Der Unort muss endlich belebt werden

Es gibt einige Gründe, weshalb die Schützenmatte als Eventgelände und nicht für Parkplätze genutzt werden soll.

Die Schützenmatte war auch schon 2015 (Bild) im Sommer zwei Monate autofrei und wurde vielseitig genutzt.

Die Schützenmatte war auch schon 2015 (Bild) im Sommer zwei Monate autofrei und wurde vielseitig genutzt.

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Der Raum Schützenmatte ist ein Unort in der Stadt Bern. Er ist geprägt durch ein grosses Verkehrsaufkommen, durch wiederkehrende Gewaltausbrüche an den Wochenenden und durch den Drogenhandel. Die Grundfrage, die sich stellt, ist simpel: Soll dieser urbane Brennpunkt längerfristig aufgewertet und belebt werden, oder soll alles so bleiben, wie es ist?

Die Wirtschaftsverbände finden den Status quo offenbar nicht so schlimm. Mit ihrer Beschwerde gegen die Aufhebung der Parkplätze torpedieren sie die Pläne für eine Belebung des Perimeters. Für die Entwicklung der Stadt ist das kontraproduktiver als die Aufhebung von 140 Parkplätzen, die mit der Erweiterung des Park+Ride Neufeld ohnehin wieder ersetzt werden. Während der sommerlichen Nutzung der Schützenmatte durch Beizen, Freiluft-Kinos, Konzerte und Festivals ist es weder zu Gewaltvorfällen noch zu Angriffen auf die Polizei gekommen.

Sogar der Drogenhandel vor der Reitschule ist zurückgegangen, da das «Drive-in» automobiler Konsumenten kaum mehr möglich war. Vor diesem Hintergrund ist es schwer verständlich, dass die Verbände das öffentliche Interesse an einer Belebung des Platzes negieren. Auch ist es unredlich, in der Aufhebung der Parkfelder einen Verstoss gegen den vom Volk angenommenen Verkehrskompromiss zu beklagen, da die Schützenmatte gar nicht im Innenstadt-Perimeter der damaligen Abstimmung liegt.

In Bezug auf die Car-Parkplätze für Tagestouristen wiederum ist das letzte Wort offenbar noch gar nicht gesprochen. Laut Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) wird im Moment geprüft, wie viele Car-Parkplätze es in der Innenstadt braucht. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass es auf der Schützenmatte weiterhin Car-Parkplätze geben wird.

Die Forderung nach einer Belebung der Schützenmatte ist mittlerweile zehn Jahre alt. Der Gemeinderat hat den Prozess über Jahre hinweg verzögert, indem er abwechselnd die unklaren Pläne der SBB, die jeweils hängigen Reitschulinitiativen oder eben die Parkplätze auf der Schützenmatte als Argumente fürs Nichtstun ins Feld führte. Vor drei Jahren kam der partizipative Prozess endlich ins Rollen. Zwischen Januar 2014 und Mai 2015 fanden vier Sitzungen und ein öffentliches Forum statt, an denen sich auch bürgerliche Parteien und Autoverbände beteiligt hatten.

Die bürgerlichen Vertreter sind zum Teil frühzeitig aus dem Verfahren ausgestiegen, weil sie mit ihren Anliegen in der Minderheit geblieben sind. Auch bei der Erhöhung des Planungskredites im Stadtrat hatten sie das Nachsehen. Nun wird ein juristisches Verfahren ins Rollen gebracht, das den Planungsprozess allenfalls noch verzögert. Der ersehnten Beruhigung des sozialen Brennpunkts Schützenmatte ist damit jedenfalls nicht gedient.

Der Bund

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