«Frauen netzwerken intensiver»

Die Unternehmerin Petra Rohner will, dass sich Frauen besser vernetzen. Dazu hat sie eine Stiftung gegründet.

Social-Media-Expertin und Netzwerkerin Petra Rohner.

Social-Media-Expertin und Netzwerkerin Petra Rohner.

(Bild: zvg)

Die Agenda liegt aufgeschlagen auf Petra Rohners Tisch im Tibits in Luzern. Daneben einige eilig hingeschriebenen Notizen auf einem separaten Blatt Papier. Das Silbertablett mit den Resten des Frühstücks hat sie an den Rand des Tisches geschoben. Ein Business-Rollkoffer steht neben ihr – gerade gross genug, um ihre Unterlagen darin verstauen zu können. Sie grüsst freundlich und verwickelt einen schnell in ein kurzes unverfängliches Gespräch.

Rohner ist Dozentin für Social-Media-Businessnetzwerke und Gründerin der Stiftung Swiss Women Network (Swonet), einem Netzwerk für Frauen. Mit mehr als 7'300 Mitgliedern ist es das grösste Frauen-Businessnetzwerk der Schweiz. Morgen wird sie an der BEA/Pferd einen Vortrag zum Thema «Frauen und Netzwerk» halten.

Rohner ist Mutter zweier Söhne; sie war immer erwerbstätig. Als Erwachsenenbildnerin unterstützte sie stellensuchende Fachpersonen und Akademiker beim Berufseinstieg und bildete sich zur Social-Media-Expertin weiter. Daneben war sie in verschiedenen Frauenorganisationen mit wirtschaftlichem Hintergrund aktiv.

Zur Gründung von Swonet kam es, weil ihr zunehmend bewusst wurde, dass das Thema Netzwerk in der Frauenwelt noch kaum etabliert war. «Als ich mich in Frauengruppen engagierte, fragten mich Bekannte oft: Weshalb tust du das? Wieso investierst du so viel Zeit in diese Netzwerke?», sagt Rohner.

Da sei ihr aufgefallen, dass viele Frauen keine klare Vorstellung vom Sinn eines Netzwerkes haben: «Ein gutes Netzwerk kann Menschen beruflich weiterbringen und als Türöffner dienen.» Diese Funktion könne der private Freundeskreis im Normalfall nicht erfüllen. Um Frauen den Einstieg in diese Welt zu erleichtern, habe sie Swonet gegründet. «Frauen netzwerken intensiver», wenn sie es einmal für sich entdeckt hätten, sagt Rohner.

Die Social-Media-Expertin trinkt ihren Espresso schwarz, spricht ruhig und mit Bedacht. Es gibt laut Rohner mehrere Gründe, ein Netzwerk aktiv zu pflegen. Einer davon ist der Erfahrungsaustausch, wenn es um den Berufseinstieg, eine berufliche Weiterentwicklung oder um eine Neuorientierung geht.

«Man kommt in Kontakt mit Leuten, die schon einmal am selben Punkt in der Karriere standen oder nützliche berufliche Erfahrungen haben.» Gespräche mit ihnen würden dabei helfen, die eigene Situation klarer zu sehen. Etwa wenn eine Stellensuchende mit einer Personalfachfrau sprechen könne.

Laut Rohner sind aber andere Dinge ebenso wichtig. Oftmals wirke es befreiend, wenn man sich mit anderen Menschen über ihren Werdegang unterhalten könne: «Früher blieb man auf dem geraden Karriereweg, weil man gar nicht wusste, welche Möglichkeiten es daneben noch gibt.» Ein Netzwerk könne dabei helfen, mutiger einen eigenen Weg einzuschlagen und die eigene Laufbahn zu überdenken.

Ein reines Frauennetzwerk bietet darüber hinaus dort Hilfe, wo mehrheitlich Frauen auf Unterstützung angewiesen sind – zum Beispiel bei den Themen «Kind und Karriere» oder «Lohnungleichheit»: «Viele Studien zeigen, dass Frauen bei Lohngesprächen oft zu tief einsteigen.» Diese Lohnunterschiede, die sich bei den ersten wichtigen Bewerbungsgesprächen ergäben, seien kaum wieder aufzuholen. «Um zu wissen, wie viel man auf dem Arbeitsmarkt wert ist, braucht man Erfahrungswerte.» Diese könne ein Netzwerk wie Swonet bieten, da Frauen aus verschiedenen Altersgruppen und Kaderstufen aufeinandertreffen.

Oftmals legten Frauen auch eine falsche Zurückhaltung an den Tag, wenn es um ihre Leistungen ginge, sagt Rohner. Im heutigen Geschäftsumfeld müsse man aber Präsenz markieren. «Viele Frauen leisten hervorragende Arbeit, rechnen dann aber damit, dass der Arbeitgeber diese Leistung von sich aus honoriert.» Dies aber sei dann häufig nicht der Fall, weshalb ihre Leistungen unterzugehen drohten.

Sind Frauen also selber Schuld an der Ungleichheit in der Berufswelt? Rohner verneint: Die Gesellschaft lege bei der Schulbildung grossen Wert auf Gleichberechtigung. Danach würden oft alte Rollenmuster greifen: «Beruflich und familiär sind wir noch in vielen Klischees verhaftet, was notwendige Veränderungen blockiert.»

Der Bund

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