Die bunte Chilbi der grossen Hoffnung

In Bern beginnt am Donnerstag die Feckerchilbi, der grösste jenische Kulturanlass.

Die jenischen Organisatoren gönnten sich am Mittwoch mitten im Vorbereitungsstress eine kurze Runde Bootschnen.

Die jenischen Organisatoren gönnten sich am Mittwoch mitten im Vorbereitungsstress eine kurze Runde Bootschnen.

(Bild: Adrian Moser)

Marc Lettau

Anfang Woche wagte Grossrat Hans Jörg Rüegsegger (SVP) im Kantonsparlament den Vorschlag, man könne den fahrenden Jenischen als Halteplatz ja die Schützenmatte in Bern anbieten. Und früh am Donnerstag zeigt sich an diesem umstrittenen Ort: Die Jenischen sind schon da.

Allerdings haben nicht nur die fahrenden, sondern auch die sesshaften Vertreter der Minderheit den Ort angesteuert. Und gekommen sind sie nicht wegen des Tipps des Politikers: Sie sind da wegen des grössten jenischen Kulturanlasses des Jahres, der sogenannten Feckerchilbi.

Die Feckerchilbi, deren Anfänge wohl im 16. Jahrhundert liegen und die über mehr als ein Jahrhundert hinweg mit Gersau in Verbindung gebracht wurde, findet heuer erstmals in Bern statt. Dies nicht zuletzt wegen der Hoffnung der Jenischen, Bundesbern möge die Anerkennung der Jenischen ausweiten – auf die ganze Minorität und nicht nur auf die kleine Minderheit der Minderheit, die in den Sommermonaten auf Achse ist.

Daniel Huber, der Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, äusserte sich während der gestrigen Aufbauarbeiten in Bern zuversichtlich. Er sagte, der historische Moment sei überfällig: «Wir hoffen, endlich als das anerkannt zu werden, was wir sind – Jenische. Denn ein Volk ohne Namen ist kein Volk.» Huber spielt damit auf die vielen über die Jahrhunderte hinweg verwendeten Fremdbezeichnungen an, die die Jenischen als herabsetzend empfinden. Auch den Begriff «Fahrende» erfahren Jenische am Donnerstag als Marginalisierung, weil er die Mehrheit der sesshaften Jenischen nicht a priori einschliesst.

Die Feckerchilbi ist trotz der politisch aufgeladenen Agenda aber primär eine Chilbi (siehe Kasten) mit reichlich Musik, Lagerfeuergesprächen und kulturellen Rahmenveranstaltungen. Laut Huber sei der Anlass auch ein Gesprächsangebot an die Mehrheitsgesellschaft: «Wir sind da und offen für Gespräche mit jedermann» – und das mit dem Ziel, «Vorurteile abzubauen».

Das sich gerne als «Sportstadt» vermarktende Bern kann zudem zu Kenntnis nehmen, dass ein weiteres sportliches Finale den Weg hierher gefunden hat: Die Schweizer Meisterschaft im Bootschnen. Diese mit Boccia und Petanque verwandte jenische Sportart sei durchaus geeignet, die Brücke zur Mehrheit zu schlagen, sagt Venanz Nobel vom transnationalen jenischen Verein Schäft Qwant.

Experte Nobel hat einen Tipp für Neueinsteiger. Beim Bootschnen rolle keine Kugel, man werfe Steine. Es gelte also, sich eine Wurftechnik anzueignen, die zu einem schönen Bogenflug möglichst nahe ans Ziel führe.

Der Bund

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