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Der Tod ist ihr näher als der Weg zurück

Seit vergangenem Herbst steht Claudia Meier, Direktorin des Hotels Schwefelbergbad, zu ihrer Transsexualität.

Claudia Meier war schon immer eine Frau. Aber erst seit vergangenem November sieht sie auch wie eine aus. Schlank und gross gewachsen ist sie, und die hochhackigen Schuhe lassen sie noch grösser aussehen. Die Direktorin des Hotels Schwefelbergbad fühlt sich sichtlich wohl in ihrer Haut. Zu den Stiefeln trägt sie Jupe und Strümpfe. Das Rot ihrer kurzen Lederjacke korrespondiert mit jenem des Lippenstifts. Das Einzige, was nicht zu Meiers betont weiblicher Erscheinung passen will, ist die tiefe Stimme. Sie ist eines der letzten Überbleibsel von Andreas Meier.

«Ich war nie er», stellt sie klar. «Er ist das, was für mich Rüstung und Gefängnis war.» Bereits als Kind hat Meier gerne Mädchenkleider getragen. Sie habe gespürt, dass «etwas nicht stimmt». Darüber gesprochen hat sie mit niemandem. Stattdessen hat sie – als Andreas – eine Frau geheiratet und mit ihr ein Kind gezeugt. «Ich wollte wissen, wie es ist als Familie», sagt sie. Natürlich litt sie weiter. Eigentlich habe sie sich ihrer Frau anvertrauen wollen, sagt Meier. Aber es kam nicht so weit. «Ich habe sie gefragt, ob sie für sich behalten kann, was ich ihr sagen möchte», erzählt sie. «Das könne sie nicht versprechen, hat sie geantwortet.» So ging die Ehe zu Bruch, ohne dass Meiers Ehefrau erfahren hatte, was mit ihrem Mann nicht stimmt. Sie tat dies dann Jahre später, im vergangenen Herbst, als Meier sich ihrer neuen Partnerin, ihrem Umfeld und der Öffentlichkeit offenbarte. Nun versuche ihre Ex-Frau ihr das Besuchsrecht für die Tochter zu entziehen, sagt Meier. «Wegen meiner Transsexualität. Das ist diskriminierend.»

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