«Der Gaskessel hat eine sehr spezielle Identität»

Der Finanzdirektor der Stadt Bern Michael Aebersold (SP) will den Jugendclub Gaskessel im Zentrum des neuen Wohnquartiers behalten. Die Überbauung soll aber nicht zum Erlebnispark werden.

Finanzdirektor Michael Aebersold will den Kredit für den Kauf des Gaswerkareals im November vors Volk bringen.

Finanzdirektor Michael Aebersold will den Kredit für den Kauf des Gaswerkareals im November vors Volk bringen.

(Bild: Raphael Moser)

Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Herr Aebersold, lange war die Rede von einer Verschiebung des Gaskessels. Weshalb geschieht das jetzt doch nicht?
Für mich war der partizipative Prozess von Beginn an ergebnisoffen. Man hat klare Kriterien erarbeitet und die verschiedenen möglichen Standorte verglichen und benotet. Beim Gesamtergebnis war der Status Quo schliesslich eindeutig an oberster Stelle. Einerseits wäre das Lärmproblem an anderen Standorten teilweise noch grösser gewesen; man hätte mit Hunderten Einsprachen rechnen müssen. Andererseits hat der Gaskessel so wie er ist eine sehr spezielle Identität. Wenn diese verloren geht, verliert die Stadt Bern etwas ganz besonderes.

Der lärmige Gaskessel soll nun aber mitten im zukünftigen Quartier stehen.
Für den Kessel ist eine Sanierung geplant. Heutzutage kann man ein Jugendzentrum so umbauen, dass nur wenig Lärm nach aussen dringt. Direkt daneben wird es auch keine Wohnnutzungen geben. Wir wollen ohnehin eine urbane Wohn- und Lebenszone mit Wohnungen, Gewerbe und Dienstleistungen bauen. In der Umgebung des Gaskessels könnte man Büros ansiedeln, die nachts leer sind und das Wohnquartier vom Jugendzentrum abschirmen.

Laut Mitteilung strebt man ein «pulsierendes Quartier» an. Verlagert sich der Fokus der Überbauung nun von Wohnen in Richtung Belebung?
Wir wollen sicher keinen Europapark Rust bauen. Wohnraum zu schaffen ist nach wie vor das Ziel. Man spricht von rund 350 Wohnungen und man kann auf dem Areal eine gewisse Dichte realisieren. Wir haben aber die Chance, ein durchmischtes Quartier mit verschiedenen Nutzungen zu planen. Nachdem man beim Viererfeld-Wettbewerb so viel über die beteiligten Züricher Architekturbüros geredet hat, schwebt mir etwa vor, auf dem Gaswerkareal Platz für Berner Architekturbetriebe zu schaffen. Wir müssen aber erst einmal schauen, was überhaupt der Bedarf ist.

Verzögert sich die Überbauung wegen der Sanierung der giftigen Altlasten auf dem Areal?
Die Sanierung hindert uns nicht daran, bereits mit der Planung vorwärts zu machen. Jetzt, wo wir wissen, wo der Gaskessel stehen wird, können wir das übrige Quartier aufgleisen. Das Areal übernimmt die Stadt erst, wenn die Sanierung durch Energie Wasser Bern abgeschlossen ist.

Wie viel wird der Kauf des Areals die Stadt kosten?
Die Verhandlungen sind noch in der Endphase, deswegen kann ich zum Preis noch nichts sagen. Wenn alles gut läuft, können wir einen Kreditantrag dafür im Sommer dem Stadtrat unterbreiten. Bei der Novemberabstimmung sollte dann das Volk darüber entscheiden können.

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