Der IZRS tagt in Kehrsatz

Statt in Bern in Kehrsatz: Der Islamische Zentralrat der Schweiz hat einen Veranstaltungsort gefunden. Nun soll die Kundgebung in der Kultarena in Kehrsatz stattfinden.

IZRS-Präsident Nicolas Blancho will nun in Kehrsatz zur Versammlung rufen.

IZRS-Präsident Nicolas Blancho will nun in Kehrsatz zur Versammlung rufen.

(Bild: Keystone)

Hanna Jordi

«Der Event am Samstag in Bern findet nun definitiv in der Kultarena, Kehrsatz statt»: So heisst es am Freitagmorgen auf der Website des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS). Damit haben die Verantwortlichen des IZRS einen alternativen Ort für ihre als Friedensdemo geplante Veranstaltung vom Samstag gefunden. Der zweite Teil des Anlasses «für den Frieden und gegen die Ideologie des Islamischen Staats» findet am Sonntag, den 1. Mai in Zürich statt. Im Kongresszentrum World Trade Center im Leutschenbach, wie auf der Website ebenso ersichtlich ist.

Sportanlass zur selben Zeit

Eigentlich hätte der IZRS am Samstag auf dem Bundesplatz demonstrieren wollen. Das entsprechende Bewilligungsgesuch wurde von der Berner Stadtregierung jedoch nicht genehmigt. Der angegebene Grund: Der IZRS vertrete zu extreme Ansichten, und überdies könne die Sicherheit bei einer Kundgebung gegen den Islamischen Staat (IS) nicht gewährleistet werden. Die Suche nach einem Alternativen Veranstaltungsort sei angesichts der kurzen Vorlaufzeit «problemlos» verlaufen, sagt IZRS-Sprecherin Janina Rashidi. «Wir haben diverse Eventhallen angeschaut und diese unter den noch freien ausgewählt.»

Katharina Annen, Gemeindepräsidentin von Kehrsatz, ist «nicht begeistert» davon, dass der Anlass in Kehrsatz stattfindet. Dies aus logistischen Gründen: Zur gleichen Zeit findet am Samstag der Chäsitzerlouf statt. An diesem sportlichen Anlass nehmen regelmässig weit über 1000 Läuferinnen und Läufer teil. «Wir hoffen, dass der IZRS seine Besucher bittet, mit ÖV anzureisen. Sonst haben wir ein Parkplatz-Problem.»

Eine Handhabe, die Veranstaltung zu verbieten, hat sie nicht. «Es handelt sich um die legale Veranstaltung einer legalen Organisation. Da kann man nichts machen», so Annen. «Da laut Einschätzung der Polizei nicht mit grösseren Sicherheitsproblemen zu rechnen ist, haben wir keine Handhabe, diese Veranstaltung zu verhindern.»

Den Sicherheitsdienst des Anlasses wird der IZRS selbst besorgen. Über Details äussert sich die IZRS-Sprecherin nicht. Die Kultarena in Kehrsatz steht seit sechs Jahren Veranstaltern für Events zur Verfügung. Der Betreiber selbst war für DerBund.ch/Newsnet nicht erreichbar. Auf der Website heisst es aber: «Wir helfen jedem Veranstalter, Events in einem sicheren Umfeld erfolgreich zu realisieren.»

Im WTC in Zürich hat man bereits Erfahrung mit dem IZRS als Veranstalter. Im letzten Herbst habe der Verein eine Modeschau nur für Frauen durchgeführt, und sich an alle Auflagen gehalten, sagt Peter Schmid, verantwortlicher Eventmanager des WTC: «Der Anlass ist wie abgemacht über die Bühne gegangen.» Auch diesmal – Schmid rechnet mit 400 Teilnehmern – habe man dem IZRS Auflagen gemacht. Details will er keine verraten. Nur so viel: Für den Fall, dass es am 1. Mai zu Gegendemonstrationen in Oerlikon komme, sei man gerüstet.

Kritik der liberalen Muslime

Die salafistische Organisation, die zuletzt in der Händedruck-Debatte Partei für die beiden Jugendlichen ergriffen hatte, die ihrer Lehrerin den Händedruck verweigerten, steht bei liberalen Muslimen in der Kritik. Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam findet denn auch die Rednerliste bedenklich, die der IZRS für den Anlass vorgesehen hat. Dort befinden sich Konvertiten aus den USA und Grossbritannien wie Yusuf Estes oder die einstige Taliban-Geisel Yvonne Ridley. «Das sind alles salafistische Prediger, deren Ziel es ist, die Gesellschaft nach der Scharia zu gestalten», so Keller-Messahli.

Mit der Nähe zu Extremisten sorgt der IZRS immer wieder für Aufmerksamkeit. Auch bei den nationalen Behörden. Derzeit läuft ein Verfahren gegen IZRS-Mitglied Naim Cherni. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, mittels eines Youtube-Videos Terror-Propaganda für al-Quadia betrieben zu haben.

Mit wie vielen Teilnehmern der IZRS rechnet, sagt die Sprecherin nicht. «Wir lassen uns da auf keine Spekulationen ein.» Klar ist: Nach dem Anlass für die IZRS-Anhänger findet in der Kultarena ein ganz anderer Anlass statt: Mit einer Veranstaltung namens «Gothica The Batcave» ist die Halle ab 21 Uhr für Fans der Musikrichtung Darkwave reserviert.

DerBund.ch/Newsnet

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