Berner Schützenmatte wird doch nicht autofrei

Stadt und Wirtschaftsverbände haben sich im Parkplatzstreit auf einen Kompromiss geeinigt.

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Letzte Mehrwegbecher, die behelfsmässig aufgebauten Toiletten und mehrere Container: Am Montagnachmittag dominierten auf der Berner Schützenmatte noch die Spuren des Neustadtlab, das während der letzten beiden Monate im Bollwerk für Belebung sorgte. Doch bereits morgen Mittwoch werden auf der städteplanerischen Baustelle wieder Gewerbetreibende, Flaneure und Einkaufstouristen ihre Autos parkieren.

Die Frage ist, wie lange noch? Bereits Ende 2016 beschloss der Gemeinderat, die Parkplätze auf der Schützenmatte dauerhaft aufzuheben – und nicht nur während zweier Sommermonate wie in den letzten drei Jahren. Das Vorhaben ist aber durch Einsprachen von Wirtschaftsverbänden blockiert. Ein Rechtsstreit könnte noch Jahre dauern. Nun scheint ein Durchbruch in Reichweite. Laut mehreren Quellen hat sich die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) mit den Einsprechern in den zentralen Punkten geeinigt.

«Parkplatzanteil von einem Drittel wäre wohl über der Schmerzgrenze.»Juerg Luedi, Verein Neustadtlab

Wie Thomas Balmer, Präsident des Gewerbeverbandes KMU Bern, auf Anfrage bestätigt, sieht die Kompromisslösung vor, dass doch nicht alle Parkplätze auf der Schützenmatte aufgehoben werden. «Rund ein Drittel des Platzes wird dauerhaft fürs Parkieren benutzt werden können», sagt Balmer. Die Parkplätze seien jedoch Gewerbetreibenden und Reisecars vorbehalten. «Privatpersonen stehen auf der Schützenmatte künftig leider keine Parkplätze mehr zur Verfügung.» Dennoch ist Balmer zufrieden: «Wenn die Einigung definitiv zustande kommt, ziehen wir unsere Einsprache zurück.»

Einigung «jederzeit möglich»

Bei der Stadt bestätigt man, dass die Verhandlungen «kurz vor Abschluss» stünden und dass die getroffene Einigung Parkplätze für Gewerbetreibende und Reisecars vorsehe. Noch unklar ist, wie die Parkplätze angeordnet werden. Eine Option sieht vor, die Car-Abstellplätze an die Schützenmattstrasse zu verschieben.

Während in der Parkplatzfrage die Führung bei der TVS liegt, ist die Präsidialdirektion für die künftige Nutzung verantwortlich. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) möchte noch nicht von einem Durchbruch sprechen. «Unterschrieben ist noch nichts», sagt er. Eine Einigung in der Parkplatzfrage sei aber «jederzeit» möglich. Er gehe davon aus, dass diese dann sicherlich vom Gemeinderat, aber eher nicht vom Stadtrat nochmals genehmigt werden müsse.

Ob der Platz bereits im Sommer 2018 einer definitiven Nutzung zugeführt werden kann, ist deshalb noch offen. Ebenso, wie eine solche letztlich aussieht. Von Graffenried schwebt eine Nutzung vor, «die sich gar nicht so stark vom Neustadtlab unterscheidet», wie er sagt. Eine mehrheitlich autofreie Schützenmatte würde auch Bundes- und Waisenhausplatz entlasten. «Der Bundesplatz kann heute nicht alle Veranstaltungen aufnehmen», sagt er. Gerade kulturelle Events könnten künftig auf der Schützenmatte stattfinden.

Luedi im Grundsatz optimistisch

Ähnlich klingt es bei Juerg Luedi, der bei allen bisherigen Neustadtlabs involviert war. Ihm schwebt langfristig ein «multifunktionaler» Platz für Kunst und Kultur «im Sinne einer permanenten Laborsituation» vor, der von keinen «fixen Playern monopolisiert» werde. Er begrüsse auch, dass eine Einigung zwischen Stadt und Einsprechern greifbar scheine. «Ich bin froh, wenn eine jahrelange Blockade verhindert werden kann.» Die vorliegende Kompromisslösung ist für Luedi ein gangbarer Weg.

Er sei optimistisch, dass eine Belebung trotzdem gelinge. Wichtig sei, dass die verbleibenden Parkplätze «intelligent» angeordnet würden. Zudem komme es auch auf den Anteil an Parkplätzen an. «Ein Parkplatzanteil von einem Drittel wäre wohl über der Schmerzgrenze.»

Keine Zusicherung für 2018

Klar ist: Sollte die definitive Nutzung im Sommer 2018 noch nicht möglich sein, drohen wieder Querelen. Denn auf eine neuerliche Zwischennutzung ohne finanzielle Unterstützung der Stadt hat das Organisationskomitee des diesjährigen Neustadtlab keine Lust. Von Graffenried hingegen lässt durchblicken, dass er keinen Bedarf für weitere Finanzspritzen sieht. «Im Prinzip haben wir bereits genug Erkenntnisse gewonnen, wie man den Platz nutzen kann.» Man werde die diesjährige Ausgabe aber mit den Organisatoren zusammen analysieren und das weitere Vorgehen besprechen. (Der Bund)

Erstellt: 26.09.2017, 06:45 Uhr

Harziger Jahrgang für Neustadtlab

Samstagabend um Mitternacht: Das Neustadtlab 2017 auf der Berner Schützenmatte ist nun offiziell vorbei. Die Roxy-Bar schliesst pünktlich die Fensterläden. Trotz des Bemühens: Bei der Polizei sind zahlreiche Ruhestörungen gemeldet worden. Eine Busse ist bereits beim Organisationskomitee eingegangen. Ob weitere folgen werden, wollte die Polizei am Montag auf Anfrage nicht beantworten. Für das Organisationskomitee wogen die drohenden Bussen aber so schwer, dass es zeitweise gar über einen vorzeitigen Abbruch des Neustadtlab nachdachte.

Die Lärmklagen waren nicht das Einzige, was die diesjährige Ausgabe trübte: Im Mai teilte der Gemeinderat überraschend mit, dass das Neustadtlab ohne finanzielle Unterstützung der Stadt würde über die Bühne gehen müssen. Die Durchführung war bis kurz vor Start ungewiss. «Die Planungsunsicherheit und die fehlende finanzielle Unterstützung haben dazu geführt, dass unter anderem die Balance zwischen Gastroangeboten und Kunstprojekten gelitten hat», sagt Juerg Luedi vom OK auf Anfrage.

Während Luedi in den letzten Jahren als Hauptorganisator auftrat, wurde die Organisation heuer von einem basisdemokratischen Kollektiv unentgeltlich übernommen. Über den Erfolg dieser Struktur gehen die Meinungen auseinander. So ist die Rede von «Reibungen» innerhalb des OK, da sich kommerziellere und idealistischere Gruppierungen nur schwer auf gleiche Ziele einigen konnten. Gleichzeitig wird die breitere Abstützung von vielen Beteiligten auch begrüsst.

Trotz aller Probleme: «Insgesamt ist es gut gelaufen, die Besucher sind zahlreich gekommen und waren zufrieden», sagt Ramon Stricker vom OK. Und auch Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zieht mit Ausnahme der Lärmproblematik ein positives Fazit: Auch die diesjährige Ausgabe habe das Potenzial des Orts wieder gezeigt, sagt er auf Anfrage. «Durch die Belebung präsentierte sich die Schützenmatte, die manchmal an einen Unort erinnert, als attraktiver Stadtplatz.»

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