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Der gescheiterte Extrazug

Nur wenige Tage vor dem Spiel YB - Sion vom vergangenen Sonntag scheiterten Verhandlungen um einen Sonderzug für die Gästefans. Die Polizei hatte deshalb mehr zu tun.

Die An- und Abreise der Gästefans bedeutet für die Polizei viel Aufwand – hier nach YB - FCZ im Februar 2011.
Die An- und Abreise der Gästefans bedeutet für die Polizei viel Aufwand – hier nach YB - FCZ im Februar 2011.
Allessandro Della Bella, Keystone

Das Aufgebot der Berner Kantonspolizei war für das Fussballspiel YB gegen Sion am vergangenen Sonntag höher als für andere Spiele. Beim Stade de Suisse und beim Bahnhof Wankdorf standen rund 50 Polizisten. Die Polizei war aber auch in der Innenstadt und am Berner Hauptbahnhof sehr präsent. Nach dem Einsatz liess die Polizei eine gewisse Frustration durchblicken. Mediensprecherin Ramona Mock liess verlauten, die Berner Kantonspolizei würde es begrüssen, wenn sich die Clubs und die Fussballliga künftig verstärkt für eine kontrollierte Anreise der Fans einsetzen würden.

Der FC Sion schweigt

Was war geschehen? Aus verschiedenen Quellen ist zu vernehmen, dass die Polizei schon seit Beginn des Jahres in regem Austausch gewesen sei mit der Swiss Football League (SFL), aber auch mit der Sicherheitsdirektion der Stadt Bern und den beiden Fussballclubs. «Der Austausch führte dazu, dass die Kantonspolizei Bern die SBB um einen Extrazug bat und wir den FC Sion aufforderten, seine Fans dazu zu bewegen, diesen Extrazug zu benützen», schreibt Mock auf Anfrage. Gemäss dem Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause hätte dieser Zug die Sion-Fans von Brig ohne Zwischenhalt zum Bahnhof Wankdorf transportieren sollen.

Mithilfe von mobilen Zäunen hätten die Fans anschliessend vom Bahnhof Wankdorf getrennt zum Stadion geleitet werden können. Dazu ist es aber nicht gekommen. «Der Extrazug konnte nicht eingesetzt werden, da sich die Sion-Fans weigerten, diesen zu benützen», so Mock. Die Nachricht, dass der Extrazug nicht eingesetzt werden könne, sei bei Polizei und Behörden erst wenige Tage vor dem Match eingegangen. Dies sagt auch Nause. Die SBB-Medienstelle schreibt jedoch, dass die Entscheidung, keinen Extrazug fahren zu lassen, «nach konstruktiver Diskussion mit Fussball- und Behördenvertretern gemeinsam gefällt und getragen» worden sei. Der FC Sion wollte am Montag nicht Stellung nehmen.

Gespräche ohne Resultat

Was auch immer zum Ausbleiben des Extrazugs geführt hat: Fakt ist, dass die Kantonspolizei Bern kurzfristig nun auch beim Bahnhof Bern mit einem Grossaufgebot präsent sein musste. Die SFL weist jedoch den Vorwurf zurück, sie habe sich zu wenig für eine kontrollierte Anreise der Sion-Fans eingesetzt. «Aufgrund der Erfahrung des letzten Spiels in Bern haben wir bereits Anfang Januar alle Beteiligten – die beiden Clubs, die Stadt Bern, die Polizei und die SBB – an einen Tisch gebracht», sagt Philippe Guggisberg von der Medienstelle der SFL. Damals hatten vermummte YB-Fans Sion-Fans angegriffen und sieben von ihnen verletzt. «Gemeinsam strebten wir die Lösung an, dass die Gästefans direkt zum Bahnhof Wankdorf reisen», sagt Guggisberg.

Die SFL, die in diesen Verhandlungen als Vermittlerin agierte, bedauere es, dass trotz aller Bemühungen die angestrebte Anreisevariante nicht umgesetzt werden konnte. Auch aufseiten von YB bestreitet man, zu wenig für eine kontrollierte Anreise der Gästefans getan zu haben. «Wir haben die Sicherheits- und Fanverantwortlichen des FC Sion mehrfach darauf hingewiesen, dass sie ihre Fans zum Ausstieg im Wankdorf bewegen sollen», sagt YB-Sprecher Albert Staudenmann. Aber wenn deren Fans nicht wollten, seien halt allen die Hände gebunden.

Nause will Kombitickets für Gäste

Wirklich allen? Reto Nause geht einen Schritt weiter. Dass die Sion-Fans unkontrolliert zum Stade de Suisse gelangen konnten, ist ihm ein Dorn im Auge. Er wolle sich dafür einsetzen, dass beim nächsten Spiel YB gegen Sion die Gästefans nur über den Bahnhof Wankdorf an- und abreisen können, sagt Nause. Es sei möglich, dass dabei das Hooligan-Konkordat zur Anwendung komme, sagt er (siehe rechts). «Wir werden die Einführung von Kombitickets für den nächsten Match YB - Sion prüfen.» Mit den Kombi-Tickets können Behörden die Sportveranstalter bei Hochrisikospielen zwingen, nur jenen Personen Zutritt zum Gästesektor zu gewähren, die zuvor mit dem Sonderzug angereist sind.

YB zeigt sich skeptisch

Auf Kombitickets zu bestehen, liege in der Kompetenz der Stadt Bern, sagt YB-Sprecher Staudenmann. Auch YB wolle unbedingt sichere Spiele. «Erklärt man die Kombitickets für obligatorisch, läuft man aber Gefahr, dass die Gästefans versuchen, Billette für einen anderen Sektor zu kaufen», so Staudenmann. Damit könnten Gästefans zum Beispiel mit dem Auto anreisen und trotzdem ins Stadion gelangen.

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