Die 26'000-Franken-Party der Stadt Bern

Die Kulturabteilung der Bundesstadt hat sich mit Züri West von seinem Vizeleiter verabschiedet. Politiker staunen. Selbst der Stadtpräsident findet, es sei etwas gut gemeint gewesen.

Die Stadt Bern engagierte Züri West zur Verabschiedung eines langjährigen Mitarbeiters.

Die Stadt Bern engagierte Züri West zur Verabschiedung eines langjährigen Mitarbeiters.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Ein Mitarbeiter der Stadt Bern wird pensioniert. Doch statt eines kleinen Apéros, das er zum Abschied offeriert, schmeisst sein Team eine Party, dass es kracht: 26'000 Franken hat sich die Kulturabteilung der Stadt Bern den Anlass kosten lassen, an dem Peter Schranz nach 29 Jahren im Dienst in die Pensionierung verabschiedet worden ist, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Dazu war mit Züri West nur die teuerste Band gut genug.


«Viel zu viel Geld»

Die Personalverordnung besagt, dass «pro Mitarbeitenden, der in den Ruhestand tritt, der oder die Vorgesetzte 150 Franken aufwenden» könne.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sagt, «26'000 Franken ist ein stolzer Betrag». Er habe Verständnis, wenn diese Summe kritisiert wird. Es habe sich jedoch nicht um eine «Verabschiedungsparty», sondern um einen «Vernetzungsanlass» gehandelt. Der Anlass sei ein Zeichen der Anerkennung für alle, die sich seit drei Jahrzehnten in engagierter Milizarbeit für die Kulturszene einsetzten. Er sagt: «Ich stehe hinter einer solchen, als Kulturfest und als Wertschätzungs- und Vernetzungsanlass konzipierten Veranstaltung.»

Dass an einem solchen Anlass der bisherige Kommissionssekretär gewürdigt werde, sei ebenfalls legitim. Allerdings: «Das Zeichen der Anerkennung für die Kommissionen wurde ungeschickt mit der Pensionierung des Kommissionssekretärs verquickt.» Künftig sollten jedoch die Kosten für Vernetzungsanlässe «deutlich darunter liegen», so von Graffenried.

Linke Stadtratsmitglieder kritisieren den Anlass. SP-Stadträtin und Literaturagentin Katharina Altas findet diesen Betrag viel zu hoch, um einen Mitarbeiter zu verabschieden. «Es hat mich sehr überrascht», sagt sie. Hier sei eine Verabschiedung mit einem Vernetzungsanlass vermischt worden. Und auch für einen Vernetzungsanlass sei das «viel zu viel Geld».

«Schaller nicht länger tragbar»

Auch bei bürgerlichen Stadtpolitikern kommt die Feier gar nicht gut an. Für SVP-Präsident Rudolf Friedli ist der Anlass, «der Beweis, dass in der Stadt Steuergelder verschwendet werden». Es sei zwar schön, dass jemand 29 Jahre für die Stadt tätig gewesen sei, das sei aber nicht 26'000 Franken wert. Er sagt, «es ist nicht Aufgabe der Stadt Bern, dass ihre Angestellten mit Künstlern Partys feiern». Die Abteilung Kulturelles solle die Zusammenarbeit «ganz normal in Form von seriösen Sitzungen pflegen». Für Friedli ist «Schaller nicht länger tragbar».

Sein Parteikollege Roland Jakob sieht es ähnlich: «Dass gerade Züri West kommen musste, ist schon ein dicker Hund», sagt Jakob. Er fragt sich, ob Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) das gebilligt habe. Falls nicht, solle die Organisatorin Veronica Schaller die Rechnung bezahlen, «sonst wird man später nur noch solche Feste feiern», sagt Jakob.

FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher sagt, er habe den Kopf geschüttelt, als er vom teuren Abschiedsfest erfahren habe. «Man sieht die Abgehobenheit der Teppichetage, ähnlich wie bei Grosskonzernen», sagt er. Es könne nicht sein, dass es für einfache Mitarbeiter sehr rigide Regeln gibt und diese dann bei Chefs nicht gelten.

Was sagt die Grüne Freie Liste (GFL) zum Anlass innerhalb der Direktion ihres Stadtpräsidenten? Lukas Gutzwiller, GFL-Fraktionschef, sagt: «Es ist ein ziemlicher Batzen.» Allerdings mache der ausgegebene Betrag «nur ein Tausendstel des ganzen Jahresbudgets für Kultur» aus. Wenn der Anlass als Vernetzung was gebracht habe, habe sich die Investition gelohnt, sagt Gutzwiller. Die Kommission für Soziales, Bildung und Kultur müsse nun der Frage nachgehen, wer vom Anlass profitiert habe.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt