne er im Moment noch keine konkreten Auskünfte geben. Diese erwartet man etwa zur Zukunft des Berner Tiefenauspitals. Im Januar noch hiess es, es werde wie geplant ein Neubau realisiert. Genauere Informationen wurden für den Frühling in Aussicht gestellt.

Von der Zukunft des Standorts Tiefenau hängt auch jene des Standorts Belp ab. Geplant war, die dortige geriatrische Rehabilitation ins neue Spital Tiefenau zu verlegen und das verbleibende Pflegezentrum zu verkaufen. Inzwischen wurde am Standort Belp eine Dialysestation eröffnet.

Vergebens fragte man gestern auch nach Details zur angekündigten Zusammenarbeit der Herzchirurgie mit der Berner Hirslandenklinik Beau-Site. Der Start ist für den Juli geplant.

Umstrittenes Doppelmandat

Die Sanierung der Frauenklinik ist zwar aufgegleist, doch kündigte Jocham gestern vertiefte Abklärungen zu den nötigen Massnahmen an. Zuletzt waren Kosten in der Höhe von 100 Millionen Franken für die Behebung der ausserordentlichen Baumängel, Instandhaltungsarbeiten und Anpassungen angekündigt worden. Während der Sanierung wird die Frauenklinik im neuen Theodor-Kocher-Haus untergebracht, der Umzug ist im Juni.

Und schliesslich drängen sich Fragen zur Organisationsstruktur auf. Er werde sein Amt als Verwaltungsratspräsident abtreten, und man werde darüber informieren, «sobald dies so weit» sei, sagte Jocham. Verwaltungsrat will der Direktionspräsident jedoch bleiben.

Es sei ihm bewusst, dass ein Doppelmandat Reaktionen hervorrufe, er werde sich den Entwicklungen stellen, sagte er. Nach der derzeit grössten Herausforderung gefragt, antwortete Jocham: Der Zusammenschluss von Inselspital und Spital Netz Bern sei noch im Fluss, und gleichzeitig verändere sich das medizinische Umfeld stark, das stelle die Organisation vor grosse Aufgaben.

Mit 2017 sehr zufrieden

Blieb der Ausblick auf die Zukunft gestern vage, so präsentierte sich der Rückblick aufs 2017 für die Verantwortlichen als «sehr zufriedenstellend» und «erfreulich». Im Jahresbericht bezeichnet Jocham das Jahr 2017 als «Erfolgsjahr». Diese Ergebnisse gehen allerdings auf seine Vorgänger zurück. Per Ende November war Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen zur Strategie zurückgetreten, und wenig später folgte der Weggang des Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Holger Baumann.

Ergebnis wie im Vorjahr

Die Insel-Gruppe erzielte 2017 bei einem Betriebsaufwand von 1,53 Milliarden Franken einen Konzerngewinn von 21,1 Millionen Franken. Dies entspricht fast exakt dem Gewinn des Vorjahres. Es sei im vergangenen Jahr gelungen, mit der Mehrheit der Krankenkassen eine Einigung bei der Höhe der Basispreise zu erzielen.

Ausserdem habe man den Schweregrad der Fälle (Case Mix Index) am Inselspital auf 1,466 erhöhen können. Am Tiefenau lag er bei 1,101 und bei den Landspitälern bei 0,832. Diese Werte zeigen laut den Verantwortlichen, dass die Gruppe dem abgestuften Versorgungsmodell gerecht werde. Wie die einzelnen Standorte finanziell abgeschlossen haben, gab die Gruppe gestern allerdings nicht bekannt.

Er stelle Erfreuliches fest, sagte der ehemalige Pharmaunternehmer Jocham zum Schluss. Im Kanton Bern sei mit Regierungspräsident Bernhard Pulver Bewegung in die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Universität gekommen und der Medizinalstandort dabei zu einem Motor geworden. Das gelte es auszunutzen und weiterzutragen.

Der Bund

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