Die fliegende Verunsicherung

Nachdem Bremgarten seinen Unmut über die Drohnen-Testflüge geäussert hat, will die Post die Flugroute überprüfen.

Drohnen flogen auch über die Gemeinde Bremgarten.

Drohnen flogen auch über die Gemeinde Bremgarten.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Carlo Senn@derbund

In Bremgarten ist man sauer. Ein unbekanntes Flugobjekt flog Mitte Juni während zweier Wochen rund 100 Mal über die Köpfe der Anwohner hinweg. Die Telefone im Gemeindehaus liefen heiss, der Gemeindepräsident Andreas Kaufmann (GLP) erhielt unzählige Mails, wurde persönlich auf der Strasse darauf angesprochen. Das Problem: Er war selbst nicht über das fliegende Etwas informiert.

Dabei schien Anfang Juni noch alles in bester Ordnung. Die Post stellte auf dem Insel-Areal ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Insel-Gruppe vor. Zwischen dem Tiefenau- und dem Inselspital sollte auf einer festgelegten Route der Transport von Blutproben schneller vonstatten gehen – per autonom fliegende Drohne.

Doppelt so schnell im Vergleich zum Transport mit dem Taxi solle das mit der neuen Technologie klappen, was überlebenswichtig für einen Patienten sein könne, sagten die Medienverantwortlichen. Wegen der Route sei man in Kontakt mit zahlreichen Behörden gewesen: mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), der Luftwaffe und der Stadt Bern.

Bremgarten vergessen

Die Route führt zu grossen Teilen über unbewohntes Gebiet, die Aare, das Insel-Areal und über die Gemeinde Bremgarten. Wie sich jetzt aber zeigt, hat die Post vergessen, Letztere zu informieren. Das sorgt dort für Unmut: «Wir haben Dutzende Beschwerden erhalten», sagt Andreas Kaufmann, der Gemeindepräsident von Bremgarten.

Die Drohne fliege eine ungünstige Strecke. «Sie überfliegt drei Kindergärten, eine Tagesschule sowie einen Friedhof.» Ein Bewohner habe sich beklagt, dass es pietätlos sei, beim Abschied eines Angehörigen Drohnenlärm zu hören. «Alle diese Probleme hätte man verhindern können, hätte die Post uns informiert», sagt Kaufmann.

Laut einer Mitteilung des Gemeinderats entschuldigt sich die Post für die «schlechte Kommunikation». Bei der eigens für den Drohnentest eingeführten Hotline sind rund zehn Beschwerden eingegangen, wie die Mediensprecherin Léa Wertheimer auf Anfrage mitteilt. Ob sie alle aus Bremgarten stammen, wollte die Post jedoch nicht sagen.

In der Stadt Bern, die von der Drohne ebenfalls überflogen wird, sind keine Beschwerden eingegangen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Die Post habe aber im Vorfeld über das bevorstehende Projekt informiert. «Bei einer allfälligen Beschwerde wäre aber sowieso das Bazl zuständig», teilt die Stadt weiter mit. Der Grund ist, dass die Bundesstadt im nahen Umkreis des Flughafens Belp liegt.

Wehren ist schwierig

Beim Bazl äussert man sich klar zu einer möglichen Beschwerde: «Der Luftverkehr ist Bundessache», sagt Urs Holderegger, Kommunikationschef des Bazl. So sei es für Bremgarten auch nicht möglich zu verhindern, dass ein Helikopter über die Gemeinde fliege. «An die Drohnen muss sich die Bevölkerung gewöhnen.» Im Fall der Post-Drohne gebe es keine Möglichkeit, Einsprache zu erheben, sagt Holderegger. Allerdings kann eine Beschwerde eingereicht werden. Bisher ist beim Bazl im betreffenden Projekt noch keine eingegangen.

Vorerst kann Bremgarten aber aufatmen. Der Praxistest mit der Drohne ist abgeschlossen, die Post befindet sich nun in der «Nachevaluation». Sowohl aus Sicht der Insel-Gruppe wie auch der Post ist das Projekt erfolgreich und ohne Zwischenfälle verlaufen, man ist zufrieden. In den nächsten Wochen zeigt sich, ob das Projekt weitergeführt wird. «In der jetzigen Phase prüfen wir, ob die Route angepasst werden kann», sagt Wertheimer.

Stört es Sie, wenn Drohnen durch die Stadt schwirren? Soll die Stadt Bern die Verwendung von Drohnen stärker regulieren? Wenn ja, wie? Was sind die Chancen der neuen Technologie, was die Gefahren? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch».

Der Bund

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