Der Zugverkehr läuft wieder

Nach einer Stellwerkstörung am Donnerstagmittag verkehren nun wieder Fernverkehrszüge. Verspätungen und Zugausfälle sind weiterhin möglich.

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Seit Donnerstagmittag ging zeitweise nichts mehr am Bahnhof Bern. Eine Stellwerkstörung legte den Bahnverkehr kurz vor Mittag in und rund um Bern komplett lahm. Dies teilte die SBB auf Twitter mit. Die technische Störung verunmöglichte es, die Weichen im Bahnhof und den umliegenden Gebieten zu stellen.

SBB-Sprecher Jürg Grob bestätigte die Störung auf Anfrage. Es verkehrten Bahnersatzbusse bis Olten. Ab 14 Uhr sollte der Fernverkehr wieder aufgenommen werden, jedoch ist weiterhin mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen.

Pendler gestrandet

Hunderte Pendler kamen nicht weiter und sassen in Bern fest. Ein britischer Tourist hatte einen Zug nach Basel nehmen wollen. Um 16 Uhr hätte er seinen Flug erwischen müssen. «Keine Ahnung, ob das jetzt klappen wird.» Trotzdem wollte er über das schweizerische Bahnsystem kein übles Wort reden. «In England gibt es sowas jeden Tag», sagte er. «Wenigstens zeigt man hier an, welche Züge unbestimmte Verspätung haben und welche ganz ausfallen.»

Während rund zwei Stunden ging am Donnerstagmittag am Bahnhof Bern nichts mehr.

Ein Herr im Anzug wurde in Winterthur erwartet. Er hätte an einer Konferenz eine Ansprache halten müssen. «Es ist gut möglich, dass ich meinen Auftritt nun absagen muss.» Ärgerlich sei nicht nur der Ausfall seines Zuges. Die Informationen der SBB seien verwirrend gewesen. «Sie künden an, der Betrieb werde bald wieder aufgenommen, doch dann wird trotzdem noch von Verspätungen und Ausfällen gesprochen.» Zudem tappten viele Touristen komplett im Dunkeln: «Die Durchsagen sind nur auf deutsch.»

Unter den Gestrandeten war auch Reiseführer und Buchautor Diccon Bewes. «Das ist genau wie in Grossbritannien», sagt er. Der in Bern wohnhafte Engländer hatte eine Verabredung mit seinem Verleger verpasst. «Ich wäre zu spät gekommen, er steckt aber sogar noch im Zug fest.» Für die weltweit als pünktlich bekannten Schweizer Bahnen sei es «ein trauriger Tag», meint der Schriftsteller. Gerade die Seltenheit von Störungen werde der SBB zum Verhängnis: «Es läuft nicht oft etwas schief, aber wenn etwas schief läuft, dann gerade richtig.» Verantwortliche bei den Bundesbahnen könnten nicht gegen den Strich denken. «Offenbar wissen sie nicht recht, wie man mit so einer Panne umgeht.»

Ungültige Billete

Verschiedene gestrandete Pendler hatten Sparbillete gekauft, die jeweils nur für eine bestimmte Verbindung gültig sind. So auch eine Frau, die schliesslich den Ersatzzug nach Thun nahm. «Ich setze mich jetzt einfach in den Ersatzzug», sagte sie. «Eine Busse zahle ich nicht, ich kann ja nichts dafür.»

Die SBB teilte auf Anfrage mit, man sei in solchen Fällen selbstverständlich kulant. Pendlerinnen und Pendler mit Sparbilletten könnten die nächste Verbindung nehmen, die in ihre Richtung verkehrt.

Auf der Strecke zwischen Thun und Bern komme es immer wieder zu Problemen, meinte die Frau, die nun in Richtung Thun unterwegs ist. Die SBB sei nicht mehr so verlässlich, wie sie einst war, sagte sie. Dies habe in ihrer Einschätzung damit zu tun, dass man immer mehr Verbindungen pro Stunde anstrebe.

nfe/mck

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