Die Frage ist, wo der Kessel steht

Der Berner Stadtrat bekennt sich zum Gaskessel und garantiert ihm ein Quasi-Vetorecht bei der Suche nach einem alternativen Standort. Die Überbauung muss sich nach dem Jugendzentrum richten.

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(Bild: Adrian Moser)

Naomi Jones

Wo wird das Jugendzentrum Gaskessel künftig stehen? Diese Frage bestimmt die Überbauung des Gaswerkareals wesentlich. Darin waren sich die Berner Stadträte und -rätinnen von bürgerlich bis links gestern Abend weitgehend einig. Ob das Jugendzentrum allerdings am heutigen Standort, beim Ryf-Areal unter dem Brückenkopf oder irgendwo sonst auf dem Gelände stehen wird, ist heute offen. Denn die Stadt steht zusammen mit dem Jugendzentrum in einem partizipativen Prozess, dessen Ergebnis offen ist und der erst Ende des Jahres abgeschlossen sein wird.

Dass das Resultat des Prozesses allerdings tatsächlich so offen ist wie definiert, war nicht immer klar. Dies umso mehr, als der Gemeinderat im Rahmenplan für das Gelände schreibt, dass ein Weiterbetrieb des Jugendzentrums am heutigen Standort die geplante Wohnüberbauung «weitgehend, wenn nicht gar vollständig, verunmöglicht». Was gilt nun?

Prozess muss offenbleiben

Die Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS) verlangte daher, dass Szenarien geplant werden, die es dem Gaskessel ermöglichen, am aktuellen Standort zu bleiben. Nur so sei der partizipative Prozess tatsächlich ergebnisoffen. «Der Stadtrat hat mehrmals entschieden, dass der Gaskessel am heutigen Standort bleiben soll», begründete Kommissionssprecherin Barbara Nyffeler den Antrag zur Planungserklärung. Zudem dürften keine weiteren formellen Schritte unternommen werden, solange der Standort des Jugendzentrums nicht entschieden sei. «Denn der Standort des Gaskessels hat grosse Auswirkungen auf die Überbauung», sagte sie.

Dieses Anliegen fand im Stadtrat breite Zustimmung. «Man kann sich grosse Probleme einhandeln, wenn man den Gaskessel verschiebt», sagte etwa Alexander Feuz (SVP) und verwies auf die Einsprachen gegen den Jugendraum Tankere. Wäre das Jugendzentrum unter dem Brückenkopf, so wäre die Distanz zu den nächsten Anrainern viel kleiner als von der Nägeligasse zum Altenbergquartier. Luzius Theiler (GaP) erinnerte als Sprecher der Freien Fraktion an die Gründung des Jugendzentrums 1971, bei der er selbst anwesend war.

Nur Michael Daphinoff (CVP) warnte davor, dem Gaskessel quasi ein Vetorecht einzuräumen. «Wenn er bleibt, wo er ist, erleidet das Areal eine massive Einschränkung», sagt er. Denn die CVP möchte auf dem Areal möglichst viele Wohnungen bauen. Und Lukas Gutzwiller (GFL) nennt den Gaskessel ein «Pièce de Résistance» und erwartet Kompromissbereitschaft «von den Jungen». Auch der Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) betonte nochmals, dass es nicht «trivial» sei, die angestrebte Dichte der Überbauung einzuhalten, wenn der Gaskessel nicht verschoben werde. Der Stadtrat stimmte der Planungserklärung gestern jedoch klar mit 60 zu 1 Stimme zu.

Im Gaskessel ist man erleichtert über das Resultat. «Der Stadtrat ist bei seiner Haltung zum Gaskessel geblieben», sagt Francisco Droguett vom Gaskessel. Gespannt verfolgte eine Gruppe Jugendlicher die Ratsdebatte. Der partizipative Prozess laufe gut, sagt Droguett. «Wir sind zufrieden.»

Konkretes zu einem möglichen Standort lasse sich noch nicht sagen. Die Jugendlichen hätten zusammen mit Mitgliedern die Nutzungen des Jugendzentrums definiert und formuliert, was dieses benötige, um zu funktionieren: unverplanten Platz wie eine Brache und Lärmtoleranz. «Die Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren können viel lauter sein als junge Erwachsene», erklärt Droguett. Und wenn genügend unverbauter Raum vorhanden sei, könne etwas Neues entstehen.

Der Bund

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