Der Kutter tuckert munter weiter

Grosse Namen und lokales Schaffen – das verspricht die Dampfzentrale für die nächste Saison. Die Bilanz für die vergangene sei positiv, sagt Leiter Georg Weinand.

Dampzentrale-Leiter Georg Weinand: «Die künstlerische Innovation geschieht in der freien Szene. »

Dampzentrale-Leiter Georg Weinand: «Die künstlerische Innovation geschieht in der freien Szene. »

(Bild: Adrian Moser)

Regula Fuchs

172 öffentliche Vorstellungen und Konzerte – das ist die wichtigste Zahl zur vergangenen Saison in der Dampfzentrale. Bedeutend mehr seien das, als der Leistungsvertrag vorschreibe, betonte Leiter Georg Weinand gestern an einer Pressekonferenz, bei der Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt wurde. Zu den öffent­lichen Vorstellungen kamen unzählige nicht öffentliche Anlässe, Vermietungen und Residenzen: also volles Haus, was die Auslastung der Räume ­anging. Konkrete Zahlen zum Besucher­aufmarsch waren am Donnerstag allerdings nicht zu bekommen, da diese jeweils auf Ende Jahr erfasst würden.

Wie Weinand weiter sagte, hat er in der ersten Saison, die er künstlerisch verantwortet hat, versucht, das Maximum aus der Lokalität und den personellen Ressourcen herauszuholen, Bewährtes – wie die Festivals Tanz in. Bern, Saint Ghetto oder Steps – zu konsolidieren und Neues zu installieren. Wie etwa das Konzept der Associated Artists, jener Künstler, mit denen die Dampfzentrale eine engere Verbindung eingeht und von denen sie nicht nur künstlerische Produktionen fordert, sondern etwa auch kuratierte Wochenenden. Die Verbindung sei für die Künstler wie für das Haus so erfreulich gewesen, bilanzierte Weinand, dass man die Kooperation mit Emma Murray, Julian Sartorius sowie den Gruppen DeRothfils und Pink Mama verlängert habe. In der kommenden Saison gibt es also neue Produktionen dieser vier bisherigen Associated Artists, zudem ein von allen kuratiertes Festival zum Saisonende (und nicht mehr einzelne in die Saison eingestreute Wochenenden).

Was das Publikum angeht, so zeigte sich Weinand erfreut über dessen Hete­rogenität – bei einem Festival wie Steps fänden ganz andere Zuschauer den Weg an die Aare als sonst. Nicht gelungen sei es jedoch, ganz junge Leute anzusprechen, wie etwa Studierende der Hochschule der Künste (HKB), die trotz attraktiven Konditionen als regelmässige Besucher weitgehend ausgeblieben sind. «Dafür bin ich überrascht, wie gut etablierte Labels wie Tanz in. Bern oder Saint Ghetto funktionieren», so Wei­nand. Oder auch Steps, das Tanzfestival des Migros-Kulturprozents. Darum plant die Dampfzentrale im Frühjahr 2015, also im Jahr, in dem das biennal aus­getragene Festival nicht stattfindet, eine Art «Mini-Steps» mit ein bis zwei internationalen Gastspielen.

Weniger knausrig als erwartet

Bewährt hat sich gemäss Weinand auch das neue Tarifangebot, bei dem die Besucher selber entscheiden können, ob sie den Normal-, den Liebhaber- oder den kleinen Preis zahlen. Weniger Personen als erwartet entscheiden sich demnach für den kleinen Preis (47 Prozent).

Die kommende Saison ist übertitelt mit «Local Heroes – Global Icons» und bietet eine Mischung aus Co-Produktionen mit Berner Künstlern (den Associated Artists, ein neues Stück von Fanta 5 sowie eines von Lucia Baumgartner und Isabel Lerchmüller) und Produktionen internationaler Grössen. So wird zum Saisonauftakt die Kanadierin Louise Lecavalier erwartet, später Anne Teresa De Keersmaeker, Boris Charmatz oder Emanuel Gat mit neuen Stücken. Die musikalische Saison läuten die Südafrikaner Skip & Die am Eröffnungswochenende Ende August ein. Im Bereich Musik und Clubkultur setzt man weitgehend auf die bekannten Reihen sowie den letzte Saison erfreulich gestarteten Klinker-Club.

Bewusst habe man beim Tanz weniger Produktionen aus dem «Mittelsegment» programmiert, sagt Weinand und meint damit Einzelgastspiele von internationalen, aber weniger bekannten Künstlern: «Für die gibt es zu wenig Pub­likum.» Die Programmgestaltung mit «Local Heroes» und «Global Icons» spiegelt sich auch in einem neuen Ticket­angebot: Für beide Programmsegmente sind nun Abonnemente zu haben, ebenso eine 5er-Karte für Konzerte. Hochseetaugliches Schiff

Kurz äusserte sich Weinand noch zur aktuel­len kulturpolitischen Diskussion um den Zusammenschluss von Dampfzentrale und Schlachthaus: «Es gibt dabei viel zu gewinnen.» Aber dafür brauche man ein gutes Konzept – und Zeit. Aus­serdem: «Ein Flaggschiff, wie es so oft hiess, sind wir nicht. Zwar ist die freie Szene der Ort, wo die künstlerische Innovation geschieht, die später vielleicht den Weg in die Stadttheater findet», so Weinand. «Schlachthaus und Dampfzentrale zusammen haben aber keine fünf Prozent der Mittel, über die Konzert Theater Bern verfügt. Deshalb sind wir höchstens ein Kutter. Wenn auch ein hochseetauglicher.»

www.dampfzentrale.ch

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt