«Die ältere Generation mag Bäume, die nach Harz duften»

Hanspeter Kohli verkauft seit fast fünfzig Jahren Christbäume in der Bundesgasse. Er hat schon viele Trends kommen und gehen sehen.

Je nach Weihnachtsschmuck empfiehlt der Tannenbaumverkäufer Hanspeter Kohli eine andere Tanne.

Je nach Weihnachtsschmuck empfiehlt der Tannenbaumverkäufer Hanspeter Kohli eine andere Tanne.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

An vielen Orten in der Stadt Bern wartete in den vergangenen Tagen ein Wald von Tannenbäumchen auf Käuferinnen und Käufer und darauf, in weisse Netze verpackt und im Tram oder im Auto nach Hause gebracht zu werden. Hanspeter Kohli ist sozusagen der Förster einer dieser Wälder. An der Ecke Bundesgasse/Schwanengasse hat der Baumverkäufer etwa hundert Bäume aufgestellt.

Der Gärtner aus Thörishaus führt das Christbaumgeschäft in dritter Generation. Schon als Bub half er seinem Vater; heute steht er selbst in der Adventszeit fast neun Stunden täglich an seinem Stand. «Viele meiner Kunden sind Stammkunden, die jedes Jahr kommen.» Kohli trifft die meisten nur einmal im Jahr und kennt doch ihre Lebensgeschichte: «Da kommen erst Kinder mit ihren Vätern – und zwanzig Jahre später ist der Bub gross geworden und kauft für die Eltern einen Baum.»

Auch die Kaufgewohnheiten blieben über die Jahre hinweg oft gleich, sagt Kohli. Nach all den Jahren weiss er, wie sich die Kunden bei der Auswahl verhalten: «Für viele ist es Liebe auf den ersten Blick.» Andere brauchten einige Zeit, weil sie immer etwas feststellten, was ihnen am Baum nicht passe.

Kerzen oder Elektronik?

Die grössten Tannen sind zwischen zwei und drei Meter hoch und reihen sich an der Wand der Hausmauer. Die kleinsten Exemplare sind nur etwa 60 Zentimeter hoch. «Meistens sind es Familien, die einen grösseren Baum wollen», sagt Kohli. Die kleineren hingegen seien bei Jüngeren beliebt, da diese oft in kleineren Wohnungen lebten.

An diesem Vormittag ist noch wenig los. Ein Kunde mittleren Alters schaut sich die Nordmanntannen an. Er scheint noch unschlüssig zu sein, als Kohli ihn anspricht. Eins ist für den Kunden aber klar: «Sie muss gleichmässig sein und ästhetisch aussehen.» Nachdem er sich weiter umgeschaut hat, wählt er eine fast zwei Meter hohe Nordmanntanne aus. Kohli versteht diese Wahl gut: «Dieser Baum war unter den Nordmanntannen der schönste und lässt sich wegen seiner Regelmässigkeit leicht schmücken.»

Wichtig sei – und das ist immer Kohlis erste Frage bei der Beratung – ob die Käufer Kerzen oder elektrisches Licht anbringen wollen. Nordmanntannen behielten zwar ihre Nadeln länger als andere Tannen, trockneten aber mit der Zeit aus, weswegen man die Kerzen an Silvester nicht mehr anzünden sollte.

Der Trend gehe klar in eine Richtung, sagt Kohli: «Am besten verkaufen sich dieses Jahr Rot- und Nordmanntannen.» Die billigeren Rottannen seien wegen ihres harzigen Geruchs vor allem bei der älteren Generation beliebt. Die Jüngeren bevorzugten neutral riechende Normannentannen, zumal deren starke Äste mehr Baumschmuck tragen könnten. Zudem verlören Nordmanntannen weniger Nadeln als Rottannen. Im Angebot hat Kohli auch seine Spezialtanne Pinus mugo mughus. Sie misst nur etwa 40 Zentimeter in der Höhe und steht auf einem Holzbrettchen. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um eine richtige Tanne, sondern um Triebe einer Bergkiefer.

Anbau in der Region

Viele Christbaumverkäufer bestellen ihre Tannen im Ausland. Vor allem bei Nordmanntannen. Kohli jedoch pflanzt jeden Baum selber an oder holt ihn aus Tannenbaumkulturen in der Umgebung. Nicht ohne Stolz erzählt er von seinen Tannenkulturen im Scherligraben: Dort hat der Gemüsebauer Land, das hervorragend für den Tannenanbau geeignet ist. 500 Setzlinge pflanzt der Gärtner jedes Jahr: Nordmanntannen, Rot-, Weiss- und Blautannen. «Weiss- und Blautannen bleiben aber immer öfter auf der Strecke, sie sind quasi die Auslaufmodelle», sagt Kohli.

In einer Saison verkauft er um die 400 Bäume, je nach Tag zwischen 10 und 70. Jeden Morgen liefert er neue Bäume nach.

Was passiert mit den Tannenbäumen, die nach Weihnachten übrig bleiben? In der Regel dienen sie als Nahrung für Tiere im Tierpark. Kohli aber gibt seine Restbäume Bekannten, die Kängurus halten. «Die Tiere sind ganz verrückt danach.» Es seien aber noch nie viele übrig geblieben. Kohli steht auch heute auf seinem Posten – bis in den frühen Abend. Die eigene Feier spart sich Kohli für den Weihnachtstag auf. «Heute Abend werde ich zu müde sein.»

Der Bund

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