Zum Hauptinhalt springen

Die «Fähnli» der Berner Pfadi spüren wieder Aufwind

Nach jahrelangem Mitgliederschwund halten wieder mehr Ältere der Pfadi des Kantons Bern die Treue.

In den vergangenen fünfzehn Jahren ging es mit den Pfadfindern stetig abwärts. Im Vergleich zu den Neunzigerjahren ist die Mitgliederzahl schweizweit um rund 20 000 zurückgegangen. Jetzt erholen sich zumindest die Berner Abteilungen. «Ich habe das Gefühl, wir haben die Talsohle durchschritten», sagte Petra Spichiger, Präsidentin der Pfadi Kanton Bern, gestern auf Anfrage. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Pfadi Kanton Bern rund 300 Mitglieder mehr als im Jahr davor. «Stark erholt haben wir uns noch nicht», sagte Spichiger.

Immer mehr haben der Pfadi den Rücken gekehrt oder zeigten ihr die kalte Schulter. Weshalb? «Es gibt heute sicher viel mehr Angebote für Kinder und Jugendliche als noch vor 25 Jahren», meint Spichiger. Es seien vor allem die Sportvereine, die der Pfadi Konkurrenz machten, sagte Simon Ryser, Mediensprecher der Pfadi Kanton Bern. Die Kinder würden bei Fussball- oder Hockeyklubs anheuern, auch wenn die Pfadi längst viel mehr zu bieten habe als klischeehafte Lagerfeuerromantik.

Wieder mehr Leiter

Nun zeigen sich Silberstreifen am Horizont. Aber nicht, weil mehr Kinder Pfadfinder werden wollen. «Tatsächlich haben wir nämlich weniger Abgänger», sagte Ryser. Während die Zahl der eintretenden «Wölfli» stets schwanke, würden immer mehr bis zum «Rover» der Pfadi die Treue halten und als angehende Erwachsene Leitungsfunktionen übernehmen.

Petra Spichiger sieht die Entwicklung im gesellschaftlichen Zusammenhang. Das Bedürfnis nach fixen Strukturen sei gewachsen. «In Zeiten, wo man den eigenen Arbeitsplatz nicht mehr auf sicher hat, ist man gerne wieder in Gruppen und bleibt dann auch länger.» Auch die Wertschätzung der Leiterausbildung steige. «Die Kurse sind eine Ausbildung für den Beruf. Man lernt Kompetenzen und macht Erfahrungen, die man anwenden kann», sagte die Präsidentin. Arbeitgeber reagierten sehr wohlwollend auf eine Pfadfindervergangenheit. Das freiwillige Engagement werde anerkannt. «Man lernt in der Pfadi fürs Leben», fasst Ryser zusammen.

«Junge führen Junge»

Für die Pfadi ist Leiternachwuchs überlebenswichtig. Denn ohne ihn funktioniert das Prinzip «Junge führen Junge» nicht. Das weiss auch Seraina Klopfstein. Sie hat die Pfadiabteilung St. Marien Bern fast im Alleingang neu aufgebaut, nachdem diese im Jahr 2002 eingegangen war. Die Pfadi Kanton Bern hat sie dafür vor zwei Jahren mit der «Goldenen Ente» ausgezeichnet (s. Kasten). «Das Problem beim Aufbau von St. Marien war nicht die Zahl der Kinder. Vielmehr mussten wir Leiter finden, die an Samstagnachmittagen und bei Lagern bereit waren, mitzuhelfen», erzählt sie. Schweizweit laufen seit Jahren Bestrebungen, um neue Mitglieder und Leiter zu gewinnen, wie die Präsidentin des Kantonalverbands erklärt. «Es geht dabei vor allem darum, die Leiter für Ausbildungskurse zu motivieren und um Öffentlichkeitsarbeit», sagt Spichiger. Die Pfadi werde künftig deutlicher machen, dass sie einen Dienst für die Gesellschaft leiste. Erfolge gebe es schon. So sei das Bundeslager 2008 nicht nur den Teilnehmenden, sondern auch der Bevölkerung vor Ort in guter Erinnerung geblieben.

Nur an einer Stelle hapert es noch: «Es ist relativ schwierig, Kinder mit Migrationshintergrund für die Pfadi zu gewinnen», sagt Spichiger. Kulturelle Traditionen, wie Verpflichtungen an Samstagen, stünden dem oft im Weg.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch