Die BLS in der Rolle des Buhmanns

Bei den Betroffenen kommt es schlecht an, wenn Pläne nur tranchenweise zum Vorschein kommen.

Seit die BLS das Projekt für eine Werkstätte auf der grünen Wiese bei Riedbach präsentiert hat, ist das Bahnunternehmen in Bümpliz zum Buhmann Nummer eins geworden.

Seit die BLS das Projekt für eine Werkstätte auf der grünen Wiese bei Riedbach präsentiert hat, ist das Bahnunternehmen in Bümpliz zum Buhmann Nummer eins geworden.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Wälti

In Bümpliz und in Bethlehem herrscht fast schon seit Menschengedenken ein diffuses Gefühl, dass es der Rest der Welt nicht gut mit einem meint. Dieses Gefühl erhält immer wieder neue Nahrung. Lange war die Stadt Bern, zu der Bümpliz und Bethlehem seit 1919 gehören, der Bösewicht. Grosse Überbauungen mit Hochhäusern, Schiessplätze in Riedbach, der Standplatz Buech für Fahrende, das Recyclingunternehmen Resag, die Hüttendorfzone – alles, was sonst niemand bei sich in der Nähe will, landet im Westen von Bern. Auch die Pläne für riesige Trabantenstädte oder einen Flughafen, die weit zurückliegen und nie realisiert wurden, haben die Mentalität mitgeprägt, auf der Verliererseite zu stehen.

***

Seit die BLS das Projekt für eine Werkstätte auf der grünen Wiese bei Riedbach präsentiert hat, ist das Bahnunternehmen in Bümpliz zum Buhmann Nummer eins geworden. Geht es in der Schweiz um den Schienenverkehr, sind Anwohner schnell auf dem Abstellgleis. Eine Volksabstimmung ist nicht notwendig, eine Enteignung droht. Den Betroffenen bleiben der Gang ans Gericht und das Gefühl der Ohnmacht.

***

Vor diesem Hintergrund wird die heftige Reaktion im Quartier auf die Pläne für ein drittes Gleis in Brünnen verständlich: Zwar findet sich das Gleis in den Berichten des Kantons und des Bundesamts für Verkehr zum Ausbau im Schienenverkehr, aber es wurde bisher von der BLS nicht explizit erwähnt. Bei den Betroffenen kommt es schlecht an, wenn Pläne nur tranchenweise zum Vorschein kommen.

***

Die BLS hat zwar nach der heftigen Kritik mehr Transparenz gelobt und auch eine Begleitgruppe für die Werkstätte ins Leben gerufen – damit ist es jedoch nicht getan. Die besondere Sensibilität in Bümpliz macht es erforderlich, dass die BLS das ganze Bild präsentiert und nicht nur einen Ausschnitt. Sonst muss sich das Unternehmen nicht über das Misstrauen wundern, das ihm entgegenschlägt. Der schwierige Prozess der Standortwahl für die BLS-Werkstätte wird so unnötig erschwert.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt