«Der Geruch von eingelegtem Kohl ist Korea»

Die Schweizerin mit asiatischen Wurzeln brachte vor zwei Jahren die koreanische Küche nach Bern.

Eve Angst ist Wirtin des ersten koreanischen Restaurants in Bern.

Eve Angst ist Wirtin des ersten koreanischen Restaurants in Bern. Bild: Raphael Moser

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«Probieren Sie das mal», sagt Eve Angst. Sie steht in der Küche des Restaurants Chun Hee an der Berner Münstergasse. Mit der Gabel nimmt sie ein Stück Pajeon, das die tamilische Hilfsköchin soeben zubereitet hat. Das koreanische Omelett ist heiss, leicht süsslich von den Lauchstreifen und doch würzig. Zum Schluss bleibt ein zart nussiger Geschmack von Sesamöl im Gaumen.

Sesamöl sei nebst Knoblauch und Paprika ein typisches Gewürz der südkoreanischen Küche, erklärt sie. Eve Angst ist Wirtin und Köchin. Vor zwei Jahren hat sie das erste koreanische Restaurant in Bern eröffnet. Nach den chinesischen, indischen und thailändischen Restaurants sei die Zeit reif für etwas Neues gewesen.

«Kimchi ist Korea»

In der Küche riecht es nach Kohl. «Das ist der Geruch von Kimchi, eingelegtem Kohl», sagt Eve Angst, während sie sich an einen Tisch in der Gaststube setzt. «Kimchi ist Korea.» Jede Koreanerin, die etwas auf sich halte, hat einen Kühlschrank eigens für Kimchi. «Statt Blumentöpfen haben sie Kimchi vor dem Fenster.»

Die koreanische Küche unterscheide sich von der chinesischen oder thailändischen wie die italienische sich von der deutschen oder der französischen Küche unterscheide. Will heissen: Trotz vielen Ähnlichkeiten gibt es in der asiatischen Küche grosse Unterschiede. «Das koreanische Essen ist vielfältig und mundig», sagt Eve Angst. Es sei nicht zu scharf, aber gut gewürzt, dabei leicht und bekömmlich, weil immer frisch zubereitet. Koreanische Gerichte könnten sehr einfach, aber auch sehr aufwendig und kompliziert sein. Wie für die Italiener sei das Essen für die Koreaner sehr wichtig. «Darum habe ich die koreanische Küche erforscht, seit ich mich mit Korea auseinandersetzen musste», sagt Angst.

Keine Erinnerungen

Sie musste sich mit Korea auseinandersetzen? «Als Adoptivkind ist man innerlich zerrissen», erklärt Eve Angst. Sie kam in Südkorea zur Welt und wurde im Alter von fünf Jahren von Schweizer Eltern adoptiert. «An meine ersten zehn Lebensjahre habe ich aber überhaupt keine Erinnerungen mehr.» Die frühkindliche Entwurzelung musste traumatisch gewesen sein. Eve Angst weiss heute, dass ein Hilfswerk ihre alleinerziehende Mutter in einer schwierigen Situation zu dem Schritt überredet hatte.

Als sie volljährig war, verlangte sie die Unterlagen der Adoption und reiste ein paar Jahre später nach Korea, um ihre Mutter und Geschwister kennen zu lernen. Das war vor 23 Jahren. «Mein erster Sohn war gerade ein Jahr alt», erinnert sie sich. Seither hat sie regelmässigen Kontakt zu ihrer koreanischen Familie: «Wenn ich dort aus dem Flugzeug steige, werde ich wieder zur koreanischen Person.» Nur die Sprache habe sie leider nie gelernt. Denn als berufstätige Mutter von drei Söhnen habe sie dazu nicht genügend Zeit gefunden.

Ausbildung statt Heirat

«Südkorea hat viele Parallelen zur Schweiz», sagt Eve Angst. Es sei ein kleines Land, das sich gegen die grossen Nachbarn habe wehren müssen. Und innerhalb der letzten 23 Jahre habe sich Südkorea von einem Schwellenland zu einem Weltplayer entwickelt, dessen Hightech-Geräte heute in fast jedem Haushalt vertreten seien. «Die Koreaner sind schaffige Leute, so wie die Schweizer.» Und auch politisch öffne sich das demokratische Land immer mehr. Aber die Gesellschaft sei noch stark von alten patriarchalen Strukturen geprägt. «Darum wollen sich die Frauen in Korea lieber ausbilden lassen als heiraten.» Auch das sei wie in der Schweiz, sagt Eve Angst und lacht dabei schallend. Sie selbst habe vier Ausbildungen gemacht und den Vater ihrer Söhne erst spät geheiratet.

Ursprünglich wollte Eve Angst Designerin werden. Deshalb absolvierte sie eine Ausbildung zur Werklehrerin. Doch sie arbeitete nicht lange als Lehrerin; sie leitete zuerst bei der Stadt Sozialprojekte und später beim Contact-Netz verschiedene handwerkliche Ateliers für Suchtkranke. In dieser Zeit bildete sie sich in Projektmanagement und Betriebswirtschaft weiter. Auch das Wirtepatent machte sie. «Ich bin ein Projektmensch», sagt Eve Angst über sich. So habe sie zusammen mit ihrem Mann das Projekt Restaurant entwickelt. Sie steht auf und holt einen koreanischen Tee aus Wurzeln. Das heisse Getränk schmeckt leicht erdig. (Der Bund)

Erstellt: 12.02.2018, 06:42 Uhr

Strassenrestaurant im Fernsehstudio

Bis am 25. Februar finden im südkoreanischen Pyeongchang die Olympischen Winterspiele statt. Im täglichen Late-Night-Talk «Chaempieon» mit Mona Vetsch – jeweils spätabends bei SRF – bringt Eve Angst als Showköchin dem Schweizer Publikum ein Stück koreanischer Kultur und Küche näher.

Das Studio ist passend zum Gastgeberland als koreanisches Strassenrestaurant eingerichtet. Eve Angst kocht jeden Abend ein Menü, das die geladenen Gäste probieren dürfen. Am Montag Abend serviert sie im Teig frittiertes Gemüse namens Tempura. Zu Gast bei Mona Vetsch werden Schweizer Sportlegenden wie Vreni Schneider, Walter Steiner oder Sonny Schönbächler sein.

Südkorea wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, als Japan die Kolonie den alliierten Siegermächten abtrat. Mit dem aufkommenden Kalten Krieg wurde die koreanische Halbinsel in den demokratischen südlichen und den sozialistischen nördlichen Staat geteilt. In der Folge kam es zum Koreakrieg, der 1953 endete. Südkorea entwickelte sich zur Demokratie nach westlichem Vorbild und erlebt seit den 70er-Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung.(nj)

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