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Die Angst in der unteren Altstadt

Die Bewohnerinnen und Bewohner der unteren Berner Altstadt sind verunsichert. Das Nachtleben in der unteren Altstadt habe teilweise die Grenze des Erträglichen überschritten, sagt Edi Franz, Präsident des Altstadtleists.

Eine Umfrage der Vereinigten Altstadtleiste (VAL) hat ergeben, dass sich deutlich mehr als die Hälfte der Anwohner in der Nacht erheblich oder unzumutbar in ihrem Sicherheitsgefühl gestört fühlen. Zwischen 22 und 2 Uhr sind es 55 Prozent, zwischen 2 und 7 Uhr morgens sogar 66 Prozent. Nicht einmal jeder Zehnte beurteilt die Sicherheitslage nach Mitternacht als unproblematisch. Mit einer Zustimmung von 50 bis 70 Prozent werden auch die verwandten Problemkreise Verschmutzung, Vandalismus und Lärm des Nachts als erheblich oder unzumutbar beurteilt. Die Umfragebögen wurden Ende letzten Jahres in alle Briefkästen der unteren Altstadt verteilt. An der Befragung teilgenommen haben 186 Personen.

Das Resultat habe ihn nicht überrascht, sagt Edi Franz, Präsident des Rathausgass-Brunngass-Leists. Das Hauptproblem: In den letzten Jahren hätten immer mehr Nachtclubs ihre Türen auch ohne generelle Überzeitbewilligung bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. «Wer nicht in der Altstadt wohnt, weiss häufig gar nicht, was hier nach Mitternacht alles los ist», sagt Franz. Ein grosser Teil der Anwohner habe die Nase voll vom Treiben nach Mitternacht. Gemäss der Umfrage haben sich mehr als die Hälfte der Altstadtbewohner Gedanken darüber gemacht, aus der Altstadt wegzuziehen.

Das Mass ist entscheidend

Es gehe nicht darum, das Nachtleben aus der Altstadt zu drängen, sagt Edi Franz, doch habe das Ausmass in einigen Gassen die Grenzen des Erträglichen überschritten. Zu den Hotspots zählt Franz die untere Gerechtigkeitsgasse, die mittlere Rathaus- und die Kramgasse sowie Teile der Münstergasse.

Mit der 2006 vom Volk angenommenen Bauordnung ist die Zahl der generellen Überzeitbewilligungen in der unteren Altstadt plafoniert worden. Derzeit haben 22 Betriebe in der untereren Altstadt und der Matte eine solche Bewilligung. Problematisch sei, dass einige Barbetreiber die Kontrollschwierigkeiten bei den temporären Überzeitbewilligungen ausnützten und häufiger als 24 Mal pro Jahr länger wirteten, erklärt Leistpräsident Franz. «Wir wünschen von der Gewerbepolizei mehr Kontrollen.» Grundsätzlich sei den Behörden die Problematik bekannt. Erst vor knapp zwei Wochen hat das Regierungsstatthalteramt einem Club die generelle Überzeitbewilligung entzogen und verboten, bereits um 5 Uhr morgens zu öffnen.

«Der Befund der Umfrage deckt sich mit unserer Einschätzung», sagt der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (cvp). Das Coupon-System für temporäre Überzeitbewilligungen sei «eher missbrauchsanfällig». Der Trick: Einige Barbetreiber schreiben eiligst erst dann das Datum auf das vorbereitete Bewilligungsformular, wenn eine Kontrolle stattfindet. Ohne Kontrolle sparen sie sich die Bewilligung. Das System sei in der kantonalen Gesetzgebung verankert und liege nicht in der Kompetenz der Stadt, sagt Nause. Die Gewerbepolizei könne mit dem derzeitigen Sparauftrag kurz- und mittelfristig sicherlich nicht aufgestockt werden. Mit der beschlossenen Verstärkung der Fusspatrouillen der Kantonspolizei werde das Problem aber auch angegangen. In der Umfrage sprachen sich rund vier von fünf Altstadtbewohnern für mehr Polizeipräsenz in der Nacht und für Videoüberwachung an neuralgischen Stellen aus.

Auch Clubbetreiber klagen

Eine andere Meinung vertritt der GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer. «Die Clubs brauchen mehr Rechts- und Planungssicherheit», sagt er. Deshalb brauche es ein städtisches Ausgehkonzept. «Die Stadtregierung müsste Ausgehzonen besser festlegen können», sagt Widmer. Einige Lokale hätten vermehrt Probleme mit der Polizei wegen Lärmklagen von Anwohnern, was zermürbend sei. Das Regierungsstatthalteramt verdränge Clubs aus der unteren Altstadt. Es brauche von beiden Seiten ein Entgegenkommen, so Widmer. «Einerseits dürfen die Stadtbewohner nicht die gleiche Ruhe erwarten, die sie auf dem Land hätten. Andererseits müssten Clubbetreiber mithelfen, den Lärm auf den Gassen einzuschränken, beispielsweise mit einem gemeinsam organisierten Sicherheitsdienst.»

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