Die frühe Weichenstellung ist sinnvoll

Die Abklärungen zum nächsten Tramprojekt kommen rasch nach der letzten Tramabstimmung auf den Tisch. Zu forsch ist dieses Vorgehen dennoch nicht.

Der Bus und das Tram, die beiden Verkehrsmittel von Bernmobil begegnen sich in der Berner Altstadt.

Der Bus und das Tram, die beiden Verkehrsmittel von Bernmobil begegnen sich in der Berner Altstadt.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Simon Thönen@SimonThoenen

Nur einen Monat nach dem knappen Volks-Ja zum Kantonsbeitrag an das Ostermundigen-Tram präsentiert Noch-Regierungsrätin Barbara Egger (SP) die Vorabklärungen zum nächsten Stadtberner Tramprojekt in der Länggasse. Das mag forsch erscheinen, zumal im Juni SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus als Eggers Nachfolger die kantonale Verkehrsdirektion übernehmen wird. Und viele werden sich fragen, warum sie sich schon jetzt für ein Tram in die Länggasse interessieren sollten, das nicht vor 2035 auf die Schiene kommen soll.

Beide Sichtweisen greifen zu kurz. Sie verkennen, wie viel Vorlauf solche Projekte benötigen. Und vor allem, dass Egger am Dienstag erst das Ergebnis sachlicher Vorabklärungen präsentiert hat, die schon vor dem Neuanlauf des Ostermundigen-Trams gestartet worden sind. Es handelt sich also um eine sachliche Auslegeordnung. Ob das Länggass-Tram wirklich realisiert wird, ist ein politischer Entscheid, der erst noch gefällt werden muss.

Dass die Experten jetzt schon früh geklärt haben, welche Lösungen sinnvoll sind, ist zwingend. Denn in erster Linie ist die Frage nach dem Tram nicht eine ideologische; es geht darum, gute Lösungen für den öffentlichen Verkehr zu finden. In der Tat haben die umfangreichen Abklärungen zu überraschenden Ergebnissen geführt. Anstatt wie erwartet ein Tram für die ganze Strecke Wyler–Länggasse vorzuschlagen, steht für die Fachleute eine differenzierte Lösung im Raum. Auf der Linie Wyler genügen auch langfristig grössere Trolleybusse (ergänzt mit einem Shuttle-Bus für Gewerbeschüler).

Für die Länggasse jedoch nehmen mit dem Wachstum der Universität im Quartier die Passagierzahlen so stark zu, dass langfristig nur ein Tram die Nachfrage abdecken kann. Noch sind viele Fragen offen, so auch, wie ein Länggass-Tram in das Tramnetz eingebunden werden kann. Und in der Hauptsache natürlich, ob sich die Tramvariante im politischen Prozess durchsetzen wird. Zu hoffen ist, dass die Sachfragen hier nicht unter die Räder kommen.

Der Bund

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