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Die Ausreisser in der Könizer Politik

Die Online-Wahlhilfe Smartvorte liefert überraschende Daten zu den Kandidaten, die zu den Könizer Gemeinderatswahlen antreten.

Wo stehen eigentlich die Könizer Parteien im Spannungsfeld zwischen links und rechts, zwischen konservativ und liberal? Und wo stehen die Kandidatinnen und Kandidaten? Erstmals hat die Online-Wahlhilfe Smartvote für die Könizer Gemeindewahlen eine politische Landkarte erarbeitet, die – gestützt auf fast sechzig Fragen – alle Ortsparteien und sämtliche Kandidierenden für den Gemeinderat verortet.

Ueli Studer im BDP-Umfeld Die politische Verortung ist etwa für die SVP durchaus eine brisante Frage. Vor vier Jahren verlor sie empfindlich an Terrain. Und jetzt will ihr die BDP den Weg zur Erholung verbauen. Die politische Landkarte liefert dabei durchaus Klärendes: SVP und BDP sind in Köniz zwei inhaltlich tatsächlich verschieden positionierte Parteien. Die SVP deckt klar das rechtskonservative Spektrum der Könizer Parteienlandschaft ab. Die BDP hingegen tendiert deutlich zur Mitte, liegt zwischen SVP und FDP. Weit brisanter ist die Tatsache, dass der auf die Wiederwahl hoffende SVP-Gemeinderat Ueli Studer wesentlich liberaler als seine Partei ist. Mehr noch: Er findet sich auf der Landkarte im Herzen der BDP wieder. Für ihn ist dies eventuell von Vorteil, denn als quasi BDP-Mann bleibt Studer auch für das etwas liberalere, SVP-fernere Elektorat wählbar.

Luc Menthas grüne Nachbarschaft Etwas anders als die eigene Partei positioniert zu sein, ist freilich keine studersche Exklusivität. Sozialdemokrat und Gemeindepräsident Luc Mentha beispielsweise findet sich rechts der SP wieder, sozusagen im rechten Flügel der Grünen. Gleichzeitig macht die Karte deutlich, dass in Köniz Linke und Grüne keine deckungsgleiche Politik verfolgen: Die SP liegt deutlich links der Grünen. Die Grünen selbst werden durch ihr Personal mit GFL- und Landesring-Vergangenheit etwas in Richtung Mitte gezogen, etwa durch die einstige LdU-Frau Ursula Wyss, die bei den letzten Wahlen als eigentliche Panaschierstimmenkönigin auffiel. Die Grünliberalen liegen wie erwartet deutlich rechts der Grünen. Bei den Gemeinderatswahlen ist die Offenheit nach rechts besonders deutlich erkennbar: Mit Felix Seiler und Barbara Thür positionieren sich zwei Ausreisser deutlich rechts von ihrer eigenen Partei. Einen liberalen Ausreisser kennt in der Person von Hermann Gysel die EVP.

Laggers Entwicklung Die CVP, so der Kommentar, der sich auch in den Leserbriefspalten des «Bund» niederschlug, sei unter dem Einfluss Valentin Laggers stark nach rechts gerutscht. Smartvote korrigiert diesen Befund. Der Mittelwert aller Kandidierenden der Könizer CVP liegt ganz leicht in der linken Hälfte des Koordinatensystems. Höchstens Lagger selber bewegte sich nach rechts: Er politisiert ähnlich liberal wie seine freisinnigen Listengenossen und weiter rechts als der CVP-Durchschnitt.

Konservative Jungpolitiker Urs Wilk, der wiederkandidierende Gemeinderat und freisinnige Herausforderer fürs Gemeindepräsidium, muss sich punkto politischer Positionierung überhaupt nicht rechtfertigen. Mit seinen Antworten liegt er perfekt im Mainstream seiner Partei. Ungewöhnlich ist für die Freisinnigen eher, dass die Kandidatinnen und Kandidaten der eigenen Jungpartei im Schnitt deutlich konservativer sind als jene der Mutterpartei. Der derzeit prominenteste Exponent des Könizer Jungfreisinns, Bernhard Bichsel, entwächst seiner Partei langsam, aber sicher nicht nur altersmässig, sondern auch inhaltlich: Auf der Landkarte markiert der Dreissigjährige den äusseren liberalen Rand des in Köniz ziemlich konservativen Jungfreisinns und befindet sich somit inhaltlich bereits gut aufgehoben im ausgewachsenen Freisinn. Das heisst auch, dass er zunehmend zur internen Konkurrenz für etablierte Freisinnige wird. Mehr zu den Könizer Gemeinderats- und Gemeindeparlamentswahlen vom 29. November unter www.smartvote.ch

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