Die illustre Wohngemeinschaft der CVP

Doris Leuthard wohnt dort, der Bundeskanzler auch. Im Von-Wattenwyl-Haus an Berns Junkerngasse wohnen Politiker günstig. SVP-Nationalrat Erich Hess findet das nicht in Ordnung.

Das Von-Wattenwyl-Haus mit seiner Terrasse (Archivbild).

Das Von-Wattenwyl-Haus mit seiner Terrasse (Archivbild). Bild: Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2400 Franken zahlt die Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) noch bis Ende Jahr für ihre Berner Wohnung. Da sie per Ende Jahr aus ihrem Amt zurücktritt, hat sie die Wohnung gekündigt. Sie braucht sie nicht mehr. Am Mittwoch wird im Bundeshaus bekanntlich ihre Nachfolge bestimmt.

Die Wohnung befindet sich mitten in der Berner Altstadt unterhalb des Münsters und ist 250 Quadratmeter gross. Leuthard wohnt im Von-Wattenwyl-Haus, wo der Bundesrat seine Gäste beherbergt und die regelmässigen Von-Wattenwyl-Gespräche führt. Ausser ihr wohnen der CVP-Bundeskanzler Walter Thurnherr und der CVP-Nationalrat Martin Candinas an der Adresse. Auch sie zahlen äusserst moderate Mieten.

Das stört den SVP-Nationalrat Erich Hess. «Diese Preise sind viel zu tief», sagt Hess, der kürzlich wegen dieser günstigen CVP-Wohngemeinschaft beim Bundesrat mit einem Vorstoss aktiv wurde. Die Wohnungen im Von-Wattenwyl-Haus sollten zu marktüblichen Preisen vermietet werden. «Andere Magistraten mieten auch irgendwo in der Stadt zu Marktpreisen.»

Eine Wohnung, die ähnlich gross ist und ebenfalls in der Altstadt liegt, ist auf dem Markt zum Beispiel für 5000 Franken ausgeschrieben. Und auch Barbara Geiser, die Präsidentin des Leists Untere Altstadt, erachtet den Preis als erstaunlich tief für die Lage. «Zumindest dann, wenn die Wohnung auch besonnt ist», sagt sie. Denn gerade an der Junkerngasse gäbe es Wohnungen, die nie von der Sonne erreicht würden. «Das mindert die Qualität schon stark», sagt Geiser.

Die Wohnungen im Von-Wattenwyl-Haus werden vom Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) verwaltet. Die drei Wohnungen im Haus hätten keinen Balkon und keinen Gartenzugang. Sie seien alle zur dunklen Gassenseite hin gerichtet, sagt die BBL-Sprecherin Michèle Stofer auf Anfrage. Dadurch scheint der Preis dafür nicht mehr so viel zu tief.

Erich Hess stört sich zudem daran, dass die Wohnungen im Von-Wattenwyl-Haus nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Da das Haus vor allem von der Landesregierung genutzt werde, gälten strenge Sicherheitsvorschriften, erklärt Stofer. So kommen als Mieter vor allem Regierungsmitglieder und Mitarbeitende der Bundesverwaltung infrage. Der Kreis der möglichen Mieter und Mieterinnen ist somit sehr eingeschränkt. Wenn eine Wohnung frei werde, suche die Verwaltung nach geeigneten Mietern und Mieterinnen. «Man fragt zum Beispiel Personen an, die bereits Interesse bekundet hatten.»

Weil im Haus offizielle Empfänge gegeben werden, müssen die Mieter besonders vertrauenswürdig sein. «Und es geht natürlich nicht, dass jemand ein Musikinstrument übt, wenn gerade die Von-Wattenwyl-Gespräche stattfinden», sagt sie. Aber der CVP müssten die Bewohner und Bewohnerinnen des Von-Wattenwyl-Hauses nicht unbedingt angehören. Vor Doris Leuthard hat der Bundesrat Pascal Couchepin (FDP) im Von-Wattenwyl-Haus gewohnt. Und es müsse auch kein Bundesrat sein, sagt Stofer. Die Wohnung ist also weder für die nächste CVP-Bundesrätin noch für ihre Kollegin von der FDP reserviert.

(Der Bund)

Erstellt: 04.12.2018, 10:44 Uhr

Artikel zum Thema

Wenn günstige Mieten zum Problem werden

Während man in der Stadt Bern verzweifelt versucht, neue Sozialwohnungen zu schaffen, wünscht man sich in Ostermundigen höhere Mieten. Mehr...

Stadt Bern hat Mühe, genug Sozialwohnungen zu schaffen

In den letzten zwei Jahren wurden bloss 39 Sozialwohnungen geschaffen. Die Verdoppelung des Bestandes bis 2025 dürfte kaum erreicht werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Umstrittene Staatsoberhäupter: Bewohner von Pyongyang verneigen sich zu Ehren des siebten Todestags des nordkoreanischen Dikdators Kim Il Sung vor seiner Statue und deren seines Nachfolgers Kim Jong Il. (17. Dezember 2018)
(Bild: KIM Won Jin) Mehr...