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Der Intendant manövriert sich ins Abseits

Stephan Märki hat Schauspielchefin Stephanie Gräve seinerzeit selbst nach Bern geholt. Kritisiert er jetzt ihren künstlerischen Ansatz, schafft er mehr Fragen, als er beantwortet.

Stadttheater-Intendant Stephan Märki hat am Freitag sein Schweigen gebrochen. Fragen geklärt hat er damit nicht.
Stadttheater-Intendant Stephan Märki hat am Freitag sein Schweigen gebrochen. Fragen geklärt hat er damit nicht.
Adrian Moser

Die Kette ist so stark wie ihre schwächste Stelle. Nun ist sie gebrochen. Und zwar beim Chef. Gestern erlaubte sich Intendant Stephan Märki mehrfach öffentliche Kritik an der künstlerischen Arbeit Stephanie Gräves. Bisher hat der Stiftungsrat das verordnete Schweigen in der ganzen Affäre um die abgesägte Schauspielleiterin stets damit begründet, er schütze die «Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen». Für Gräve scheint dieser Schutz nicht mehr zu gelten. Anstand geht anders.

Man kann von Gräves Bühnenprogramm halten, was man will. (Der «Bund» hat ihren ersten Spielplan alles andere als aufregend genannt.) Aber die Kritik daran, die Märki äussert, läuft ins Leere. Und sie fällt auf ihn zurück. Er selber hat noch vor kurzem in den Himmel gelobt, was er ihr nun vorwirft: die Zusammenarbeit mit den Kirchen.

Ohnehin rechtfertigen unterschiedliche Ideen darüber, was ein Theater dem Publikum zu bieten hat, keine so drastische Massnahme wie eine Freistellung per sofort. Sondern allenfalls einen zivilisierten Abschied per Ende Spielzeit. Schliesslich war Märki das künstlerische Profil Gräves bekannt, als er sie nach Bern holte. Und sie dem Publikum mit den Worten verkaufte, sie beide treibe im Theater «die gleiche Sehnsucht» an. Aber auch dem Stiftungsrat, der sie angestellt hat – auf Märkis Wunsch.

Mehr Unklarheit geschaffen

Dass der Stiftungsrat ihn mit seiner Kritik an Gräves Arbeit jetzt allein lässt, ist kein Wunder: Am Ende fällt sie auch auf den Stiftungsrat zurück. Benedikt Weibel, Stiftungsratspräsident, hat sich dem Druck entzogen. Er will im Lauf des Jahres aufhören, geplant, wie er sagt, aus Altersgründen.

Auf Stephan Märki lastet der Druck weiter. Und er hat sich erhöht. Unter dem Strich bleibt von seinem gestrigen Manöver nur der Eindruck übrig, er habe von den wahren Gründen für die Vorgänge in seinem Haus ablenken wollen. Und der Verdacht, es sei doch etwas dran an der These, Gräve sei seinen Macht­ansprüchen zum Opfer gefallen. Mehr jedenfalls als das Reingarnichts, von dem er die Öffentlichkeit gestern ebenfalls überzeugen wollte.

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