Die Heitere Fahne ringt um ihr unbeschwertes Lachen

Ständige Geldsorgen laugen das Betreiberkollektiv aus. Nun hofft man auf die Gemeinde Köniz.

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Im kreativen Hotspot am Fusse des Gurten geht etwas: 80 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr, ein Mittagstisch für Kinder und 100 Freiwillige im Einsatz. Kürzlich wurde die Heitere Fahne gar mit dem Prix Printemps für besondere Innovation bei der Integration von Behinderten ausgezeichnet. Alles perfekt im Kulturlokal? «Von aussen gesehen bestimmt», sagt Rahel Bucher vom Kollektiv Freiraumkultur, welches das Lokal betreibt. Doch wer die Leute des 15-köpfigen Teams kenne, wisse: «Wir sind etwas ausser Atem gekommen.»

Auch vier Jahre nachdem das Kollektiv die ehemalige Brauereiwirtschaft übernommen habe, würden 80 Prozent der Arbeit ehrenamtlich geleistet. «Im Moment müssen wir für jede neue Veranstaltungsreihe Geldgeber suchen», sagt Oliver Eicher, der für die Finanzen zuständig ist. Langfristige Unterstützung erhält die Heitere Fahne bislang nicht. Bis Ende Jahr hat sich das Kollektiv Zeit gegeben, um auf sichereren Füssen zu stehen – und hofft dabei auch auf die Gemeinde.

Fluch und Segen für die Geldsuche: dass in Wabern, das zur Gemeinde Köniz gehört, im Herbst gewählt wird. Der Fluch: Der fast geschlossen abtretende Gemeinderat will nicht mehr entscheiden, ob die Heitere Fahne regelmässig Geld erhalten soll, und das Geschäft den Nachfolgern überlassen. Segen: Parteien können sich im Wahlkampf für das Lokal engagieren und damit bei der Wählerschaft punkten.

Kulturlokal oder Sozialbetrieb?

So nämlich die Grünen Köniz, die die Pressekonferenz für die Lancierung ihres Wahlkampfes just in der Heiteren Fahne durchführten. Kein Zufall natürlich: «Was die Heitere Fahne bietet, ist einzigartig», sagt Iris Widmer, die für die Grünen ins Rennen um die fünf Könizer Gemeinderatssitze steigt. Widmer fordert deshalb, dass sich die Gemeinde fix an deren Finanzierung beteiligt. «Ein solches Angebot darf die Gemeinde auch etwas kosten», so Widmer.

Zwar ist die Heitere Fahne bei weitem nicht das einzige Könizer Wahlkampfthema. Dennoch sagt die Positionierung der Parteien dazu viel über deren Kulturpolitik aus. So etwa die SP, die den Grünen bei der Geldsuche zu Hilfe eilt. «Ja, die Heitere Fahne sollte unterstützt werden», sagt deren Gemeindepräsidiumskandidatin Annemarie Berlinger-Staub. Die Frage sei noch, wie viel Geld es dafür brauche. Auch die BDP will dies im Parlament beraten. «Es ist ein Diskurs, der sicher geführt werden muss», sagt Thomas Frey. Laut Frey – ebenfalls Anwärter aufs Amt des Gemeindepräsidenten – muss aber klar sein, was die Projekte der Bevölkerung bringen. SP, Grüne und BDP: Eine Mehrheit für das Heitere-Fahne-Geld scheint möglich.

Dass die Heitere Fahne bisher keinen fixen Unterstützungsbeitrag erhält, liegt auch an ihrem breiten Angebot. Der Betrieb bietet neben Kultur auch eine offene Tagesstruktur, um psychisch kranken, behinderten und jungen Menschen in schwierigen Situationen eine erfüllende Aufgabe zu bieten. Ist die Heitere Fahne mehr Kulturlokal oder Sozialbetrieb? «Sie ist irgendwo dazwischen», sagt Marianne Keller, Leiterin der Könizer Fachstelle Kultur. Wer bei der Gemeinde für sie zuständig ist, sei deshalb bisher nicht ganz klar gewesen. Doch dies wolle man nun klären. Es ist auch ein Ziel von Keller, der Heiteren Fahne mehr Planungssicherheit zu geben. Bis dahin sei weiterhin eine Unterstützung auf Projektbasis vorgesehen.

FDP: Geld braucht es anderswo

Die ungewöhnliche Struktur ist nicht der einzige Grund, warum die Heitere Fahne bisher keine regelmässigen Mittel erhält. Es liegt auch an den klammen Könizer Finanzen. «Im Rahmen der Sparbemühungen möchte ich das Geld lieber in die Schulen stecken», sagt deshalb Hans-Peter Kohler (FDP), ebenfalls Anwärter aufs Gemeindepräsidium – und erteilt der Heiteren Fahne eine Absage.

Es geht tatsächlich um eine Stange Geld: 100'000 Franken wünscht man sich jährlich. Ein beachtlicher Betrag im gesamten Kulturbudget. 134'600 Franken erhalten die zwei fest subventionierten Betriebe, der Könizer Schlosshof und das Festival Bejazz, bisher jährlich. Eine Million Franken fliesst zudem via Regionalkonferenz nach Bern. Gegen diese Million wiederum spricht sich die SVP aus. «Es sollte weniger Geld an die grossen Stadtberner Institutionen gehen», sagt deren Gemeindepräsidiumskandidat Christian Burren. Dann läge vielleicht ein Beitrag für die Heitere Fahne drin.

Und was tut die Heitere-Fahne-Truppe, wenn es mit dem Gemeindegeld nicht klappt? «Wir prüfen auch andere Finanzierungsformen», sagt Finanzchef Oliver Eicher. So könnten auch Stiftungen das Kulturlokal langfristiger unterstützen. Im schlechtesten Fall müsste man wohl das Angebot reduzieren. Doch daran will man noch nicht denken: «Nun schauen wir zuerst nach vorne», sagt Bucher. Der Idealfall wäre nämlich, nicht nur Geld von der Gemeinde zu erhalten, sondern einen Erben zu finden, der sein Glück teilen möchte. «Vielleicht meldet sich ja nach Erscheinen dieses Artikels ein Mäzen oder eine Mäzenin», sagt Bucher und lacht. (Der Bund)

Erstellt: 06.04.2017, 06:50 Uhr

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