Die Gegenwart rückt in die nähere Zukunft

Um 600 Quadratmeter soll die Ausstellungsfläche des Berner Kunstmuseums dank einer Renovation bis 2021 wachsen. Wer die Kosten von 40 Millionen Franken trägt, ist noch nicht klar.

Auch der Eingangsbereich soll erneuert werden.

Auch der Eingangsbereich soll erneuert werden. Bild: Franziska Rothenbühler

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Das Kunstmuseum Bern bekommt keinen architektonisch herausragenden Anbau, das ist seit Mittwoch definitiv. Nach dem Hickhack beim Architekten-Wettbewerb, der zu keiner umsetzbaren Lösung führte, setzen die Verantwortlichen des Kunstmuseums nun auf Altbewährtes: Das Kunstmuseum will den bisherigen Bau an der Hodlerstrasse erweitern und sanieren und damit der Abteilung Gegenwart mehr Platz geben – aber die Aussenhülle wird praktisch nicht tangiert. «Es wäre durchaus reizvoll, den Atelier-5-Bau abzureissen und durch einen neuen architektonischen Wurf zu ersetzen», sagte Jürg Bucher, Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern - Zentrum Paul Klee am Mittwoch vor den Medien. Aber der Zeitplan sei eng, und das Haus könne sich nicht erneut auf langjährige Planspiele einlassen.

Grosszügige Räume sind im Kunstmuseum angedacht. Visualisierung: zvg

Für rund 40 Millionen Franken soll das Museum nun umgebaut werden. Renovierungsbedürftig sei vor allem der rund dreissigjährige Erweiterungsbau des Atelier 5, sagte Bucher. Sorge macht ihm auch die veraltete Klimaanlage des Museums, welche auszufallen droht: «Das wäre ein Desaster für das Museum – wir müssten es sofort schliessen», sagte er. Das Klimasystem könne auch nicht mehr repariert werden, weil die heutige Gesetzeslage die eingesetzten Kühlmittel nicht mehr zulasse. Weil die Sanierung wegen der Klimaanlage zeitlich drängt, wurde das Projekt auch nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern direkt an das Büro Jordi + Partner AG vergeben, welches bereits die Erweiterung des Kunstmuseums erarbeitet und daher das Haus kennt. «Das erlaubt die Verordnung über das Beschaffungswesen», verteidigte Bucher am Mittwoch das Vorgehen.

Der Berner Architekt Patrick Jordi hatte bereits 2010 die sogenannte Inhouse-Lösung für das Museum ausgearbeitet. Schon damals hatte es in der Architektenszene Kritik daran gegeben, dass der Auftrag für den Erweiterungsbau nicht öffentlich ausgeschrieben worden war (der «Bund berichtete). Beim Kunstmuseum hatte man damals argumentiert, dass das Museum als private Stiftung nicht zu einem öffentlichen Submissionsverfahren verpflichtet sei, solange die Eigenmittel mindestens fünfzig Prozent betrügen. Bucher wollte sich am Mittwoch vor den Medien nicht zur Vergabepraxis der Vergangenheit äussern, er übernahm erst im Juli 2015 das Präsidium des Stiftungsrats der Dachstiftung Kunstmuseum Bern - Zentrum Paul Klee.

Kein Kubus geplant

Mit der Sanierung schafft das Museum auch zusätzliche Ausstellungs- und Lagerflächen. Da das Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern auszieht und auch die Räume des ehemaligen Kinos im Kunstmuseum frei wurden, kann das Museum die dortigen Flächen nutzen. So entstehen zusätzliche 600 Quadratmeter Fläche für die Sammlung Gegenwartskunst. Weiter sollen rund 350 Quadratmeter Lagerfläche genutzt werden können: «Es wird dadurch auch möglich, der Kunstvermittlung im Museum mehr Platz einzuräumen», sagte Museumsdirektorin Nina Zimmer.

