Die Brücke darf sich nicht verschieben

RBS saniert die Tiefenaubrücke zwischen Bern und Worblaufen. Das Bauwerk aus den 1960er-Jahren soll erdbebensicher werden.

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Alles vibriert und dröhnt, wenn ein Zug kommt. Und das geschieht alle paar Minuten. Der Raum befindet sich direkt unter den Gleisen der Berner Tiefenaubrücke. Nur eine Betondecke und eine Schotterschicht trennen Patrik Jeanmonond vom Zug über seinem Kopf. Er leitet für den Verkehrsbetrieb RBS die Sanierung der Tiefenaubrücke. Der Raum unter den Gleisen ist Teil der Brückenkonstruktion und sorgt dafür, dass die Betonbrücke steht. Im Winter werden die Bauarbeiter hier die Wände verstärken. Sie werden über die Leiter hineinklettern und sich schwere Zementsäcke reichen. Wenn sie in die hinterste Kammer wollen, müssen sie sich durch einen kleinen Durchgang zwängen. Die Luft zum Atmen wird durch ein Rohr hineingepumpt. Im Moment wird der Raum für die Arbeiten im Winter vorbereitet. Solange das Wetter trocken ist, werden andere Arbeiten erledigt.

Der Bau muss stabiler werden. Denn die jüngere der beiden Tiefenaubrücken muss vor allem in Sachen Erdbebensicherheit nachgerüstet werden, wie Jeanmonod erklärt. «Als die Brücke gebaut wurde, rechnete niemand mit Erdbeben, wie wir sie nun überall auf der Welt erleben.» Zudem habe sich die Brücke in den 52 Jahren, in denen sie in Betrieb sei, seitlich um 12 Zentimeter verschoben. «Wir wissen allerdings nicht, ob das ganz am Anfang geschah», sagt Jeanmonod und spielt auf die Belastungsprobe an, die durchgeführt wurde, bevor die Brücke in Betrieb genommen wurde. Dazu schickten die Ingenieure acht Panzer mit je 50 Tonnen Gewicht über das neue Bauwerk. Die Brücke hielt.

Bewegliche Betonbrücke

Die Tiefenaubrücke verbindet Bern und Worblaufen. Eigentlich sind es zwei Brücken, die aber als Einheit wahrgenommen werden. Und das ist die eigentliche Leistung der Planer. Denn die erste Brücke wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Es ist eine Rundbogenbrücke aus Sandsteinquadern, die 1912 mit einem Eisenbahntrasse ausgebaut wurde. In den 1960er-Jahren wollte die damalige Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn (SZB) ausbauen und doppelspurig fahren. Weil der Verkehr auch auf den Strassen zunahm, erteilte die Kantonale Eisenbahndirektion der SZB den Auftrag, eine zweite Brücke nach Worblaufen zu planen.

Die jüngere Tiefenaubrücke besteht aus drei Teilen: einer Hauptbrücke in der Mitte und zwei sogenannten Lehnbrücken an den Seiten. Die Lehnbrücken sind im Boden verankert. Die Betonplatte der Hauptbrücke liegt gewissermassen frei auf den Pfeilern. So kann sich die Brücke bewegen. Denn Beton dehnt sich in Hitze aus. Im Sommer sei die 180 Meter lange Brücke etwa zehn Zentimeter länger als im Winter, sagt Jeanmonod.

Doch wie macht man eine Brücke sicher, wenn die Erde bebt? «Sie darf sich nicht mehr seitlich verschieben», erklärt Jeanmonod. Damit dies nicht mehr geschieht, werden die Lager, auf denen die Platten liegen, ersetzt. Eine neue Technologie ermöglicht der Brücke, sich nur noch auszudehnen, aber nicht mehr, sich zu verschieben. Zudem muss die Brücke besser verankert werden. Dies ist einer der ersten Schritte. Ein Arbeiter gräbt mit dem Bagger die Pfeiler auf der Berner Seite frei. Am Boden des Lochs wird bereits eine grosse Betonplatte sichtbar. Die Sicherheit der Brücke sei aber immer gewährleistet, sagt Jeanmonod. «Bei einem Erdbeben mache ich mir mehr Sorgen um die Einfamilienhäuser als um diese Brücke.» (Der Bund)

Erstellt: 28.07.2017, 06:58 Uhr

Zwei Brücken: Ein Denkmal

Das Ensemble der beiden Tiefenaubrücken steht im Inventar der kantonalen Denkmalpflege. Die alte sei regionalhistorisch wichtig, weil sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewissermassen als Konkurrenz zur Nydeggbrücke gebaut wurde, erklärt Andrea Zellweger von der kantonalen Denkmalpflege. Die neue Brücke verband Bern mit Biel und dem Jura. Dies sei schon länger eine Forderung gewesen. «Der Bau war erst möglich, als der Kanton Bern eine liberale Regierung hatte.»

Die neue Brücke sei hingegen als Beispiel moderner Baukunst in den 1960er-Jahren schützenswert. Die Brücke sei technisch interessant und gleichzeitig typisch für die Zeit. «Damals war es ein sehr modernes Projekt», sagt Zellweger. Die Brücken bilden eine Einheit. Die neue sollte die alte Rundbogenbrücke ästhetisch nicht konkurrenzieren. «Dennoch sollte sie etwas Eigenständiges neben der alten Brücke sein», sagt Zellweger. Die neue Brücke aus Spannbeton sei so angelegt, dass sie die Bogen der alten Brücke nicht überschneide. «Es war ein leichtfüssiges und rücksichtsvolles Projekt, das sich anpasste.» (nj)

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