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Der Koch soll in der Schule bleiben

SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat möchte, dass die Tagesschulen in der Stadt Bern ihre Küchen behalten können. Köche und Tagesschulleiter unterstützen ihn dabei, nicht aber die eigene Partei.

Kochen, gefrieren und wieder auftauen? Das sei ein «völliger Gugus», sagt Stephan Schmutz. Soeben hat er für die rund 85 Lehrpersonen und Schüler der Tagesschule Brunnmatt Nudeln mit Gemüse, Poulet sowie Tofuscheiben zubereitet. Was Schmutz missfällt, ist die Idee des Berner Gemeinderates, an einigen ­Tagesschulen der Stadt Bern den ­Pilotversuch mit externem Mahlzeiten-Catering zu starten.

34 Tagesschulen bieten derzeit Mittagstische an, in der Hälfte davon werden die Mahlzeiten in eigenen Küchen zubereitet, bei den restlichen Schulen wird das Essen in benachbarten Tagesschulküchen gekocht und warm angeliefert. Das externe Catering soll Kosten sparen sowie eine bessere Qualität der Speisen bringen, da sie kalt angeliefert und nicht vor sich hingaren würden.

Als Vorbild dafür dienten die Städte Zürich oder Basel. Schmutz befürchtet, künftig könnten weniger häufig frische Gerichte zubereitet werden. Zudem sei es schade, wenn die Kinder nicht mehr in die Küche kommen könnten, «um zu schauen, was gerade in der Pfanne brutzelt».

Auch Tommaso Pieri, Leiter der Tagesschule Brunnmatt, ist «sehr enttäuscht» von der linken Regierung. Diese habe Pionierarbeit geleistet mit dem Aufbau der Tagesschulen in der Stadt Bern. Unter dem Spardruck baue sie die wichtigen Arbeitsplätze nun wieder ab. «Unsere Köche können spontan auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder reagieren, das wäre mit dem externen Catering-Service nicht mehr möglich», sagt Pieri.

Die Küche sei das Herzstück der ­Tagesschulen. «Zudem schnuppern jeweils einige Kinder der Sonderklassen und der Oberstufe in den schuleigenen Küchen. Dieser einfache Einstieg ins Berufsleben wäre ihnen verwehrt.» Unterstützung bekommen Pieri und andere ­Tagesschulleiter von SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat.

Emotionaler Bezug geht verloren

Beuchat kämpft ebenfalls dafür, dass die Tagesschul- und städtischen Kita-Küchen erhalten bleiben, und hat eine dringliche Motion eingereicht. «Es geht hier nicht um einen Versuch, sondern um einen Systemwechsel. Die Mahl­zeitenzubereitung hat immer einen pädagogischen Wert.» Beuchat befürchtet, ohne die Köche in der Schule gehe der emotionale Bezug zum Essen verloren.

Mit dieser Ansicht ist er aber fast allein. Nur Erich Hess, Roland Jakob und Manfred Blaser haben seine Motion unterzeichnet. Rudolf Friedli, Präsident der städtischen SVP, spricht gar von einem «CVP-lastigen Vorstoss», den er nicht ­unterstützen könne. «Wir blocken nicht alles ab, was von der linken Regierung kommt», stellt er klar. Vor allem nicht, wenn es ums Sparen gehe. Die Mahl­zeitenzubereitung müsse die Stadt nicht unbedingt selber machen. «Das können Private ebenso gut. Kochen können die Kinder auch mit ihren Eltern am Wochen­ende», sagt er.

Beuchat nimmt Friedlis Kritik gelassen. Er möchte nicht von einem «Partei­zwist» sprechen. «Andere gewichten das wirtschaftliche Argument halt höher als das pädagogische», sagt er. Was ihn aber enttäusche, sei die Reaktion der GFL, die zuerst Interesse für seine Motion signalisiert habe. Letztlich sei eine Zusammenarbeit aber nicht möglich gewesen. Das sei schade.

Die GFL ihrerseits hat nämlich einen eigenen Vorstoss zum Thema eingereicht. Fraktionspräsident Daniel Klauser kontert: «So wie sich die SVP in den letzten Wochen im Stadtrat aufgeführt hat, muss sie sich nicht wundern, wenn andere Parteien nicht mehr erpicht darauf sind, mit ihr zusammenzuarbeiten.»

Geht es nach der GFL, sollen bestehende Produktionsküchen in Tagesschulen beibehalten werden, wenn diese mit einem pädagogischen Konzept in den Schul­betrieb integriert sind. «Nur dort, wo Kochen ein pädagogischer Bestandteil des Unterrichts ist, soll die Küche in der Schule bleiben», sagt Manuel C. Widmer, aus dessen Feder das Postulat stammt. Zudem, fordert er, müssten die Kitas weiterhin selber bestimmen können, wie sie die Mahlzeitenproduktion organisieren wollten. Sie müssten seit der Einführung der Betreuungsgutscheine auf dem Markt konkurrenzfähig bleiben.

«Nicht von heute auf morgen»

Die Idee, die Küche mit einem pädagogischen Konzept in den Schulbetrieb zu ­integrieren, stösst bei der städtischen Schulamtsleiterin, Irene Hänsenberger, auf Skepsis. Zudem sagt sie, eine Umstellung des Mahlzeitendienstes biete sich vor allem bei jenen Schulhäusern an, ­deren Küchen veraltet oder zu klein für die Anzahl der Mahlzeiten seien und ­saniert werden müssten. Die Umstellung geschehe nicht bei allen Schulen von heute auf morgen, sondern sei ein jahrelanger Prozess. Derzeit können sich die Caterer für das Projekt bewerben. Ziel ist es gemäss Hänsenberger, den Versuch am 1. Januar zu starten.

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