Läuft alles wie geplant, beginnt der Umbau Anfang 2019 und dauert bis ins Jahr 2021. Während der Arbeiten im Haus werde das Kunstmuseum in Teilen offen bleiben, sagte Zimmer. Im Stettlerbau etwa plane man ein «experimentelles Projekt». Einige Teile der Kunstinstitution sollen während der Bauzeit aber auch in den Kanton und die Stadt «ausschwärmen», sagte die Direktorin am Mittwoch. Konkretes sei noch nicht spruchreif. Aber ein Kubus – eine mobile Ausstellungshalle in der Stadt Bern während der Umbauzeit – sei nicht vorgesehen.

Der Grosse Rat redet mit

80 Prozent der Kosten soll der Kanton Bern übernehmen, der Rest soll über Drittmittel finanziert werden, sagte Bucher am Mittwoch. Mit Dritten sei man bereits im Gespräch, und auch beim Kanton sei inzwischen ein Gesuch eingereicht worden. Der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass er über das Projekt im Bild sei. Doch den genauen finanziellen Beitrag, welcher der Kanton leisten werde, könne er noch nicht nennen, auch weil erst abgeklärt werden müsse, wie viel Geld aus dem Lotteriefonds fliessen werde, so Pulver.

Pulver geht davon aus, dass das Geschäft bereits in der Frühjahrssession im Grossen Rat behandelt wird: «Politisch wird es sicher kein einfaches Geschäft», sagt Pulver. Es sei für ihn zwar klar, dass die Renovation und die Erneuerung der Klimaanlage des Museums nötig seien: «Aber den Umfang des Betrags kann ich nicht garantieren», sagt Pulver. Er werde sich in nächster Zeit mit den Verantwortlichen des Museums treffen und «genau hinschauen», ob das, was eingeplant sei, auch wirklich gebraucht werde. (Der Bund)

Erstellt: 21.06.2017, 21:00 Uhr

Der lange Weg

Seit 30 Jahren werden in Bern Pläne für ein Museum für Gegenwartskunst respektive für eine Abteilung Gegenwart gewälzt. Denn dem Berner Kunstmuseum fehlt die nötige Ausstellungsfläche, um seine Sammlung gebührend zu präsentieren. Diese umfasst Werke von Pablo Picasso bis Pipilotti Rist.


  • Seit den 1980er-Jahren sucht das Berner Kunstmuseum nach mehr Ausstellungsfläche. So wurde 1987 bereits über ein neues Museum für Gegenwartskunst nachgedacht, in welchem auch die Werke von Paul Klee hätten ausgestellt werden können. Diese Idee wurde nicht vertieft, als Mäzen Maurice E. Müller sich einschaltete und das Zentrum Paul Klee gebaut wurde.



  • Eine Projektleitung präsentiert 2000 Pläne für ein Museum für Kunst der Gegenwart im alten Progymnasium unter der Leitung des Kunstmuseums. Mäzen Hansjörg Wyss bot der Stadt Bern 17 Millionen für die Umnutzung.



  • Im Dezember 2004 wurde das Progr-Projekt aufgegeben, Wyss erachtete die Finanzierung als zu problematisch. Er favorisierte einen kostengünstigeren Anbau am Kunstmuseum.



  • 2006 wurde ein Architekturwettbewerb für ein Anbauprojekt am bestehenden Museum lanciert. Das Siegerprojekt «an_gebaut» scheiterte am Denkmalschutz, das zweitplatzierte «Scala» wurde aus finanziellen Gründen nie gebaut. Der Mäzen Hansjörg Wyss, der ursprünglich 12 Millionen Franken für einen Anbau und 8 Millionen für dessen Betrieb spenden wollte, zog sich zurück.



  • Im Juni 2010 gab der damalige Museumsdirektor Matthias Frehner bekannt, dass nun eine Inhouse-Lösung verfolgt werde. Die Museumsleitung präsentierte das Projekt des Berner Architekten Patrick Jordi, welches nun weiterverfolgt wird.

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