Die Gelbwesten kommen nach Bern

Auf Facebook ruft ein Schweizer Ableger der «Gilets jaunes»-Bewegung zur Kundgebung am Samstag auf dem Bundesplatz auf. Die Demonstration ist nicht bewilligt.

Bereits kurz vor Weihnachten versammelte sich eine Handvoll Gelbwesten-Aktivisten auf dem Bundesplatz.

Bereits kurz vor Weihnachten versammelte sich eine Handvoll Gelbwesten-Aktivisten auf dem Bundesplatz.

(Bild: Quelle: Facebook)

Naomi Jones

Die «Gilets jaunes»-Bewegung kommt in der Schweiz an. Am Samstagnachmittag soll auf dem Bundesplatz eine Demonstration stattfinden. Auf Facebook ruft eine Gruppe, die sich Gilets jaunes Suisses nennt, Gleichgesinnte dazu auf, sich auf dem Bundesplatz zu versammeln.

Wer hinter der Bewegung in der Schweiz steht, ist nicht restlos klar. Auf die Anfrage des «Bunds» meldet sich der Waadtländer Gymnasiast Kevin Charmillot per E-Mail und gibt sich als Administrator der Facebook-Seite zu erkennen. Auf Facebook gäbe es mehrere Gruppen, so auch in der Deutschschweiz, denen insgesamt über 1000 Personen angehörten, schreibt er. Die Facebook-Seite der Westschweizer Gruppe sei aber bereits 100’000-mal besucht worden. Er geht also von weit mehr Sympathisanten als aktiven Mitgliedern aus. In den Reihen der Schweizer Gelbwesten befinde sich unter anderen François de Siebenthal, Mitinitiant der Vollgeldinitiative. De Siebenthal machte im letzten Sommer mit einem Vortrag bei Rechtsextremen auf sich aufmerksam.

Tiefere Krankenkassenprämien, höhere Löhne

Wie der französischen «Gilets jaunes»-Bewegung geht es den Schweizern vor allem um soziale Anliegen. «Wir haben in der Schweiz dringende Probleme wie die Krankenkassenprämien und die Mieten», sagt Charmillot. Rund 600’000 Schweizer und Schweizerinnen lebten in prekären Verhältnissen.

Die Gilets jaunes Suisses fordern denn auch tiefere Krankenkassenprämien, existenzsichernde Löhne, keine Erhöhung des Rentenalters, gerechte Mieten, sowie gleiche Löhne für Männer und Frauen. Hingegen wollen die Gelbwesten die lebenslangen Renten der Bundes- und Regierungsräte abschaffen und die Einwanderung bremsen, indem die Schweiz humanitäre Hilfe vor Ort leistet. Sie soll in erneuerbare Energie investieren und die geplante Obsoleszenz, also das eingebaute Verfallsdatum von technischen Geräten, anprangern.

Unbewilligte Demonstration

Die Demonstration auf dem Bundesplatz ist nicht bewilligt. Bei der Berner Bewilligungsbehörde ist gemäss der städtischen Gewerbepolizei kein Gesuch für eine Demonstration eingegangen.

Charmillot bestätigt das. Die Bewegung sei so spontan, dass es nicht möglich sei, für alle Aktionen Bewilligungen einzuholen. «Und die Behörden würden uns diese vermutlich nicht geben», schreibt er. Zudem sei das Recht, sich zu versammeln und zu demonstrieren, ein Grundrecht. Dabei wollten die Schweizer Gelbwesten aber weder den Verkehr oder die Mitbürger stören noch irgendetwas kaputt machen. «Wir sind friedlich», sagt Charmillot. «Wir wollen bloss demonstrieren, um unsere Unzufriedenheit zu zeigen.» Von den wütenden Protesten in Frankreich distanziert sich Charmillot, obwohl die Schweizer Gruppen mit den französischen in Kontakt seien.

Vorweihnächtliche Minidemo auf dem Bundesplatz

Ob allerdings viele Gelbwesten nach Bern kommen werden, ist fraglich. Letzten Samstag versammelten sich drei Demonstrierende im Bahnhof von Lausanne. Die Bahnarbeiter, die sie wegschickten, trugen ebenfalls gelbe Warnwesten. Und eine Woche zuvor versammelten sich bereits Gelbwesten auf dem Bundesplatz. Zu mehr als einer Minidemo reichte es aber nicht: «Wir waren um die zwanzig (mit der Polizei)» schreibt eine Aktivistin auf Facebook.

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