Der Stadtrat wird jünger und linker

Die RGM-Parteien SP und JA konnten leicht zulegen. Ebenso auf der rechten Seite die FDP und in der Mitte die GLP. Die grosse Verliererin ist die Mittepartei BDP.

Linker und jünger: Juso-Politikerin Tamara Funiciello steht für die Entwicklung im Stadtrat.

Linker und jünger: Juso-Politikerin Tamara Funiciello steht für die Entwicklung im Stadtrat.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Simon Thönen@SimonThoenen

Das Rot-Grün-Mitte-Bündnis (RGM), das in der Stadtregierung vier von fünf Sitzen erobert hat, legt auch im Stadtparlament leicht zu. Im 80-köpfigen Stadtrat verfügt RGM nun mit 43 Sitzen über eine deutlichere Mehrheit. Bei den Wahlen vor vier Jahren hatte das RGM-Bündnis im Stadtrat mit 41 Sitzen bloss eine hauchdünne Mehrheit der Parlamentsmandate errungen.

Innerhalb des RGM-Bündnisses haben die Sozialdemokraten als dominierende Partei dank eines Sitzgewinns der Jungsozialisten (neu 2 Sitze, darunter die Präsidentin der Juso Schweiz Tamara Funiciello) noch einmal leicht zugelegt. Die SP-Fraktion zählt 24 Sitze und ist mit Abstand die stärkste Gruppierung.

Trotz der Atomausstiegsinitiative der Grünen, die in der Stadt Bern 63 Prozent Ja-Stimmen erzielte, haben die Grünen in den Stadtratswahlen nur sehr leicht zugelegt. Grünes Bündnis (GB) und Grüne Freie Liste (GFL) – beides lokale Sektionen der Grünen – behalten ihre 9 (GB) beziehungsweise 8 Sitze (GFL). Einen Gewinn auf zwei Sitze kann dagegen die mit dem linksgrünen GB in einer Fraktion verbundene Junge Alternative (JA) verbuchen.

Neue Rolle für die GFL

Die GFL vertritt die Mitte im RGM-Bündnis. Sie konnte bei den Stadtratswahlen im Sog ihres erfolgreichen Gemeinderatskandidaten Alec von Graffenried zwar bei den Stimmenprozenten zulegen (auf 10,4 Prozent, plus 1 Prozentpunkt). Für einen Sitzgewinn reichte dies allerdings nicht. Dennoch wird sich die Rolle der GFL nun ändern. Bisher musste sie ihre politische Arbeit zwangsläufig auf den Stadtrat beschränken, da sie seit 2000 nicht mehr im Gemeinderat vertreten war. Sie machte aus der Not eine Tugend und scherte zumindest in nicht allzu zentralen Fragen oft aus dem RGM-Bündnis aus und spielte das Zünglein an der Waage zwischen Rot-Grün und den Bürgerlichen. Mit der Wahl von Graffenrieds in den Gemeinderat steigt nun die Bedeutung – und das Selbstbewusstsein – der GFL. Andererseits ist sie jetzt wieder Regierungspartei und damit stärker eingebunden. Noch verstärkt wird dies gelten, falls von Graffenried im zweiten Wahlgang als Stadtpräsident gewählt werden sollte. Die politische Mitte, die gelegentlich gemeinsam mit der GFL und den Bürgerlichen eine Mehrheit gegen Rot-Grün zimmern konnte, geht geschwächt aus den Wahlen hervor.

BDP schrumpft auf drei Sitze

Der Verlust konzentriert sich auf eine Partei: die BDP. Sie verlor gleich vier Sitze und schrumpft auf eine Dreier-Vertretung. Um einen auf 8 Sitze zulegen konnten dagegen die Grünliberalen – dank eines Gewinns ihrer Jungpartei. Die religiösen Mitteparteien – die EVP und die CVP des letzten bürgerlichen Gemeinderats Reto Nause – konnten ihre je 2 Sitze halten.

Die Freisinnigen, einst die zweitstärkste Partei in Bern, hatte 2012 mit einem Wähleranteil von bloss noch 10 Prozent zu den grossen Verlierern gehört. Nun zählt sie zumindest im Stadtrat zu den Siegern. Ihr Wähleranteil stieg auf 11,2 Prozent und ihre Sitzzahl um einen auf 9. Angesichts des Verlusts des Gemeinderatssitzes von Alexandre Schmidt dürfte dies allerdings ein kleiner Trost sein. Die SVP verliert einen Sitz und ist noch mit 9 Stadträten vertreten. Bezüglich Wähleranteil ist sie nun wieder leicht schwächer als die FDP. SVP-Fraktionschef Roland Jakob wurde abgewählt. Neben der rechtsbürgerlichen wird es auch eine linke Opposition gegen die linke RGM-Regierung geben. Die Alternative Linke gewinnt einen Sitz (neu 2). GPB-DA und die Kommunisten der PDA behalten je einen Sitz.

Das sind die 80 Gesichter im Stadtparlament

SP und Juso

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SVP

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Grünes Bündnis

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FDP

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GFL, GLP und JGLP

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BDP, EVP und CVP

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JA, AL, GPB-DA, PdA

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Der Bund

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