Die Berner Störche haben Nachwuchs gekriegt

Die Berner Storchenfamilie ist gewachsen: Im Breitenrain sind drei Adebare geschlüpft. Der Überlebenskampf dauert für die Jungtiere aber an.

  • loading indicator
Adrian Müller@mueller_adrian

Majestätisch kreist ein Weissstorch über seinem Nest im Breitenrain-Quartier. Dann landet das Federvieh und reckt den Schnabel tief in die Brutstätte auf dem Dach des Armeegebäudes an der Papiermühlestrasse 28. Ein lautes Schnattern ist zu hören. «Drei junge Störchli sind hier geschlüpft», sagt Storchen-Experte Robert Schoop. Mit seinem Feldstecher konnte der Regionalleiter der Gesellschaft Storch Schweiz kürzlich direkt in das Nest der Berner Stelzenvögel blicken. «Die Storchen-Babys waren ein Hämpfeli gross.» Er schätzt, dass die Berner Jungstörche am 9. Mai geschlüpft sind.

Rückkehr nach 65 Jahren

Damit scheint das Familienglück der Berner Storchenfamilie perfekt: Das Storchenpaar hat sich im März auf dem Kamin des Giebeldachs ein Nest gebaut – erstmals seit über 65 Jahren sind wieder Storche in der Bundesstadt sesshaft. «Das ist ein ganz starkes Paar», sagt Schoop. Denn die beiden Vögel hätten sich an diesem exponierten Platz gegen die unzähligen Krähen durchsetzen müssen, die in der Umgebung nisteten. Nichtsdestotrotz waren die letzten Tage für die Jungstörche wegen des kühlen Wetters ein Überlebenskampf. «Kälte und Nässe sind Gift für die Jungtiere», so Schoop. In der Region Zürich etwa sind zahlreiche Jungtiere verendet. Ob auch in Bern ein oder mehrere Tiere «eingegangen» sind, wird sich zeigen.

Tiefflug durch die Häuserzeilen

Nahrung für den Nachwuchs suchen die Störche mitten im Quartier. Anwohner haben die Vögel in den Häuserzeilen der Rodtmattstrasse gesichtet. Dort verweilten sie auf Kirschbäumen. «Sie suchen in den Gärten Futter für die Kleinen.» In einer ersten Phase sind dies meist Würmer und Kriechtiere. «Später lauern sie Mäusen auf. Störche sind sehr erfolgreiche Jäger», sagt Schoop.

Dritter Storch eingeflogen

Längst haben sich die Berner Stadtstörche im Breitenrain zu einer Attraktion gemausert. Seit Wochen beobachtet der passionierte Tierfotograf Hugo Rey von seinem Balkon aus die Vogel-Familie. Bereits im März habe sich ein weiteres, ausgewachsenes Tier zum Storchen-Paar gesellt. Der Adebar habe bereits geholfen, die Eier auszubrüten und kümmere sich nun auch um den Nachwuchs. «Bei solchen Solo-Störchen handelt es sich meist um junge, unverpaarte Vögel», sagt Schoop dazu. Woher die Berner Störche ursprünglich stammen, ist übrigens nicht bekannt. Nur ein Tier ist markiert, lässt sich aber nicht eindeutig identifizieren. Das Tier stammt vermutlich aus einer Storchenkolonie im Ausland.

Klar ist, dass die Berner Stadtstörche den Sommer über im Breitenrain verweilen. Die Jungtiere können nach rund zehn Wochen fliegen. Schoop schätzt, dass die Storchenkinder Ende August ausfliegen werden. «Dann suchen sie sich ein Winterquartier.» Die Eltern verlassen das Nest rund einen Monat später. In der kalten Jahreszeit wandern die Störche oft bis weit in den Süden – nach Nordafrika oder in die Sahara. Doch Beobachtungen zeigen, dass immer mehr Störche in der Schweiz überwintern. Das Nest im Breitenrainquartier dürfte übrigens auch nächstes Jahr belebt sein.

«Störche sind sehr nesttreu», sagt Experte Robert Schoop. Nicht nur in Bern, auch in Basel und Zürich haben sich in den letzten Jahren Adebare eingenistet. Gesamtschweizerisch hat sich die Zahl brütender Storchenpaare in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt – von 211 Paaren im Jahr 2005 auf 392 Paare im letzten Jahr.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt