«Die Fanclubs haben ihre Chance verpasst»

Wenn Ausschreitungen zum Fussball dazugehörten, dann brauche man das in Bern nicht, findet Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP). Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) bezweifelt, dass der Cupfinal nächstes Jahr nochmals in Bern stattfinden wird.

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«Der Cupfinal gehört in die Bundesstadt», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) noch letzte Woche. Nach den Zwischenfällen am Ostermontag ist er sich nicht mehr so sicher: «Sollte die Frage nächstes Jahr wieder auf Bern zukommen, wird der Gemeinderat sehr genau und sehr kritisch abwägen.» Tschäppät ist konsterniert. «Noch nie wurden so viele Vorkehrungen für einen Cupfinal getroffen. Wir haben im Vorfeld alles unternommen, um einen sportlich tollen Event durchzuführen. Wenn ich mir das Ergebnis nun anschaue, bin ich frustriert.» Die Stadtregierung hatte die Durchführung des Cupfinals in der Hauptstadt an Auflagen geknüpft. So sollten die Fanmärsche auf vorgegebenen Routen erfolgen, Fanarbeiter für Ordnung sorgen und dadurch Ausschreitungen verhindern. Doch die Bilanz fällt enttäuschend aus: Ein Souvenirgeschäft wurde geplündert, Sachbeschädigungen verteilen sich vom Bahnhof bis in die Altstadt, die vorgegebenen Routen wurden nicht eingehalten. Und letztlich sind es wohl eher die Krawalle vor dem Spiel als der 2:0-Sieg des FCZ über den FCB, welche den Cupfinal 2014 prägen.

«Ich wüsste nicht, was wir noch verbessern könnten. Das Polizeidispositiv hat funktioniert, Konfrontationen zwischen FCZ- und FCB-Fans wurden erfolgreich verhindert», sagt Tschäppät. Die Vereine und die Fanarbeiter habe man ebenso in die Planung eingebunden wie den Schweizerischen Fussballverband (SFV).

Der bernische Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser (FDP) beurteilt den Polizeieinsatz ebenfalls als «erfolgreich», die Verhandlungen zwischen der Stadtregierung und den Clubs hätten funktioniert. Doch auch er hält kritisch fest: «Wenn Fussball nur durchgeführt werden kann, wenn im Vorfeld Scheiben zertrümmert und Läden geplündert werden, brauchen wir das in Bern nicht.»

Grenzen des Konkordats?

Die Behörden wussten aber um das Risiko von erneuten Ausschreitungen. Weshalb also haben sie die Fanmärsche bewilligt? Und wo blieb die versprochene Effizienz des verschärften Hooligan-Konkordats? «Der Gemeinderat wollte den Fanclubs die Chance geben, zu beweisen, dass ein Fanmarsch auch friedlich verlaufen kann. Diese Chance haben sie nicht gepackt», bilanziert Käser. Dies seien leider keine Fanmärsche gewesen, sondern «Saubannerzüge». Bern habe sich immer dafür eingesetzt, dass das Konkordat mit Augenmass umgesetzt werde, «das wurde aber leider nicht honoriert». Für Käser gilt es aber auch zu bedenken, dass die Stadtregierung womöglich erst auf Druck des SFV auf eine strengere Umsetzung des Konkordats verzichtete: «Ich könnte mir vorstellen, dass in den Verhandlungen auch schärfere Auflagen diskutiert wurden. Dann hätte der Cupfinal aber nicht in Bern stattgefunden.»

Das kann Tschäppät nicht bestätigen. «Wir alle waren den Fanmärschen gegenüber kritisch eingestellt. Die Ergebnisse der Verhandlungen haben den Gemeinderat aber überzeugt.» Vielmehr zeigen für ihn die Ausschreitungen vor dem Cupfinal die Grenzen des Konkordats auf: «Leute, die nur des Krawalls willen an solche Veranstaltungen gehen, lassen sich mit keiner Vereinbarung wirklich kontrollieren.» Gegen Gruppierungen, die sich per se nicht an Regeln hielten, habe der Rechtsstaat kein Patentrezept. «Diese Menschen muss man anhalten und entsprechend hart bestrafen. Die Vorfälle vom Ostermontag haben gezeigt, dass selbst harte Verhandlungen und ein Konkordat nicht in der Lage sind, zu verhindern, was passiert ist.»

Der Gemeinderat klärt zurzeit ab, wie hoch die Kosten für den Einsatz und die Sachbeschädigungen ausgefallen sind. Der SFV hat mit dem Gemeinderat vereinbart, 200 000 Franken an die Deckung der Sicherheitskosten zu leisten, wenn diese den üblichen Rahmen überschreiten würden.

Der Fussballverband schweigt

Käser liess gegenüber «Blick online» verlauten, die Stadt Bern müsse nun «Regress nehmen auf den Fussballverband als Veranstalter des Cupfinals». Ob der Gemeinderat das Geld einfordern wird, darüber will Tschäppät noch nichts sagen. «Aber der SFV muss sich bewusst sein, dass wir nach den Vorfällen nicht einfach zur normalen Tagesordnung übergehen können.» Bereits bei den Ausschreitungen vor dem Cupfinal 2013 monierte Tschäppät das Schweigen des SFV nach den Zwischenfällen. Auch heuer will der Verband erst dann kommunizieren, «wenn er seriös Bilanz ziehen kann», wie es in einer Mitteilung des Fussballverbandes heisst.

Der Bund

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