Inselspital korrigiert Kosten wieder nach unten

Die Sanierung der Frauenklinik ist massiv günstiger, als die Spitalgruppe am Montag angegeben hat.

Die Frauenklinik auf dem Inselareal. Sieht gut aus, doch die Konstruktion ist instabil.

Die Frauenklinik auf dem Inselareal. Sieht gut aus, doch die Konstruktion ist instabil.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Basil Weingartner@bwg_bern

Es waren aufsehenerregende Neuigkeiten. Die wegen Konstruktionsmängeln dringend notwendige Sanierung der Frauenklinik koste nicht wie bis anhin gedacht 36 Millionen Franken, sondern 100 Millionen. Das teilte die Insel-Gruppe am Montag allen ihren gut 10 000 Angestellten schriftlich mit. Schuld daran sei die «Fehlplanung» des Kantons, der «das Gebäude geplant» habe. Als Folge der Kostenexplosion prüfe man, das Frauenklinik-Gebäude aufzugeben.

Doch bereits einen Tag später wartet die Insel-Gruppe mit einer Präzisierung auf, die das Ganze in einem anderen Licht erscheinen lässt: Von den 100 Millionen Franken entfielen «nach wie vor» lediglich 36 Millionen auf die Behebung der Baumängel, teilte der CEO Holger Baumann auf Anfrage mit. Die Differenz zu den rund 100 Millionen Franken betreffe andere Investitionen. Konkret geht es um:

25 Millionen für Instandsetzungsmassnahmen wie den Ersatz von Lüftungs- und Beleuchtungsanlagen in den Operationssälen.
•Für «Prozessoptimierungen» rechnet die Insel-Gruppe mit weiteren 17 Millionen Franken.
15 Millionen Franken sollen für Investitionen eingerechnet werden, die sich an den Bedürfnissen «aktueller Kundinnen orientieren». Darunter fallen etwa neue Wandoberflächen in den Zimmern.
8 Millionen sind Reserve.

Abrisskosten werden abgeklärt

Trotz der massiv tieferen effektiven Sanierungskosten will die Insel-Gruppe an den Plänen festhalten und weiterhin prüfen, das Gebäude aufzugeben. Die Frauenklinik könnte also bereits im kommenden Jahr freistehen. Bei einem Sanierungsbedarf von 100 Millionen hätte sich wohl kaum ein neuer Nutzer gefunden. Der Abriss des erst vor 15 Jahren eingeweihten Gebäudes wäre eine ernsthafte Option geworden. Wie es unter Berücksichtigung der neusten Informationen aussieht, ist unklar. Insel-CEO Baumann sagt, Bauexperten seien derzeit nicht nur dabei, nach möglichen Nachnutzungen zu suchen, sondern prüften auch die Abrisskosten. Auch der Gesundheitsökonom Heinz Locher hält es weiterhin «für richtig, den Abriss zu prüfen.» Lieber als es abzureissen, würde die Insel-Gruppe das Gebäude aber dem Kanton zurückgeben. Dieser hat ihr das Frauenspital im Baurecht abgegeben. Der Vertrag läuft bis ins Jahr 2103.

Kanton zeigt kein Interesse

Doch es scheint fraglich, ob der Kanton eine Verwendung für den maroden Bau hätte. Wohl auch nicht als Ausbildungsstätte für die Ärzte, obwohl es in diesem Bereich Platzbedarf gibt. Wie eine Anfrage bei der kantonalen Baudirektion zeigt, hat man kein Interesse am Gebäude oder dem Baufeld der Frauenklinik. Gespräche über eine Übernahme der Frauenklinik habe man keine geführt. Man bevorzuge eine Parzelle am anderen Ende des Areals, direkt an der Friedbühlstrasse. Dort soll dereinst die gesamte, heute auf viele Standorte verzettelte medizinische Fakultät zentralisiert werden. Auch eine naheliegende Lösung innerhalb der Spitalgruppe scheint für die Frauenklinik keine Option zu sein: CEO Baumann schliesst aus, dass das in der Tiefenau geplante neue Stadtspital im bestehenden Gebäude oder auf dem Areal der Frauenklinik entstehen könnte. Konkrete Nutzungsideen gebe es zurzeit keine, sagt er.

Das erstaunt. Schliesslich will die Spitalgruppe bereits im Herbst über das weitere Vorgehen entscheiden. Bereits im kommenden Jahr soll die Frauenklinik ausziehen – sei es nun vorübergehend oder für immer. Die Zeit drängt, der Bau ist marode. So marode, dass ein Ingenieurbüro schon vor vier Jahren nur dann bereit war, bei der Sanierung mitzuhelfen, wenn diese «auf dem schnellstmöglichen Weg angegangen wird».

Der Bund

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