Nach Basel plant auch Bern Gratis-Deutschkurse für Migranten

Sprachförderung ist in den nächsten vier Jahren ein Schwerpunkt der städtischen Integrationspolitik.

Die Stadt Bern will Migrantinnen und Migranten besser ins öffentliche Leben integrieren.

Die Stadt Bern will Migrantinnen und Migranten besser ins öffentliche Leben integrieren. Bild: Adrian Moser/Keystone

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Knapp ein Viertel der Berner Bevölkerung hat einen ausländischen Pass, die Hälfte der Ehen ist binational, und jedes zweite Kind lebt in einer Familie mit Migrationshintergrund. «Migration ist also der Normalfall», sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB). Im Erlacherhof legte sie dar, wie die städtische Integrationspolitik in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden soll. Darin spielt die Sprachförderung eine Hauptrolle. Denn Deutsch sei «der Schlüssel zur Integration», so Teuscher.

Wie der Kanton Basel-Stadt will Bern künftig allen Migrantinnen und Migranten Zugang zu Sprachkursen bieten. Und zwar auch jenen, die nicht als Flüchtlinge in die Schweiz kommen und schon im Empfangszentrum zum Deutschkurs geschickt werden.

In Basel ein Flop

Seit Sommer 2015 schenkt die Stadt Basel ausländischen Neuzuzügern einen Gutschein im Wert von rund 1200 Franken, mit dem sie im ersten Jahr nach ihrer Ankunft einen Deutschkurs ihrer Wahl besuchen können. Nach zweieinhalb Jahren ist die Bilanz des Basler Modells allerdings durchzogen. Basel hat bis im letzten Sommer 5332 Gutscheine abgegeben. Nur etwa ein Viertel der Beschenkten besuchte die Gratis-Kurse. Und diese hatten bereits einen guten Bildungsrucksack.

Weshalb plant Bern trotzdem ein ähnliches Angebot? Viele Einwanderer seien zwar gut gebildet, sagt Susanne Rebsamen vom städtischen Kompetenzzentrum Integration. Trotzdem fehlten ihnen die finanziellen Mittel, um die Sprache möglichst rasch zu lernen. Etwa beim Familiennachzug müssten die Familien anfangs von nur einem Einkommen leben. «Für Deutschkurse kann man aber ein Vermögen ausgeben.» Zudem sei in Bern noch offen, wer von der finanziellen Unterstützung für Deutschkurse profitieren werde, sagt Rebsamen. Denn nicht nur Neuankömmlinge haben Mühe mit der Sprache. Oft leben Einwanderer jahrelang in der Schweiz, ohne eine Landessprache zu können. Das Kompetenzzentrum wird in den nächsten beiden Jahren das Konzept zu diesen Plänen erarbeiten.

Noch weiss die Stadt nicht, welche finanziellen Folgen die Gratis-Deutschkurse haben werden. Auch das soll das Kompetenzzentrum in den nächsten Jahren ermitteln. Die Kostenfolgen dürften erheblich sein. «Wir sind aber überzeugt, dass sich die Investition in die Menschen auch für die Wirtschaft lohnt», sagt Rebsamen. Beim Kompetenzzentrum hofft man, dass die Migranten selbst weiterlernen, wenn sie die erste Hürde einmal geschafft haben.

Aufgabenbetreuung in der Schule

Selbstverständlich darf sich die Sprachförderung von Einwanderern nicht auf Erwachsene beschränken. Im Sinne der Chancengerechtigkeit ist die Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig. Darum will das Schulamt eine Aufgabenbetreuung für fremdsprachige Kinder aufbauen, wie die Amtsleiterin Irene Hänsenberger sagt. Angedacht seien betreute Räume, wo die Schülerinnen und Schüler ihre Hausaufgaben erledigen könnten und wenn nötig Hilfe erhielten. «Es ist das Ziel, dass Kinder keine Aufgaben mehr zu Hause erledigen müssen», so Hänsenberger. Davon könnten auch deutschsprachige Kinder und ihre Eltern profitieren.

Hänsenberger rechnet mit Kosten von maximal 250'000 Franken pro Jahr, um die Löhne der Aufgabenbetreuerinnen und -betreuer zu bezahlen. Für die Sprachförderung der Kleinsten besteht in der Stadt Bern bereits ein gutes Angebot. Der Gesundheitsdienst bietet Spielgruppen an sowie die familienaufsuchende Frühförderung Primano. Auch Mutter-Kind-Deutschkurse sind etabliert. Hier sucht der Gesundheitsdienst nach Möglichkeiten, wie mehr Kinder erreicht werden können. (Der Bund)

Erstellt: 29.01.2018, 10:59 Uhr

Stadt Bern prüft City Card

Die Einführung der Urban Citizenship, also einer Identitätskarte für Berner Stadtbewohner, soll in den nächsten vier Jahren vorangetrieben werden. Sie gehört zum Umsetzungsplan der städtischen Integrationspolitik, wie Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) am Montag an einer Veranstaltung zum Thema Integrationspolitik sagte.

Die Urban Citizenship wurde 2015 in New York eingeführt. Diese Karte können dort auch Sans Papiers beantragen, wenn sie ihre Identität mit verschiedenen Dokumenten belegen können. Mit dem Ausweis können sich die Inhaber gegenüber einer Bank oder einem Spital ausweisen, ohne dabei ihren Aufenthaltsstatus deklarieren zu müssen.

Auch in der Stadt Zürich wird die Einführung einer Art City-Card geprüft. Letzten Herbst wurde dazu eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Departementen eingesetzt. Diese hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Dieses sollte laut Mediensprecher Nat Bächtold im Frühling vorliegen. Aufgrund des juristischen Gutachtens werde sich zeigen, ob die City-Card die richtige Lösung sei, sagt er. Denn das Ziel sei, den Sans Papiers pragmatisch zu ihren Grundrechten zu verhelfen. «Die Sans Papiers sind in Zürich eine Realität.»

In Bern solle die City-Card nicht in erster Linie ein Ausweis für Papierlose werden, sagt Susanne Rebsamen vom städtischen Kompetenzzentrum Integration. Im Zentrum stehe die soziale und kulturelle Teilhabe aller Migranten.

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