Die grossfürstliche Gemeindewohnung

Im Elfenauquartier wird eine herrschaftliche Wohnung in einem historischen Gutshaus frei. Vermieterin ist die Stadt Bern. Die Vergabe solcher Wohnungen war lange Zeit exklusiv.

Das stadteigene Gutshaus im Elfenaupark.

Das stadteigene Gutshaus im Elfenaupark. Bild: Mischa Stünzi

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Wohnungen, die der Stadt gehören, stellt man sich meistens anders vor. Doch per Anfang November wird im Berner Elfenauquartier ein stadteigenes Mietobjekt frei, das nicht für alle im erschwinglichen Preisbereich liegt. 6250 Franken pro Monat beträgt der Bruttomietzins der 7-Zimmer-Wohnung, die ein Stockwerk des einst von einer russischen Aristokratin bewohnten Gutshauses im Elfenaupark bildet (siehe Text rechts).

Das Logis gehört zu den sogenannten herrschaftlichen Gemeindewohnungen der Stadt Bern. Aus einer Antwort des Gemeinderats auf einen stadträtlichen Vorstoss geht hervor, dass es 2015 deren 18 gab. Die Elfenau-Wohnung war offenbar nicht die teuerste: Als höchster Nettomietzins wird ein monatlicher Betrag von 10115 Franken genannt. Diese Wohnungen lagen zumeist in der unteren Altstadt, etwa in der Herren- oder in der Junkerngasse.

Laut Dagmar Boss von Immobilien Stadt Bern wurden die herrschaftlichen Wohnungen ab 1970 nach einer gewissen Reihenfolge an Magistratspersonen des Bundes, des Kantons oder der Stadt vermietet. Seit 13 Jahren würden diese Richtlinien aber belegbar nicht mehr gelebt, 2015 wurden sie formal abgeschafft. Heute unterscheide sich die Vergabe der Herrschaftswohnungen nur darin, dass Belegungskriterien nicht eingehalten werden müssten.

Die zwei anderen Wohnungen im Gutshaus im Elfenaupark sind seit über einem Jahrzehnt vermietet. Ein Mieter ist Roland von Büren, ehemaliger Präsident der Valiant Bank. «Es ist ein schönes Haus, es gibt aber viel Arbeit», sagt er. Er müsse nämlich den umliegenden Garten pflegen. (Der Bund)

Erstellt: 09.10.2018, 20:32 Uhr

Zeitzeugin des Zarentums

Die Geschichte des Quartiers Elfenau ist stark mit dem Leben der Juliane Henriette Ulrike von Sachsen-Coburg-Saalfeld verknüpft. Die bayerische Prinzessin, eine Tante der britischen Monarchin Victoria, heiratete 1796 den Grossfürsten Konstantin von Russland und war nach der orthodoxen Taufe als Anna Feodorowna bekannt. Aus der unglücklichen Ehe mit dem Enkel Katharinas der Grossen flüchtete sie jedoch nach Bern, wo sie 1814 das Brunnaderngut kaufte.

Das Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Herrenhaus liess Feodorowna im Empirestil umbauen. Entzückt von der magischen Atmosphäre am Aarehang, gab sie ihrem Gut den Namen «Elfenau». Als Dame der Gesellschaft empfing Feodorowna regelmässig die Honoratioren der Stadt Bern, darunter Mitglieder der russischen Gemeinschaft. Bis heute sind neben dem Gutshaus, welches 1918 von der Stadt übernommen wurde, Spuren der zaristischen Aristokratie zu finden. Den Alexandraweg benannte Feodorowna nach ihrer Schwägerin, der Frau Niklaus des Ersten von Russland. Der nahe Wildermettweg trägt den Namen einer bernischen Erzieherin Alexandras. (mck)

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